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„Metallhandwerks-Betriebe, die sich an der richtigen Stelle präsentieren, optimieren ihren Recruiting-Erfolg, indem sie dort die Werte der Zielgruppe aufgreifen“, weiß Uwe Velhagen. Foto: Uwe Velhagen

Interviews mit Branchenpartnern

26. March 2021 | Teilen auf:

Millenials: „Wirklich wichtig ist Inklusion“

(April 2021) Wie ticken Menschen, deren Geburtsjahr zwischen 1980 und 2000 liegt? Die so genannte Generation Y hat andere Wertevorstellungen als die Baby-Boomer. Wie sprechen Metallhandwerker diese Menschen für die eigene Nachwuchsgewinnung an? Wie hält man sie im Unternehmen? Das haben wir Uwe Velhagen, bei Hilti Deutschland verantwortlich für die Personalentwicklung, gefragt.

Warum ist es wichtig zu wissen, aus welcher Zeit die Menschen stammen, die man einstellen oder im Unternehmen halten will?
In zehn Jahren werden etwa fünfzig Prozent der Arbeitnehmer Angehörige der „Generation Y*“ sein. Die Zeit beziehungsweise die herrschenden Lebensumstände, in der eine Generation aufwächst, haben einen zentralen Einfluss auf deren Wahrnehmung der Welt: Sie formen deren Bedürfnisse und Werte. Zahlreiche Studien zeigen, dass für die jungen Generationen (Y und Z*) eben diese persönlichen Werte, größten Einfluss auf berufliche Entscheidungen haben. Das heißt: Wer die Zeit und damit die Werte der neuen Generationen kennt und beachtet, wird auch von dieser neuen Generation als relevanter Arbeitgeber gesehen und beachtet.

„Attraktiv ist, wer authentisch ist.“

Personalentwickler Uwe Velhagen

Welche Generation ist für den Arbeitsmarkt derzeit wichtig?
Ganz klar: Alle. Entscheidender Faktor für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens ist es nicht, eine Generation der anderen vorzuziehen und damit einen einseitigen Fokus zu schaffen. Wirklich wichtig ist Inklusion. Zukunftsorientierte Arbeitgeber schaffen ein Umfeld, das es Mitarbeitern aller Generationen ermöglicht, von- und miteinander zu lernen und so Erfolge gemeinsam zu gestalten.

Wie ticken Menschen, deren Geburtsjahr zwischen 1980 und 2000 liegt?
Unternehmer müssen sich bewusst sein, dass die Menschen dieser Geburtsjahre keine homogene Gruppe sind. Es lassen sich jedoch Trends ableiten. Was dabei besonders hervorsticht sind Charakteristika wie Werteorientierung und Sinnsuche. Das heißt, dass diese Generationen mehr als alle anderen nachfragen, worin der Sinn einer Tätigkeit besteht. Stimmt dieser [Sinn] mit dem eigenen Wertekodex überein, sind sie bereit, mehr zu leisten und zu lernen. Weitere relevante Themen sind Digitalisierung, Work-life-Balance und der Wunsch nach abwechslungsreichen Entwicklungsperspektiven.

Was sind die Unterschiede zur Baby-Boomer-Generation und welche Rolle spielen sie?
Das Wirtschaftswunder, wachsender Wohlstand und traditionell geprägte Gesellschaftsstrukturen sind kennzeichnend für die „Baby-Boomer“. Durch Faktoren wie Digitalisierung, Globalisierung und Wirtschafts- oder Umweltkrisen sind die Generationen, der nach 1980 geborenen, in einem komplett neuen Kontext aufgewachsen. Daraus ergeben sich zahlreiche Unterschiede. Sie zu verstehen ist essenziell für den Erfolg im „war for talents“ [Konkurrieren um Fachkräfte]. Denn dieses Wissen bildet die Grundlage, für notwendige Anpassungen im Arbeitsalltag, um ein wertschätzendes Miteinander und nachhaltigen Erfolg zu ermöglichen.

Wie sprechen Metallhandwerker diese Menschen für die eigene Nachwuchsgewinnung an?
Zunächst ist das „Wo“ ausschlaggebend. Die beste Stellenanzeige verfehlt ihren Sinn, wenn sie von der Zielgruppe schlicht nicht wahrgenommen wird. Die jungen Generationen finden ihre Arbeitgeber bevorzugt digital und idealer Weise über Social Media-Kanäle. Metallhandwerks-Betriebe, die sich an der richtigen Stelle präsentieren, optimieren ihren Recruiting-Erfolg, indem sie dort die Werte der Zielgruppe aufgreifen. Das gelingt zum Beispiel, indem sie eine Vision des eigenen Unternehmens authentisch darstellen oder durch neue Herangehensweisen wie Influencer-Marketing.

Was muss ein Betrieb haben, damit er attraktiv für leistungsstarke Arbeitnehmer wird und wie hält man diese im Unternehmen?
Attraktiv ist, wer authentisch ist. Betriebe, die Ihre Vision und Werte an der richtigen Stelle klar kommunizieren und diese aktiv in ihrer Unternehmenskultur leben, schaffen so eine ideale Basis, um leistungsstarken Nachwuchs, “Young Professionals“, anzusprechen und zu rekrutieren.
Langfristig sind (Entwicklungs-)Perspektiven entscheidend. Mitarbeiter aus neuen Generationen wollen etwas bewegen, mitmachen, Sinn stiften und dafür Anerkennung, Förderung und Freiraum bekommen. Die Möglichkeiten das aufzugreifen sind vielfältig: zum Beispiel durch das Etablieren einer Führungskultur, die sich auf Individualität, Stärken und Bedürfnisse einlässt oder durch Konzepte wie „Agile Teams“.

*Generation Y: zwischen etwa 1980 und 1996 geborene / Generation Z: ab etwa 1997 geborene

Spannendes Thema?

Das Thema Millenials interessiert Sie? Sie würden gerne mehr über diese Generation erfahren? Uwe Velhagen, Head of People and Culture Development and Training Central Europe, Hilti Deutschland schildert in seinem Vortrag „Was ist los mit den Millenials?“ auf dem Metallkongress ( 29./30. Oktober 2021 in Würzburg ) was diese Generation mitbringt. Er zeigt außerdem, wie die Millenials-Eigenschaften Mitarbeiter anderer Generationen ergänzen und wie Inklusion im eigenen Betrieb gelingen kann. Infos und Anmeldung unter www.metallkongress.de.