Zweimal konnte Stefan Fittkau mit seinen herausragenden Projekten schon den Deutschen Metallbaupreis gewinnen. Foto: M&T

Interviews mit Branchenpartnern

17. December 2021 | Teilen auf:

Metallgestaltung: „Wenn es schwierig wird“

(Januar 2022) Stefan Fittkau steht mit seiner Mannschaft von der Fittkau Metallgestaltung vor allem dann bereit, wenn Metallgestaltung mit ausgefeilter Metallbautechnik umgesetzt werden muss. Wie anspruchsvoll das ist und welche Vorteile es bringt, erläutert er im Interview mit M&T-Redakteur Jörg Dombrowski.

Sie gehören zu den Gewinnern des Deutschen Metallbaupreises. Was bedeutet der Preis für Sie?

In erster Linie ist der Preis die Bestätigung unseres Leistungsniveaus und natürlich die Bestätigung des Leistungsvermögens meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es ist schön zu wissen, dass man mit Produkten, die aus dem eigenen Haus stammen, Preise in Deutschland gewinnen kann und man wird in seinem Tun bestätigt. Ich freue mich natürlich sehr mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die ebenfalls stolz auf das Erreichte sind.

Die Vermarktung des Preises läuft in erster Linie über unsere Webpage. Dort informieren wir unsere Kundschaft unter der Rubrik „Aktuelles“ zum Beispiel über den Sieg beim Deutschen Metallbaupreis.

Wie schaffen Sie es immer wieder solche preiswürdigen Objekte zu erstellen?

Wir haben uns in den letzten Jahrzehnten sehr stark auf die Metallgestaltung, verbunden mit ausgefeilter Metallbautechnik, spezialisiert. Unsere Kunden wissen, dass, wenn es schwierig wird, unser Haus mit Rat und Tat zur Seite steht und in technischen als auch in gestalterischen Fragen umfassend berät.

So etwas spricht sich herum, sodass das Niveau der Anfragen, die wir bekommen und damit auch das Niveau der Aufträge immer anspruchsvoller wird. Oder andersrum ausgedrückt wissen unsere Kunden, dass unser Credo „Geht nicht - gibt‘s nicht“ ist, sodass schwierige und damit vielleicht dann auch preiswürdige Fälle sehr oft bei uns landen.

Im Gespräch mit M&T-Redakteur Jörg Dombrowski erläutert Stefan Fittkau: „Das Niveau der Anfragen, die wir bekommen und damit auch das Niveau der Aufträge wird immer anspruchsvoller.“ Foto: M&T

Können Sie uns ein Highlightprojekt aus Ihrer Laufbahn nennen?

Da gibt es sehr viele, nicht zuletzt das Kolumbarium Dortmund, das auch den Deutschen Metallbaupreis erhalten hat.

Darüber hinaus möchte ich aber auf unseren Schleiervorhang in Wattens in Österreich hinweisen. Der Schleiervorhang, der den Hauptsitz der Firma Swarovski einfasst, ist 260 Meter lang, neun bis zwölf Meter hoch und besteht aus einem „durchgewebten Ringgewebe“ (aus Zukauf), das in speziellen Keder- und Spannprofilen von uns montiert wurde. Das Projekt hatte ein unglaublich hohes technisches Niveau und wurde zusammen mit der Uni Stuttgart realisiert. Die Statik stammt von Werner Sobek. Gestalterisch ging es in erster Linie um die Ausführung der Kederprofile und der Spannelemente.

„Wir müssen den jungen Leuten glaubhaft versichern, dass ein Arbeitsleben in der Metallgestaltung unglaublich spannend und vielseitig ist.“

Stefan Fittkau

Dann möchte ich natürlich die Kuppellaterne des Berliner Schlosses nennen. Die Kuppellaterne mit einer Gesamthöhe von zwölf Metern und einem Durchmesser von etwa sechs Metern wurde von uns mit einem Kranhub auf die bereits fertiggestellte Kuppel gehoben. Die Rekonstruktion dieses Bauteils basiert nur auf Fotos. In einem unglaublich aufwendigem Verfahren wurden mit unseren Partnern (Andreas Hoferick Bildhauer, Kunstgießerei Altglienicke und Haber & Brandner Metallgestaltung) der Prozess durchgezogen, sodass das Ergebnis sehr spektakulär ausfällt.

Mit welchen Problemen haben Sie momentan am meisten zu kämpfen?

Zum Glück ist der Kampf etwas leichter geworden. Kein Bauherr verlangt von uns, so wie es vor Jahren üblich war, exorbitante Nachlässe. Wir können unsere solide kalkulierten Preise am Markt problemlos durchsetzen. Damit sind die Spielräume für gute Metallgestaltung meistens vorhanden. Konzentrieren müssen wir uns in den nächsten Jahren auf die Zukunftssicherung unseres Unternehmens. Da wir Metallgestalter ausbilden und dieser Ausbildungsberuf ein Exot ist, haben wir zum Glück keinen Mangel an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern. Zu kämpfen haben wir, ich denke wie alle anderen auch, mit dem sogenannten Akademisierungswahn. Wir müssen den jungen Leuten glaubhaft versichern, dass ein Arbeitsleben in der Metallgestaltung unglaublich spannend und vielseitig ist. 

Sie haben sich auf die Metallgestaltung und Restaurierung spezialisiert. Warum?

Die Frage ist relativ einfach zu beantworten, da es sich bei diesen beiden Bereichen um eine Nische handelt. Zu mindestens bei sehr großen Metallgestaltungsaufträgen und bei sehr großen Restaurierungsaufträgen, die durch Firmen mit bis zu zehn Leuten nicht zu realisieren sind, kommen wir zum Zuge, da es in Deutschland nicht so viele Unternehmen unserer Größenordnung gibt. Weiter ist natürlich insbesondere die Metallgestaltung ein sehr spannendes Terrain. Die Kundschaft von guter Gestaltung zu überzeugen, macht auch sehr viel Freude. 

Was sind die besonderen Heraus­forderungen bei der Restaurierung?

Viele Bauherrn, insbesondere im privaten Bereich, haben in der Regel wenig Verständnis für die Denkmalpflege. Den Satz: „Den Schrott kann man doch bestimmt nicht mehr retten“ hören wir sehr oft. Die besondere Herausforderung ist es nun den Bauherrn davon zu überzeugen, dass erstens die Bauteile durchaus erhaltenswert sind und zweitens die Denkmalpflege ohnehin nichts Anderes zulassen würde. Sehr spannend ist die Absprache mit der Denkmalpflege. In der Regel unterbreiten wir mehrere Restaurierungsvorschläge, die dann diskutiert werden.

Wie wichtig sind dabei Ihre Mitarbeiter?

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind natürlich das Herz unseres Unternehmens. Ohne gut ausgebildete, qualifizierte und hochmotivierte Leute kann man keinen Blumentopf gewinnen. Das Können und das Know-how meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist entscheidend. Zur Mitarbeiterfindung machen wir wenig, außer natürlich ab und zu mal eine offene Stelle zu annoncieren. Ansonsten finde ich es am wichtigsten, dass man anspruchsvolle und spannende Projekte unter Vertrag hat, damit man seinen Leuten ein interessantes Arbeitsleben bieten kann. Dann finden sich automatisch Interessierte und die Gefundenen bleiben in der Regel sehr lange.

Wie machen Sie Ihre Firma zukunftsfest und was sind Ihre Pläne?

Die Zukunftssicherung erfolgt in erster Linie durch eine gut organisierte Administration. Ein großes Thema ist das papierlose Büro, das uns gut gelingt. Unsere Ablageschränke werden immer leerer, dafür hat die Speicherkapazität unseres Servers ungeahnte Größen erreicht. Des Weiteren planen wir noch in dem einen und anderen Markt Fuß zu fassen. Projekte in den USA und im Vereinigten Königreich werden für mein Haus zunehmend interessanter. 

Mit welcher Art von Kunst beschäftigen Sie sich privat?

Kein Kunstmuseum ist vor meiner Frau und mir sicher. Es ist uns immer eine besondere Freude die Galerien und Museen zu besichtigen. Damit geht natürlich auch die Besichtigung der in der Regel sehr außergewöhnlichen Architektur einher. So haben wir es diesen Sommer endlich einmal geschafft in Basel das Kunstmuseum und die Fondation Beyeler anzusehen. Beides außergewöhnliche Bauwerke und beide Museen mit außergewöhnlichen Sammlungen. Da die Architektur auch als Vorbild für Heerscharen von Architekturbüros dient, ist es ohnehin von Vorteil, die Architektur mit eigenen Augen gesehen zu haben. Im Falle des Kunstmuseums Basel ging es zum Beispiel um die Innenverkleidungen aus feuerverzinktem Stahl, die in letzter Zeit immer häufiger nachgefragt werden.

zuletzt editiert am 17.12.2021