Der Preiswettbewerb bereitet aber immer mehr Unternehmen Sorge. Auf der Jahrespressekonferenz des Metallhandwerks informierten Bundesverband Metall (BVM) Präsident Erwin Kostyra und der im Präsidium für den Bereich Technik verantwortliche Vizepräsident Christian Metges über die Lage des Metallhandwerks in Deutschland.
Deutschland zählt sowohl als Arbeitgeber von einer halben Million Menschen als auch umsatzbezogen zu den „Schwergewichten“ der Branche. Die Pressekonferenz wurde erstmals vom neu gewählten BVM-Präsidenten Erwin Kostyra geleitet, der schon in der Vergangenheit als Vizepräsident dem Präsidium angehörte, seit vielen Jahren als Präsident der Europäischen Metallunion in Europa Erfahrungen sammelte und seit Dezember auch Mitglied des ZDH Präsidiums ist.
Neben den Konjunkturdaten und Aussichten für 2014 standen die „Initiative BVM 2020“ auf der Tagesordnung sowie die Internetplattform „
www.Q4europe.eu
“. Eine europäische Internetplattform, die Unternehmen bei der Suche nach geeigneten Fachkräften unterstützt und gemeinsam mit befreundeten europäischen Mitgliedsverbänden entwickelt wurde.
BVM Präsident Erwin Kostyra: „Das Jahr 2013 hatte im Metallbauhandwerk sehr unterschiedliche Facetten. Im Baubereich waren der lange Winter und die damit verbundenen wenigen Aufträge häufig problematisch aufzufangen. Die gute Auftragslage ab dem Sommer brachte viele Betriebe an ihre Leistungsgrenze. Leider konnten nicht alle Betriebe die Anfangsschwierigkeiten des Jahres kompensieren. Die feinwerktechnischen Betriebe, welche als Zulieferer und im Vorrichtungs- und Sondermaschinenbau für die Industrie tätig sind, hängen sehr stark von der Industrieproduktion im Inland ab. Die Inlandsnachfrage hat sich im Jahr 2013 erst langsam gesteigert bzw. stabilisiert und somit hatten diese Betriebe ebenfalls Auftragsschwankungen hinzunehmen.
Dazu kommt der Preisdruck, der sich sowohl im Baubereich als auch im feinwerktechnischen Metallbau und Zuliefererbereich verstärkt hat. Der europäische Wettbewerb ist für die Betriebe ebenfalls stärker geworden und bringt einen hohen Preisdruck. Diese Entwicklung ist nicht länger durch Modernisierung und Produktivitätssteigerung auffangbar. Häufig weichen die Betriebe auf Spezialgebiete aus, um dort durch Qualität und Quantität Kunden zu gewinnen. Hier hilft im Baubereich zum Teil die Umsetzung der DIN EN 1090 für das Metallbauhandwerk zum Juli 2014.
Die Stabilisierung der Auftragslage zum Jahresende 2013 und die witterungsbedingten Einflüsse zum Jahresanfang 2014 lassen viele Betriebe auf ein gutes Geschäftsjahr 2014 hoffen. Wenn die Binnenkonjunktur stabil bleibt und die fast überwundene EU Wirtschaftskrise nicht durch neue Einflüsse wieder auflebt, ist dieser Optimismus gerechtfertigt.“
In einem zweiten Block standen die Maßnahmen im Fokus, die der Bundesverband Metall in Angriff genommen hat, um seine Mitglieder noch intensiver dabei zu unterstützen. Die Spitzen des Verbandes erläuterten, dass der BVM ein Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband sei, dessen Basis täglich im Wettbewerb bestehen müsse. Der Verband verfolge daher das Ziel, den Mitgliedern nachhaltige Vorteile für ihre tägliche Arbeit zu bieten, und nehme daher über die Innungen und die Landesverbände direkten Kontakt zu den Betrieben auf. Im Rahmen der „Initiative BVM 2020“ habe eine deutliche personelle Verstärkung im Bereich der technischen Beratung stattgefunden und finde weiter statt, unterstrich Christian Metges, der den Bereich Technik im Bundesverband verantwortet.
Die drei Diplomingenieure die in der technischen Beratung tätig seien, erhielten von den UnternehmerInnen für ihre Schulungs- und Beratungstätigkeit regelmäßig Bestnoten. Das Feedback aus der Unternehmerschaft beweise, dass der BVM auf dem richtigen Weg sei. Die Fachgruppenarbeit, die Sachverständigenschulungen, die Normenarbeit und der Bereich EN 1090-Zertifizierung seien wichtige Leistungen, die der BVM für die Mitgliedsunternehmen weiter ausbauen werde. Gerade in diesen Tagen sei das Angebot für die feinwerktechnischen Mitgliedsbetriebe erweitert worden und das Beraterteam durch einen Feinwerkmechanik-Experten verstärkt worden.
Auch die europäische Ebene, so BVM Präsident Kostyra, werde immer wichtiger. Daher sei es auch besonders wichtig, in Brüssel überall dort präsent zu sein, wo die Interessen der Mitgliedsbetriebe auf dem Spiel stünden. Er zeigte sich zufrieden darüber, dass der BVM auch in der NORMAPME Nachfolgeorganisation SBS (Small Business Standards) bereits wieder aktiv tätig sei und dass so der Zugang zu den wichtigen europäischen Normausschüssen auch in Zukunft sichergestellt sei. Erste Berufungen von BVM Experten in wichtige Ausschüsse seien bereits erfolgt. Nicht nur das europäische, auch das nationale Engagement in den deutschen Normungsausschüssen oder Gremien wie dem DVS werde verstärkt.
Der großen Bedeutung Europas und dem Trend zur Europäisierung der Arbeitsmärkte sei das BVM- Engagement bei der Entwicklung von „Q4europe“ geschuldet. Diese Online-Plattform unterstütze die Entwicklung, Förderung und Suche passender Fachkräfte auf nationaler und internationaler Ebene. Erwin Kostyra: „In der Vergangenheit war es kaum möglich, die Qualifikationen der Bewerber aus Europa mit unseren Anforderungen in Übereinstimmung zu bringen. Dieses Problem ist jetzt gelöst. Die Plattform kann einen sehr konstruktiven Beitrag für den europäischen Arbeitsmarkt leisten. Davon profitieren nicht nur unsere Unternehmen, sondern vor allem auch die Beschäftigten und Europa.“
