Für dekorative Metalloberflächen ist eine regelmäßige Reinigung und Pflege mit den richtigen Verfahren und Hilfsmitteln unerlässlich (siehe Kapitel 1.8.4). Sie sollten dem Kunden dafür eine Reinigungsanweisung übergeben. (Quelle: FRW)

Einführung

05. September 2022 | Teilen auf:

Nachbearbeitung: Kümmern Sie sich nach der Fertigstellung um Ihren Kundenauftrag

(September 2022) Der Auftrag ist abgeschlossen. Ihr Bauteil ist montiert und durchden Kunden abgenommen. Trotzdem kann auch im Nachhinein noch einiges „passieren“und ein guter Umgang mit dem Kunden und seinen Einwänden oder Hinweisen istunerlässlich für die Kundenbindung. Zufriedene Kunden sind die beste Werbung. Fürdie „Nachbearbeitung“ liefert die Fachregel zahlreiche Hinweise und Hilfen.

Das beginnt mit der Vollständigkeit der an den Kunden übergebenen Dokumente. Gerade bei Produkten mit CE-Kennzeichnung ist dies unerlässlich, um die MangelfreiheitIhrer Leistung sicherzustellen. Ein solches „gefahrengeneigtes“ Produkt, bei dem es immer wieder zu Schäden oder Unfällen kommen kann, sind kraftbetätigteTore. Deshalb beschäftigt sich das Kapitel 2.23.0.8 ausführlich mit der CE-Kennzeichnungvon Toren und den dabei zu beachtenden Dingen und zu übergebenden Dokumenten.

Aber auch bei anderen Bauteilen können begleitende Dokumente wie Gebrauchsanweisungen, Wartungsanweisungen oder Reinigungshinweise sinnvoll und für den Kunden hilfreich sein. Letzteres ist zum Beispiel beidekorativen Oberflächen, die viele Metallbauteile besitzen, besonders wichtig. Die Oberflächen aller im Metallbau (vor allem im Fenster- und Fassadenbau) eingesetztenWerkstoffe unterliegen durch Witterungseinflüsse einer natürlichen, atmosphärisch bedingten Verschmutzung. Außerdemkann es durch den normalen Gebrauch oder durch unsachgemäße Behandlung beziehungsweise mutwillige Beschädigung zurBeeinträchtigung des Aussehens der Oberflächen kommen. Eine Reinigung ist notwendig. Was und wie gereinigt werden muss und welche Reinigungsmittel Sie in Ihrer Reinigungsanweisungempfehlen sollten, erfahren Sie unter anderem für die Materialien nichtrostender Stahl, Aluminium und Glas im Kapitel 1.8.4.

Bieten Sie einen Wartungsvertrag an

Porträtbild von German Sternberger
„Das Fachregelwerk ist für mich eine unersetzliche Hilfe bei der Erstellung meiner Gutachten.“ German Sternberger, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger aus Leimen (Quelle: Stefan Bausewein)

Für die gelieferten Produkte und deren Einbau übernehmen Sie im Rahmen der vertraglichen Vereinbarung eine Gewährleistung. Zur nachhaltigen Sicherung der Gebrauchstauglichkeit und Werthaltigkeit der Produkte und zur Vermeidung von Personen-und Sachschäden sowie zur Absicherungeiner Haftung gegenüber Dritten ist auch während des Gewährleistungszeitraumes eine fachgerechte Wartung und Pflege erforderlich. Diese ist aber nicht in Ihre Gewährleistungsverpflichtung eingeschlossen.

Bereits mit der Teilabnahme einer Leistung beginnt die Verpflichtung zur Instandhaltung durch den Bauherrn. Gefordert sind also Werterhaltungsmaßnahmen, um die Funktionen des Bauproduktes über die Nutzungsdauer zu erhalten. Diese Maßnahmen können sein: technisch notwendige Reinigung, Wartung, Neuanstrich, Ausbesserung, Austausch von Teilen etc. zur Sicherstellung der Gebrauchstauglichkeit. Kritisch kann das zum Beispiel bei kraftbetätigten Toren sein, wenn die vorgeschriebenen Wartungsintervalle nicht eingehalten werden.

Darauf sollten Sie den Bauherren unbedingt hinweisen und ihm gleichzeitig einen Wartungsvertrag anbieten. Dazu finden Sie in der Metallbaupraxis verschiedene Musterwartungsverträge zum Beispiel für kraftbetätigte Fenster, Türen und Tore (Kapitel 1.18.3.14.1), für Fenster, Türen und Fassaden (Kapitel 1.18.3.14.2) und für Fugen (Kapitel 1.18.3.14.3). Zu einer professionellen Auftragsabwicklung gehört auch ein promptes Reagieren auf Mängelanzeigen, die Sie – berechtigt oder unberechtigt – erreichen. Wie Sie damit umgehen sollten, erfahren Sie im Kapitel 1.18.3.16 Umgang mit Mängelanzeigen. Bestimmte Fristen, in denen reagiert werden sollte, sind nicht festgelegt. Die Empfehlung lautet jedoch unverzüglich auf entsprechende Schreiben zu antworten. Sie bestätigenden Eingang und treffen eine Terminvereinbarung zur Besichtigung vor Ort. Einen Formulierungsvorschlag finden Sie im Kapitel 1.19.12 Umgang mit Mängelanzeigen. Nach der Begutachtung der beanstandeten Mängel wird von Ihnen Stellung genommen. Die bei der Besichtigung getroffenen Feststellungen sind in der Formulierungshilfe erfasstund je nach Situation auszuwählen.

Informieren Sie sich über hinzunehmende Unregelmäßigkeiten

Für die Einschätzung der Berechtigung der beanstandeten Mängel ist das Kapitel 1.19 Hinzunehmende Unregelmäßigkeiten einewichtige Hilfe. Bauherren und Architektendürfen von ihren Vertragspartnern ohne Zweifel eine mangelfreie Bauleistung erwarten. Der Streit über sogenannte Mängel undSchäden an Metallbauarbeiten ist allerdings in nicht wenigen Fällen übertrieben, etwa wenn Kratzer, Farbabweichungen oder Unebenheiten moniert werden. Diese vorgeblichen Mängel stellen sich nach längeren Auseinandersetzungen meist als unvermeidbar und hinnehmbar heraus. In handwerklicher Einzelanfertigung entstandene Metallbauelemente können nicht immer die Exaktheit und Makellosigkeit haben, die der Auftraggeber von industriellgefertigten Gebrauchsgütern gewohnt ist. Deshalb werden in diesem Kapitel diese erlaubten Abweichungen vom Idealzustandgenau beschrieben und quantifiziert. Besondershäufig werden dazu die Hinweise zu Toleranzen, zu optischen Unregelmäßigkeiten und zu zulässigen Unregelmäßigkeiten an Schweißverbindungen benötigt. Für die Arbeit des Sachverständigen, der im Streitfall schlichten und in der Begutachtung seine fundierte Meinung abgeben muss, ist dieses Kapitel eine sehr wichtige Hilfe. Ein nicht unwichtiger Punkt kann das Verlangen von Bauherren an Sie sein, Ihr Produkt absichtlich im Sinne des Bauherrn nicht regelgerecht zu fertigen oder zu montieren. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Bauherr in seiner Wohnung eine Treppe ohne Geländer oder ohne Füllungen eingebaut haben möchte (was gar nicht so selten vorkommt). Dabei ist große Vorsicht geboten. Sie können sich auch nicht durch das so genannte „Freizeichnen“, indem Sie sich das schriftlich vom Bauherrn bestätigen lassen, aus der Haftung befreien. Darauf wird ausführlichim Kapitel 2.38.12 Baurecht vs. Haftungsrechteingegangen, dass Sie unbedingtbei Ihrer Arbeit berücksichtigen sollten. Wenn Sie den Kontakt zu Ihrem Kunden pflegen, ihn über alles Wichtige zu Ihrem Produkt informieren, berechtigte Hinweise und Mängel berücksichtigen beziehungsweise beseitigen und über unberechtigte Beanstandungen fundiert und sachlich aufklären, wird es Ihnen der Kunde danken und mit Folgeaufträgen zu Ihnen kommen.

zuletzt editiert am 05.09.2022