Industrie 4.0 kann zur Bewältigung der Krise beitragen, mit mitarbeiterzentrierten Arbeitsplätzen lässt sich die Produktivität steigern, mit LMT Tools wurde ein Mittelständler zum Innovations-Champion gekürt, bei der SPS Schiekel Präzisionssysteme wurde jetzt der Staffelstab übergeben und einen virtuellen Branchentreff zur Metallbearbeitung gibt es im September.
Krisenbewältigung mit Industrie 4.0
Hochrangige Mitglieder aus Industrie, Verbänden, Wissenschaft und Gewerkschaften stellten kürzlich das Positionspapier „Covid-19 und Industrie 4.0“ vor. Darin wird aufgezeigt, wie Industrie 4.0-Lösungen einen Beitrag zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 leisten können.
Dazu erklärt der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier: „Die Corona-Krise hat allen gezeigt, welche Bedeutung die digitale Vernetzung, funktionierende Wertschöpfungs- und Liefernetzwerke und eine sichere, interoperable Datennutzung für die deutsche Industrie haben. Die konsequente Umsetzung von Industrie 4.0 in Kombination mit der digitalen Infrastruktur GAIA-X wird die deutsche und europäische Industrie für die Zukunft wettbewerbsfähiger und resilienter machen. Der Input aus der Plattform Industrie 4.0 leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.“
Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, erklärt: „ Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit hat vom Zukunftsprojekt Industrie 4.0 stark profitiert. Forschungsbeirat und Plattform unterstützen mit Wissen und Vernetzung die Förderung von Forschung und Entwicklung digitaler Technologien. Im nächsten Schritt gilt es nun, kleinen und mittleren Unternehmen möglichst flächendeckend Zugang zu neuen Technologien zu verschaffen. Wenn uns dieser Transfer gelingt, haben wir gute Chancen, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Auf dem vor uns liegenden Weg wird die Plattform Industrie 4.0 ein wichtiger Partner sein.“
Mehr Informationen unter www.plattform-i40.de .
Mitarbeiterzentrierte Arbeitsplätze steigern Produktivität

Um Montage-Arbeitsplätze menschzentrierter zu gestalten, ermittelt eine Forscherin vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA nicht nur den Bedarf der Mitarbeiter, sondern wertet auch Maschinendaten aus. Mit diesem Vorgehen will sie die Effizienz, Effektivität und Zufriedenheit der Mitarbeiter steigern.
Um Fehlentwicklungen zu vermeiden und die Entwicklungszeiten zu verkürzen, ist es ratsam Nutzerdaten zu erheben und auszuwerten.
Für die Bedarfsermittlung, ist Saskia Wiedenroth von der Abteilung Bild- und Signalverarbeitung am Fraunhofer IPA Wiedenroth mit einem Sensorkoffer im Werk vor Ort. Darin enthalten sind unter anderem Eye-Tracking-Systeme, Bildschirme, Kameras, Tonaufnahmegeräte und QR-Codes. Mit den Kameras zeichnet die Forscherin auf, an welchen Stellen der Monteur seine Hände benutzt und welche Werkzeuge er dabei verwendet. Während Wiedenroth alle Arbeitsschritte aufnimmt, kommentiert der Monteur seine Handlungen. Die Eye-Tracking-Systeme legen offen, welche Bereiche des Arbeitsplatzes der Monteur am längsten im Blick hat, welche er nur flüchtig anschaut und welche er gar nicht wahrnimmt. Die QR-Codes korrespondieren mit den Eye-Tracking-Systemen und zeigen Zusammenhänge bei der Blickführung auf.
Aus allen gesammelten Daten und dem Index entsteht schließlich eine Heatmap, also eine Darstellung des gesamten Arbeitsplatzes mit einer zeitlichen Abfolge aller Arbeitsschritte und der potenziellen Fehlerstellen.
Die Arbeitsplatz-Optimierung, die die Entwickler dank Wiedenroths Analysen vornehmen können, steigert nicht nur die Produktivität in der Montage, sondern spart auch Zeit und Kosten bei der Einarbeitung neuer Monteure. Die Vorarbeiter werden entlastet und die neuen Mitarbeiter arbeiten schneller produktiv.
Wiedenroth plant, ihre Nutzeranalyse künftig als Dienstleistung anzubieten, um ihre Methodik weiter zu verfeinern. Dafür sucht sie Industriepartner, die die Wichtigkeit der Nutzerzentrierung erkannt haben und ihre Montage-Arbeitsplätze individueller gestalten möchten.
Mittelständler als Innovations-Champion

Altes loslassen und Neues wagen: Innovative Mittelständler wie die LMT Tools aus Schwarzenbek haben keine Angst vor dem Wandel, sondern begreifen ihn als Chance. Damit überzeugte das Unternehmen bei der 27. Runde des Innovationswettbewerbs TOP 100. LMT Tools gehört ab dem 19. Juni offiziell zu den TOP 100. In dem wissenschaftlichen Auswahlverfahren beeindruckte das Unternehmen in der Größenklasse C (mehr als 200 Mitarbeiter in Deutschland) besonders in den Kategorien „Innovationsförderndes Top-Management“ und „Innovative Prozesse und Organisation“.
Die Geschäftsleitung des Herstellers von Präzisionswerkzeugen hat das Ziel der Innovationsführerschaft fest im Unternehmen verankert. Damit kontinuierlich Ideen sprudeln, aus denen sich Innovationen generieren lassen, setzt der Top-Innovator auf ein breites Spektrum an Methoden, aber auch auf den Feldversuch beim Kunden oder auf die Zusammenarbeit mit Hochschulen.
Staffelstab übergeben
Kürzlich endete bei einem der international erfolgreichsten Produktionsunternehmen in der Region eine Ära. Dr.-Ing. Peter Schiekel, der 1992 gemeinsam mit seinem Bruder Gert den renommierten Edelstahlverarbeiter SPS Schiekel Präzisionssysteme gegründet hatte, reicht zum 1. Juli nach über 27 Jahren an der Firmenspitze das Steuerruder in jüngere Hände weiter. Als neuer Geschäftsführer zeichnet nun der bisherige Prokurist Uwe Sippach für das operative Geschäft in der Firmenzentrale im sächsischen Dohna verantwortlich.
Nachdem Gert Schiekel im Mai 2016 völlig überraschend mit 55 Jahren verstorben war, suchte Peter Schiekel langfristig nach einem geeigneten externen Nachfolger an der Unternehmensspitze. Inzwischen ist er sicher, diesen mit dem gebürtigen Görlitzer Uwe Sippach gefunden zu haben. Der 55-jährige ist ein echter Sachse. Er lebt mit seiner Familie in Moritzburg und hat an der HTWS Zittau/Görlitz Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Seit April 2018 ist er bei der Firma SPS Schiekel beschäftigt, wo er schnell zum engeren Leitungszirkel aufgerückt war. Zuvor arbeitete Uwe Sippach über zwanzig Jahre in anderen Unternehmen in verantwortlicher Funktion, rund die Hälfte davon bereits als Produktions- und Betriebsleiter.
Firmengründer Dr.-Ing. Peter Schiekel zieht sich mit dem 1. Juli zwar aus dem operativen Tagesgeschäft zurück. Er bleibt aber weiterhin geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, das 145 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus zehn Ländern beschäftigt und mit seinen hochpräzisen Spezialprodukten auch die Luft- und Raumfahrt sowie unter anderem Firmen in den Bereichen Medizintechnik und Chemieanlagenbau beliefert.
Virtueller Branchentreff zur Metallbearbeitung

Der Carl Hanser Verlag lädt zum ersten virtuellen Branchentreff Metall: Betriebe, Verbände und Institutionen rund um die Zerspanung und den Werkzeug- und Formenbau haben die Gelegenheit, sich vom 8. September bis 2. Oktober 2020 auf der Plattform zu präsentieren. Angesprochen werden Aussteller aus den Bereichen Werkzeugmaschinen, Präzisionswerkzeuge, Normalien, Software, Messtechnik, Automatisierung, dem Werkzeug- und Formenbau usw.
Die D-Expo Metall schafft die Gelegenheit, sich aus erster Hand über wichtige Neuheiten, Themen und Trends zu informieren und sich auszutauschen. Die digitale Messe startet mit drei „Live-Tagen“ mit vielen Interaktionen, Live-Streams und besetzten Messeständen. Im Auditorium stehen Webinare, Interviews und Vorträge rund um die Metallbearbeitung auf der Agenda. Alle Informationen sind im Anschluss bis zum 2. Oktober auf der Messehomepage www.d-expo-metall.de abrufbar.
Die D-Expo Metall bietet ein großes Branchennetzwerk – und sie steht für große Transparenz: Wer die Messe besucht, erklärt sich bei der Registrierung einverstanden, mindestens mit seinem Namen sichtbar zu sein. Während des Events kann also „jeder jeden sehen“ und auf Wunsch direkt per Chat ansprechen. Die Messe ist für Besucherinnen und Besucher kostenfrei.