Mit Sebastian Windeck ist kürzlich die fünfte Generation der Familie Windeck in die Geschäftsführung des modernen Metallbaubetriebes und traditionellen Handwerksbetriebes in Kloster Lehnin vor den Toren Brandenburgs mit eingestiegen. Wir haben den neuen Geschäftsführer nach Ideen, Vorstellungen, Tipps und Strategien gefragt.
Wann und wie reifte in dir der Entschluss in die Firma mit einzusteigen?
Die Entscheidung reifte in mir schon in frühester Kindheit. Wie man mit so jungen Jahren schon so im Unternehmen drinstecken kann, frage ich mich heute noch. Aber es zeigt auch, dass der Arbeitsplatz der Eltern der Spielplatz der Kinder sein kann.
Die zweite Entscheidung für den Betrieb fand während meines Wirtschaftsingenieurstudiums statt. Ich versuchte, die gelernte Theorie in unserem Unternehmen sofort zu testen. Dabei scheiterte ich manchmal, weil ein mittelständisches Unternehmen nun mal kein Konzern ist und nicht jede Wirtschaftstheorie bei uns Anwendung findet. Dennoch konnte ich so früh Verständnis für die Prozesse im Unternehmen gewinnen. Parallel dazu hatte ich durch viele Praktika und Auslandsaufenthalte die Möglichkeit, von anderen Unternehmen zu lernen und mein Netzwerk aufzubauen.
Die dritte und finale Entscheidung, in das Familienunternehmen einzusteigen, fiel nach dem Studium an der ETH Zürich. Während des Studiums hatte ich schon intensiven Kontakt mit dem Betrieb, einige IT-Systeme mit aufgebaut und Einblicke in bestimmte Prozesse erhalten. Schrittweise bekam ich Teamverantwortung und wurde immer mehr in die Unternehmensführung eingebunden.

Welche Herausforderungen hast du bei der Übernahme des Familienbetriebs erlebt und wie hast du diese gemeistert?
Jede Generation bringt eine neue Perspektive mit sich und muss sich den Herausforderungen ihrer Zeit stellen. Bei aller Unterschiedlichkeit der Führungsstile, bleibt der Fokus auf die Bedürfnisse und Wünsche des Kunden konstant.
Mein eigener Führungsstil tendiert dazu, partizipativer zu sein, und ich strebe danach, Mitarbeiter noch stärker in die Autonomie und Selbstständigkeit zu führen. Hierbei ist es entscheidend, dass jeder Mitarbeiter sein Ziel, seine Mission und seine Verantwortung im Unternehmen klar versteht. Diese Veränderung in der Führungskultur halte ich für äußerst relevant, da dadurch auch Probleme und Verschwendungen direkt von den verantwortlichen Mitarbeitern erkannt und angegangen werden können.
Bei dieser Umstellung lege ich großen Wert auf Kommunikation und den Dialog mit meinen Mitarbeitern, um ihre Bedenken und Anregungen zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Nur so funktionieren wir als Team.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit deinem Vater?
Der klassische Generationskonflikt zeigt sich auch bei uns. Mein Vater verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung, während ich mit neuen Ideen frisch von der Universität komme. Zu Beginn kam es zu dem ein oder anderen Konflikt, und es wurde auch mal laut, aber genauso schnell wurde es auch wieder ruhiger. Das ist ganz normal. Wir schätzen einander sehr. Die Gelassenheit meines Vaters bei einigen Herausforderungen und mein Engagement bei der Umsetzung neuer Ideen ergänzen sich perfekt. Wir nutzen die Stärken des jeweils anderen optimal.
Intern leben wir nach einer Regel: Vor einer Entscheidung müssen wir nicht einer Meinung sein. Aber sobald eine Entscheidung gefällt wurde, stehen wir in der gesamten Führung geschlossen dahinter.
Bei der Aufgabenteilung zwischen meinem Vater und mir haben wir es so gelöst, dass er aktuell die technische Geschäftsführung mit Akquise und Projektabwicklung verantwortet, während ich die kaufmännische Geschäftsführung mit den internen Prozessen übernehme.
Wie hast du dich auf die Übernahme vorbereitet?
Meine Empfehlung wäre, frühzeitig zu beginnen und Gespräche außerhalb der Firma zu führen, bei denen über globale und persönliche Themen gesprochen wird. Es ist wichtig, Werte und Visionen der einzelnen Verantwortlichen auszutauschen und zu diskutieren, wo sie sich und das Unternehmen in den nächsten fünf Jahren sehen. Diese offenen Gespräche helfen dabei, eine gemeinsame Ausrichtung und langfristige Ziele zu entwickeln und sicherzustellen, dass alle Beteiligten auf dem gleichen Weg sind.
Ein sehr guter Familienfreund half uns zu Beginn als Coach und Mediator, die Erwartungshaltungen und Werte aller Beteiligten in Bezug auf die Nachfolge zu klären. Durch quartalsweise Sessions konnten wir Themen wie Strategie, Vision und Geschäftsmodelle diskutieren, was zu einem besseren Verständnis der Herausforderungen führte. Dieser Prozess begann tatsächlich im Jahr 2020 innerhalb der Familie und wurde 2021 mit meinem offiziellen Start bei Windeck in die Praxis umgesetzt. Er ist noch nicht abgeschlossen. Wir planen die Übergabe in mehreren Schritten und befinden uns aktuell in einer Phase, in der ich zunehmend Verantwortung übernehme, während mein Vater sukzessive Verantwortung abgibt – ganz nach dem Motto „loslassen ohne fallenlassen“.
Welche Werte und Traditionen der Firma sind dir besonders wichtig und wie stellst du sicher, dass diese bewahrt bleiben?
Ein Wort: „Familie“. Wir sind ein Familienunternehmen „von Familie“ und „für Familien“. Das bedeutet, dass wir familiäre Werte aktiv leben wollen. Wir betrachten uns als eine Familie in unserer Unternehmenskultur und fördern auch junge Familien und kümmern uns um manches „privatere“ Problem, wenn es an uns herangetragen wird. Daher wählen wir unsere Mitarbeitenden auch gezielt so aus, dass sie zu uns passen und unsere Werte mittragen.
Hierfür muss man sich für alle Mitarbeitenden Zeit nehmen und sie wertschätzen. Wir legen großen Wert darauf, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich jeder sowohl beruflich als auch persönlich entfalten kann und sich weiterentwickelt. Die familiäre Atmosphäre fördert die Motivation und das Engagement unserer Mitarbeitenden mit unserem Unternehmen und trägt damit zu unserem Erfolg bei.
Welche Veränderungen oder Innovationen hast du geplant?
Intern streben wir an, unsere „digitale Pipeline“ von der Akquise bis zum Service auszubauen und den Prozess zu vereinfachen. Dadurch sollen unsere Projekte kürzere Vorlaufzeiten haben und die Kosten reduziert werden. Dies umfasst auch die Einführung und Nutzung von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung sowie die Unterstützung in der Fertigung und Montage.
Im Bereich der Produkte werden wir uns noch stärker an den individuellen Bedürfnissen der Kunden orientieren und diese bereits in der Planungsphase unterstützen. Zudem streben wir an, das Produkt Fassade über den gesamten Lebenszyklus zu betreuen.
Unser Ziel ist es, die Projektlaufzeiten zu verkürzen und die Effizienz zu steigern. Das Motto, das in Zukunft bei uns intern gelten wird, lautet: „Einfach. Machen.“ Diese Aussage hat zwei Bedeutungen für uns: Wir müssen unsere Produkte und Prozesse vereinfachen und uns neu erfinden, während wir gleichzeitig einfach handeln müssen, um unsere Ziele zu erreichen.
Was machst du im Betrieb am liebsten?
Sehr gerne führe ich Gespräche mit Mitarbeitenden, Kunden und Partnern. Gute Netzwerke und Partnerschaften sind gerade in schwierigen Zeiten eine wichtige Säule für das Unternehmen.
Wir arbeiten nach der Prämisse, nicht den Gewinn zu maximieren, sondern unsere Zufriedenheit zu maximieren.
Die Sorgen und Nöte der Mitarbeitenden und Kunden kann man nur mit guter Kommunikation verstehen. Hier werden neue Ideen und Innovationen geboren. Meist vermischt sich in diesen Gesprächen Berufliches mit Privatem – das ist und war schon immer das „Neue Normal“.
„Wir wollen familiäre Werte aktiv leben.“
Sebastian Windeck