„Stahl ist der nachhaltigste Werkstoff unserer Zeit und gegenüber Holz sozusagen ein Multi-Recycling-Wertstoff“, sagt Michael Winterhalter (rechts) im Gespräch mit Volker Hastler und M&T.
„Stahl ist der nachhaltigste Werkstoff unserer Zeit und gegenüber Holz sozusagen ein Multi-Recycling-Wertstoff“, sagt Michael Winterhalter (rechts) im Gespräch mit Volker Hastler und M&T.

Interviews mit Branchenpartnern

02. August 2021 | Teilen auf:

Nachhaltigkeit: Klimaneutral bis 2050 – eine Chance für das Metallhandwerk?

(August 2021) Welche Möglichkeiten hat das Metallhandwerk, um Kohlenstoffdioxid einzusparen und dabei zu helfen, die Klimaziele der EU zu erreichen? Wir sprachen darüber mit Volker Hastler, Leiter der Zinq-Manufaktur und Michael Winterhalter, Vizepräsident im Bundesverband Metall (BVM) und verantwortlich für den Fachbereich Berufsbildung im BVM. 

„Unsere stückverzinkten Oberflächen sind also bereits heute klimapositiv – und genau das lässt sich auch mit Umweltproduktdeklarationen nachweisen“, weiß Volker Hastler.

Das EU-Ziel steht: Bis 2050 sollen alle Staaten Europas klimaneutral sein. Unterm Strich lässt sich ausrechnen: diese Klimapolitik kostet, aber nichts tun kostet noch viel mehr. Da ist ein Umdenken hin zum zirkulären Wirtschaften unumgänglich.

Stahl und Metalle als Klimaschützer – ist das nicht Wunschdenken?

Michael Winterhalter: Stahl ist der nachhaltigste Werkstoff unserer Zeit und gegenüber Holz sozusagen ein Multi-Recycling-Wertstoff. Und auch Metalle wie Aluminium, Kupfer oder Zink sind echte Klimaschützer: Sie lassen sich als natürliche Elemente der Erdkruste nämlich nicht nur einmal, sondern unbegrenzt oft im Kreislauf führen.

Wenn schon heute der Sekundärrohstoff Schrott in höchster Qualität zur nachhaltigen Wiederverwendung dem Wirtschaftskreislauf zur Verfügung gestellt wird, dann schont das zweifelsohne Ressourcen und bedeutet eine enorme Einsparung an CO2. So wird auch für den weiteren Erfolg einer echten Circular Economy Materialien mit Potenzial für mehrfaches Recycling eine wesentliche Rolle spielen.

Als größter europäischer Stückverzinkungsdienstleister schützt Ihr Unternehmen täglich tausende Stahl- und Metallbauteile vor Korrosion. Welche umweltschonenden Beschichtungen hat Zinq ganz konkret im Angebot, die für das metallverarbeitende Handwerk von Interesse sein könnten?

Volker Hastler: Tatsache ist: Wir setzen als erstes Unternehmen in der Oberflächentechnik ein komplett zirkuläres Geschäftsmodell um – und daran können natürlich auch unsere Kunden partizipieren. Seit 2013 ist unser Produkt Duro-Zinq durchgehend Cradle-to-Cradle zertifiziert, Micro-Zinq seit 2016.

Die Zertifizierung umfasst im Wesentlichen fünf Aspekte: die Inhaltsstoffe eines Produktes („Material Health“), die Wiederverwendung und -verwertbarkeit der eingesetzten Materialien („Material Reutilization“), den Energieeinsatz sowie das CO2-Management („Renewable Energy & Carbon Management“), den Wassereinsatz („Water Stewardship“) und der soziale Umgang („Social Fairness“). Die Hoheit über die Zertifizierung obliegt dem Cradle-to-Cradle-Products-Innovation-Institut (C2CPII) in San Francisco, die weltweiten Zertifizierungen werden von lizenzierten Auditierungsstellen durchgeführt.

„Seit dem 1. Januar 2021 verpflichten wir uns zur Rücknahme von stückverzinkten Altbauteilen.“

Volker Hastler, Zinq-Manufaktur

Unsere stückverzinkten Oberflächen sind also bereits heute klimapositiv – und genau das lässt sich auch mit Umweltproduktdeklarationen nachweisen. Wenn sich ein Kunde für Micro-Zinq oder Duro-Zinq entscheidet, so schreiben wir die entsprechende CO2-Einsparung aus der vergleichenden Betrachtung der zirkulären, langlebigen stückverzinkten gegenüber einer beschichteten Stahlbaukonstruktion auf einem eigenen CO2-Kunden-Konto gut. Wichtig ist aber nicht nur der Zugang unserer Kunden zu einem auf sie zugeschnittenes Rundum-Sorglos-Paket. Vielmehr halten wir es auch für immens wichtig, dass ein reger Dialog zwischen Handwerk und Oberflächentechnik stattfindet.

Wie gelingt es denn, das Metallhandwerk auf den Weg zu einer nachhaltigen Produktion zu bringen?

Michael Winterhalter: Zunächst globaler gedacht: Da gibt es die Europäische Metall Union, die EMU, die die mittelständischen Metallunternehmen in Europa stärken und aktiv Impulse beim „Green Manufacturing“ setzen will. Und dann spielt natürlich auch auf lokaler Ebene der von Herrn Hastler angesprochene Dialog eine wichtige Rolle. Die Zinq-Manufaktur bietet beispielsweise auch Schulungs- und Kommunikationsgelegenheiten im Bereich der zirkulären Oberflächentechnik, so dass Nachhaltigkeit und die konkrete Umsetzung anschaulicher und greifbarer wird.

„Metalle lassen sich als natürliche Elemente der Erdkruste nicht nur einmal, sondern unbegrenzt oft im Kreislauf führen.“

Michael Winterhalter, Stahlbau Winterhalter

Wie erfolgreich sind denn die nachhaltigen Beschichtungen aus Ihrem Hause bei der Kundschaft und besteht die Möglichkeit, diese nach ihrer Nutzungsdauer auch wieder zurückzugeben?

Volker Hastler: Der Umsatzanteil der C2C-Oberflächen liegt bei neunzig Prozent, Tendenz steigend. Da erstaunt es auch nicht weiter, dass die C2C-Zertifizierung in das Bewertungssystem der DGNB, also der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e. V., noch dieses Jahr aufgenommen werden soll. Im Rahmen unserer integrierten Innovations- und Nachhaltigkeitsstrategie Planet-Zinq wird unsere Zielstellung auch weiterhin lauten: Innovation mit Nachhaltigkeit und Effizienz mit höchster Effektivität zu verbinden und eben zirkuläre Produkte zu entwickeln. Seit dem 1. Januar 2021 verpflichten wir uns zur Rücknahme von stückverzinkten Altbauteilen mit unserem Rezinq-System. Weitere Informationen gibt es für Kunden und Interessierte direkt an den Service-Centern unserer 26 deutschen Standorte.

Inwieweit spielt das Thema Klimaschutz bereits bei der Ausbildung im Metallhandwerk eine Rolle?

Michael Winterhalter: Zunächst einmal: Es ist schon bei der Gewinnung von Azubis wichtig genau auf diesen Punkt „Metalle sind echte Klimaschützer“ hinzuweisen. Wir tun gut daran, genau diesen Aspekt nicht nur, aber insbesondere bei der Kommunikation mit der „Fridays for Future“-Generation herauszustellen. Zudem bin ich davon überzeugt, dass die Auszubildenden im Metallhandwerk in hohem Maße zur kontinuierlichen Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistungen und der erfolgreichen Verankerung des Themas Nachhaltigkeit in der Unternehmenskultur beitragen können. Natürlich müssen sie dazu ermutigt und auch befähigt werden, sich durch kompetentes und verantwortungsvolles Handeln an der Umsetzung betrieblicher Nachhaltigkeitsziele zu beteiligen.