Berend Denkena wgp
Prof. Berend Denkena, Präsident der WGP. Foto: IFW, Uni Hannover

Feinwerktechnik 2018-01-23T00:00:00Z Nachrichten aus der Branche - Februar 2018

Neuer WGP-Präsident, informatives Forum Sägetechnik, nützlicher TDM User Day, profiltreues Dressing-Verfahren zum Schleifen, energieeffiziente Antriebe durch maßgeschneiderte Bleche.

Neuer WGP-Präsident

Die WGP (Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnik) hat seit 1. Januar 2018 einen neuen Präsidenten. Prof. Berend Denkena, Leiter des Instituts für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) der Universität Hannover, hat turnusgemäß das Ruder für die kommenden zwei Jahre übernommen. Er folgt Prof. Eberhard Abele vom Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) der TU Darmstadt, der der WGP seit 2016 vorstand.
„Die WGP bekennt sich zu dem Ziel, die Erwärmung der Erde auf maximal zwei Grad zu begrenzen“, betonte Denkena während seiner Antrittsrede im Rahmen der WGP-Herbsttagung in Berlin. „Als Präsident möchte ich unsere Bemühungen verstärken, dass die Produktionstechnik ihren Beitrag dazu leistet. Es gibt bereits wesentliche und ermutigende Vorarbeiten der WGP-Institute. Sie sollen gemeinsam mit den Anbietern und Anwendern von Produktionstechnik vertieft, erweitert, bewertet und in die Anwendung gebracht werden.“ Die WGP als ein starkes Netzwerk, das führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Produktionstechnik miteinander verbinde, biete die besten Voraussetzungen, Grundlagen für zukunftsweisende Entwicklungen in der Metallbearbeitung und im Produktionsmanagement zu schaffen. Hierzu strebt Denkena auch einen verstärkten Austausch mit anderen wissenschaftlichen Gesellschaften an.
Die Lehre – eine zentrale Aufgabe der WGP – soll künftig noch stärker den rasanten Veränderungen in der Produktion angepasst werden. Gerade durch Digitalisierung und Vernetzung im Zuge der Umstellung auf Industrie 4.0 wollen die Maschinenbau-Professoren ihre Kompetenzen auch in Bezug auf diese neuen Entwicklungen mehr in die Lehrpläne einbringen.
Berend Denkena ist Sprecher des Sonderforschungsbereichs 653 „Gentelligente Bauteile im Lebenszyklus“ sowie stellvertretender Sprecher des Sonderforschungsbereichs 871 „Regeneration komplexer Investitionsgüter“. Im Nebenamt wirkt er in verschiedenen Aufsichts- und Beiräten mit. Er ist unter anderem Mitglied der Internationalen Akademie für Produktionstechnik (CIRP) und der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (acatech).

Forum Sägetechnik für den Dialog

Sägetechnik
Die innovative Sägetechnik steht im Mittelpunkt des Forums Sägetechnik auf der Metav. Foto: Behringer

Auf der Metav 2018 findet am 20. Februar erstmals ein Forum zur Sägetechnik statt. Gezeigt werden neueste Entwicklungen und anwendungsnahe Lösungsansätze für den einfachen Einzelzuschnitt im Werkstattbetrieb bis hin zum Massenzuschnitt. Der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) organisiert gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), Stuttgart, das Anwendungsforum Sägetechnik. „Wir wollen Maschinen- und Werkzeughersteller gezielt mit den Anwendern in den Dialog bringen“, betont Tim Mayer, Gruppenleiter Sägetechnologie am IPA.
In den drei Themenblöcken Sägemaschinen, Sägewerkzeuge und Prozessoptimierung stellen das IPA und unterschiedliche Marktführer der Sägebranche anwendungsnahe Lösungsansätze vor. Die Teilnehmer der Veranstaltung erhalten so einen Überblick über aktuelle Trends bei den Sägeverfahren selbst, aber auch bei den eingesetzten Werkzeugen und in den Fertigungs- und Automatisierungsprozessen. So können sie sich ein Bild vom Stand der Forschung machen und erfahren gleichzeitig von Technologieführern, was bereits in der unternehmerischen Praxis möglich ist.
In Zeiten von Digitalisierung und Vernetzung darf dabei das Thema Industrie 4.0 natürlich nicht ausgespart werden. Daher werden auch die Chancen und Möglichkeiten für Sägemaschine und die Vernetzung anschließender Prozesse thematisiert.
Weitere Informationen und Anmeldung unter https://saegen-stuttgart.de .

Werkzeuge wandern in die Wolke

TDM User Day
Über 120 Werkzeugdatenspezialisten nahmen am TDM User Day von TDM Systems in den Grob-Werken Mindelheim teil und erfuhren, wie Werkzeugdaten und Verwaltung in die Cloud wandern. Foto: TDM

Die Werkzeugdatenverwaltung so einfach, flexibel und trotzdem leistungsfähig wie möglich zu machen, ist Ziel von TDM Systems. Auf ihrem alljährlichen User Day im Dezember, bei den Grob-Werken in Mindelheim, zeigten die Tübinger Softwareentwickler gemeinsam mit hochkarätigen Referenten, wie Industrie 4.0 in der Praxis funktionieren kann.
„Industrie 4.0 ist gescheitert!“ Mit dieser provokanten These überraschte Anders Lindh, Präsident der neu gebildeten Geschäftseinheit Code bei Sandvik Machining Solutions. Denn eigentlich steht Code für das komplette Gegenteil: Center of Digital Excellence. Was Lindh jedoch meinte, stieß bei den über 120 Teilnehmern des diesjährigen TDM User Days auf Wohlwollen: „Wir wollen nicht von oben herab unsere Kunden mit Millionenprojekten überfordern und überfrachten, sondern klein, pragmatisch und individuell in die Digitalisierung einsteigen und sie dann sukzessive ausbauen – mit spürbarem Erfolg für beide Seiten.“
Es könnte sich lohnen, denn Lindh verspricht mindestens 15 Prozent Verringerung der TCO, der Total Cost of Ownership – mit Potenzial für weit mehr. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Tübinger Softwarespezialist für das Tool Data Management, die TDM Systems. TDM Systems Geschäftsführer Peter Schneck konnte berichten, dass sein Unternehmen im Rahmen der Sandvik-Initiative eine Aufwertung zum Center of Excellence, verbunden mit erheblichen Investitionen in Manpower und Ressourcen, erfährt.

Profiltreues Dressing-Verfahren

Diamant-Spitzprofilscheibe
Xing-Dressing einer Diamant-Spitzprofilscheibe, die im neunzig Grad Winkel zur Abrichtscheibe steht. Foto: Haas

Wer hochgenaue Profilstechplatten produzieren will, muss seine Diamant-Spitzprofilscheiben regelmäßig abrichten. Die Firma Haas Schleifmaschinen setzt beim Schleifen von Profilstechplatten auf das profiltreue Xing-Dressing Verfahren, um in ihren Multigrind-Schleifmaschinen Diamant-Spitzprofilscheiben abzurichten. Aufgrund der sehr guten Erfahrungen mit dem Xing-Dressing wird dieses Verfahren bei Haas auf weitere Anwendungen ausgeweitet.
Zu den Kunden der Firma Haas Schleifmaschinen aus dem schwäbischen Trossingen zählen unter anderem zahlreiche Hersteller von Profilstechplatten, die Wert auf maximale Maßhaltigkeit und Oberflächenqualität legen. Das Schleifwerkzeug der Wahl bei der Bearbeitung von Profilstechplatten sind häufig Diamant-Spitzprofilscheiben, die für ein exzellentes Schleifergebnis regelmäßig abgerichtet, das heißt in die korrekte geometrische Form gebracht werden müssen.
Die extrem präzisen Diamant-Spitzprofilscheiben weisen allerdings oft nur einen Kantenradius von wenigen hundertstel Millimetern auf und sind entsprechend empfindlich. Bei Haas setzt man deshalb auf das Xing-Dressing-Verfahren. Dabei steht die Abrichtscheibe um neunzig Grad gedreht zur Schleifscheibe und nicht wie bei anderen Verfahren parallel. Dadurch kann die bei anderen Diamantschleifscheiben übliche Siliciumcarbid- oder Korundscheibe zum Abrichten verwendet werden. Durch den NC-gesteuerten Prozess kann der Radius der Schleifscheibe mit dem Umfang der Abrichtscheibe erzeugt werden. Die Kontaktfläche und der Anpressdruck zwischen Abrichtscheibe und Schleifscheibe bleiben dabei konstant. Die Vorteile des Xing-Dressing ist eine geringere Druckbelastung und eine höhere Profiltreue für die Schleifscheibe.

Energieeffiziente Antriebe

Elektroblech
Ausschnitt eines Statorzahns aus Elektroblech für elektrische Maschinen. Foto: utg

Elektrische Antriebe, Generatoren oder auch Transformatoren haben ein wesentliches Element gemeinsam: Elektrobleche. Und die sind maßgeblich für die Energieeffizienz dieser Geräte. Eine DFG-Forschergruppe (Deutsche Forschungsgesellschaft) arbeitet derzeit an auf die Anforderungen des jeweiligen Antriebs zugeschnittene Elektrobleche, die deutlich höhere Energieeffizienzen schaffen.
Für die Umsetzung der Energiewende sind Erzeugung, Umwandlung und Verteilung elektrischer Energie von zentraler Bedeutung. Wesentliche Komponenten von Generatoren, Transformatoren und elektrischen Antrieben sind Spulen und weichmagnetische Blechpakete. Die in den Blechpaketen verbauten Elektrobleche bestimmen maßgeblich den Wirkungsgrad der Energieerzeugung und -wandlung. Daher sind Elektrobleche maßgeblich für die Effizienz des gesamten Prozesses von der Erzeugung über den Transport bis zum Verbrauch von elektrischer Energie.
Aus diesem Grund beschäftigt sich die interdisziplinäre DFG-Forschergruppe „Verlustarme Elektrobleche für energieeffiziente Antriebe“ mit der Entwicklung von Methoden, die es ermöglichen sollen, Elektrobleche mit maßgeschneiderten Eigenschaften zu erzeugen. Maßgeschneidert insofern, als je nach Art des Antriebs einmal minimale spezifische Verluste und einmal hohe magnetische Feldstärken wichtiger sind. Neben der chemischen Zusammensetzung sind alle genannten Eigenschaften maßgeblich von der Mikrostruktur des Werkstoffs abhängig, also von seiner Korngröße (Größe der Kristalle im Blech) und seiner Textur (Ausrichtung der Kristalle). Diese wiederum hängen davon ab, wie das Blech nach dem Gießen des Blocks zunächst warm und dann kalt gewalzt und abschließend geglüht wurde.
Die bisherigen Untersuchungen im Rahmen der DFG-Forschergruppe 1897 belegen, dass eine Optimierung der Wertschöpfungskette erhebliche Potentiale zur Steigerung der Energieeffizienz von Elektroantrieben bieten kann. Außerdem wurden wesentliche Simulationsmethoden als Werkzeuge für die angestrebte Optimierung entwickelt. Ziel der vor kurzem bewilligten zweiten Förderperiode ist es, diese Potentiale beispielhaft für zwei typische Anwendungsfälle durch Realisierung zweier Demonstratoren in Form von Blechen mit maßgeschneiderten Eigenschaften aufzuzeigen.

zuletzt editiert am 26. April 2021
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