CO2-Fußabdruck direkt steuern: Während der Planung von Fassadenelementen zeigt SchüCal den bauteilspezifischen CO2-e-Eintrag in das Gebäude. (Quelle: Schüco International KG)

Betriebsführung 2023-11-02T10:56:13.198Z Nachhaltigkeit: Am besten miteinander

Um die steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen zu erfüllen, brauchen und erhalten Metallbaubetriebe die Unterstützung von Systemanbietern. Roman Kordtomeikel, Head of Product Sustainability bei Schüco, zeigt anhand der Fassade, wie Metallbaubetriebe und Systemhäuser gemeinsam die CO2-Bilanz der Gebäudehülle beeinflussen können.

Build to Decarb: Nachhaltiges Bauen und Sanieren ist vielmehr als ein Trend und wird zukünftig zum Standard in der Baubranche werden. Treibende Kraft dafür ist der European Green Deal, der eine klare Forderung für Europa und damit verbunden auch für den Bausektor formuliert hat: Klimaneutralität bis 2050. Hand in Hand damit gehen auch die Wünsche der Endkunden und Investoren nach emissionsreduzierten Gebäuden. Zukünftig wird CO₂ zu einer neuen Währung und die CO₂-Emissionen eines Gebäudes zu einem Hauptkriterium bei Investments und Ausschreibungen.

CO2-reduzierte Materialien 

Unter anderem durch die Wahl des richtigen Materials können Verarbeiter die verbauten Emissionen aktiv steuern und haben damit einen signifikanten Einfluss auf den CO2-Fußabdruck eines Gebäudes. Aluminium punktet mit seiner unendlichen Recyclingfähigkeit, bei der durch das Wiederverwenden der Materialien ein vergleichsweise geringer CO2-Ausstoß anfällt. Damit ist Aluminium ein nachhaltiger Werk- und Wertstoff auf Dauer. In der Zukunft werden heute verbaute Materialien erneut verwendet werden müssen und behalten damit auch ihren Wert.

Ob Wartungshistorie, verarbeitete Materialien oder Recyclingmöglichkeiten – über "Schüco IoF ID" können alle relevanten Informationen zu dem verbauten Element ausgelesen werden. Dafür kann die Plakette ohne Bohren und Schrauben einfach auf die Innenseite des Elements aufgeklebt werden. (Quelle: Schüco International KG)

Regional werden dabei unterschiedliche Anforderungen an die Materialzusammensetzung gestellt. So ist beispielsweise in London mittlerweile ein hoher Recycling-Anteil von Materialien gefordert. Viele der dortigen Ausschreibungen fordern einen Anteil von mehr 75 Prozent post-cosumer Recycling-Aluminium. Post-consumer Material hat bereits einen Lebenszyklus als Produkt erlebt und kann recycelt werden.

Unterschiedliche Aluminiumgüten können schon beim Bau die CO2-Bilanz eines Gebäudes reduzieren. So haben die Aluminiumgüten Low Carbon und Ultra Low Carbon von Schüco unter anderem durch die Verwendung von Recyclingaluminium oder auch den Einsatz von Grünstrom deutlich weniger Embodied Carbon. Embodied Carbon sind die im Material enthaltenen CO2-Emissionen, die durch die Herstellung der Elemente entstehen. Für die Profile aus Schüco Low Carbon Aluminium wird in den Umweltdeklarationen ein Wert von unter 4,9 CO2e/kg ausgewiesen werden, wohingegen der Wert von Schüco Ultra Low Carbon-Profilen unter 2,7 CO2e/kg liegen wird. Auch die Art der Profilveredelung, zum Beispiel die Anodisation oder die Pulverbeschichtung, hat einen Einfluss auf den CO2-Wert der Fassade und trägt CO2 in die Fassadenkonstruktion ein.

In Bezug auf Materialien darf Cradle to Cradle (C2C) nicht unerwähnt bleiben. Cradle to Cradle zertifizierte Systeme leisten einen entscheidenden Beitrag in Bezug auf Zirkularität, Nachhaltigkeit, Materialgesundheit, Umweltschutz und soziale Aspekte. Mit aktuell 76 zertifizierten Systemen zählt Schüco zu den C2C-Pionieren im Bausektor. Die nach C2C konstruierten Produkte sind optimal für eine Wiederverwertung nach der Nutzungsphase vorbereitet. Insbesondere der Wertstoff Aluminium kann beliebig oft in den A/U/F-Kreislauf (Aluminium und Umwelt im Fenster- und Fassadenbau) zurückgeführt werden. Durch die stoffliche Trennung und das Einschmelzen des Aluminiums kann sichergestellt werden, dass der Rohstoff Aluminium auch nach einer Nutzungsphase wiederverwendet und dadurch der Bedarf an neu hergestelltem Aluminium in den Fassadenkonstruktionen reduziert wird.  

CO2-Fußabdruck auf Knopfdruck 

Immer häufiger werden seitens der Investoren und Bauherren auch Zertifikate wie LEED, BREEAM, QNG oder DGNB angestrebt, mit denen das Gebäude nachweislich den geforderten Nachhaltigkeitskriterien entspricht. Eindeutige Informationen zum CO2-Fußabdruck eines Systems bieten Umweltdeklarationen, sogenannte EPDs (Environmental Product Declarations). Um genau zu Planen und bestimmte Vorgaben einhalten zu können, bietet Schüco für seine eigenen Fassadenelemente schon länger die EPD auf Knopfdruck. Mit der Kalkulationssoftware SchüCal kann unter anderem der bauteilspezifische CO2e-Eintrag in Form einer EPD ausgegeben werden und in die spätere Planung einfließen. Dadurch bietet Schüco dem Verarbeiter über die generischen Daten hinaus ganz konkrete Informationen zu den Systemen. Das hilft nicht nur bei Zertifizierungen, sondern auch bei Ausschreibungen, wenn bestimmte Emissionswerte vorgegeben sind.

Nachhaltiger Betrieb und Wartung 

Bei dem Bau eines Gebäudes muss schon jetzt auch an Später gedacht werden. Wirklich nachhaltig ist eine Fassade erst, wenn sie so lange wie möglich genutzt wird. Das gelingt, wenn die Einzelbestandteile möglichst lange gewartet und aufgerüstet werden können. Erst wenn das nicht mehr gegeben ist, wird das Recycling der Bestandteile sinnvoll und das Gebäude zum Rohstofflager der Zukunft. Damit diese Rohstoffe zukünftig auch wirklich genutzt werden können, muss bekannt sein, wie und welche Bestandteile eines Elements recyclebar sind. Diese Informationen müssen auch Jahrzehnte nach dem Bau eines Gebäudes – auch für Wartungsarbeiten – zugänglich sein.

"Nur durch die ganzheitliche Betrachtung der Fassade entlang der gesamten Werkschöpfungskette und über den gesamten Lebenszyklus können die Beteiligten zusammen – und nur zusammen – die nächsten Schritte in Richtung Klimaneutralität im Bauwesen gehen", sagt Roman Kordtomeikel, Head of Product Sustainability bei Schüco. (Quelle: Schüco International KG)

Damit die erforderlichen Informationen zu einem System nicht in Aktenordnern verstauben, sondern unkompliziert zugänglich sind, erzeugt Schüco mit der IoF ID eine digitale Identität zu jedem Element. IoF ID (Internet of Façades) ist eine kleine Plakette, die in die verbauten Schüco Fenster und Türen eingeklebt wird. Per Smartphone können dort Informationen über verbaute Teile, Garantien, die Wartungshistorie oder die Recyclingmöglichkeiten der eingesetzten Materialien und Komponenten abgerufen werden. Gleichzeitig können über IoF ID Serviceanfragen zur Reparatur, Wartung und Aufrüstung eines Elements gestellt werden. So bleibt der Verarbeiter auch nach Abschluss des Bauprojekts noch mit dem Kunden in Kontakt. Das erhöht die Lebenszeit des Elements, ermöglicht einen dauerhaft nachhaltigen Betrieb und erleichtert das Recycling in vielen Jahrzehnten, da bekannt ist, welche Werkstoffe in welchen Mengen im Gebäude vorhanden sind.

Nachhaltige Unterstützung 

Der European Green Deal fordert viele Veränderungen in der Baubranche. Aus diesen Veränderungen ergeben sich viele Fragen zu dem, was kommen wird. Um darauf Antworten zu liefern und unsere Partner zu unterstützen, hat Schüco ein Carbon Control Consulting (CCC) Team ins Leben gerufen. Das CCC-Team bietet eine umfassende Beratung für komplexe Fragen oder Ausschreibungen und der Umsetzung von nachhaltigen Lösungen. So helfen wir den Betrieben im Bau die Potenziale zur CO2-Minimierung voll auszuschöpfen.

All diese Services und Lösungen sind Teil des modularen Angebots Schüco Carbon Control. Schüco Carbon Control ist wie eine Toolbox strukturiert entlang der vier Lebensphasen eines Gebäudes: Planen, Bauen, Betreiben und Rückbauen. Mit unserem ganzheitlichen Angebot unterstützen wir alle am Bauprozess Beteiligten aktiv über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes dabei, bauregulatorische Auflagen im Rahmen der Klimapolitik einzuhalten. Denn nur durch die ganzheitliche Betrachtung der Fassade entlang der gesamten Werkschöpfungskette und über den gesamten Lebenszyklus können die Beteiligten zusammen – und nur zusammen – die nächsten Schritte in Richtung Klimaneutralität im Bauwesen gehen.

zuletzt editiert am 02. November 2023
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