Um die Meinung der Experten, wo wir in Sachen klimaneutraler Industrie 2050 stehen, geht es im neuen VDW-Podcast. Grafik: VDW
Um die Meinung der Experten, wo wir in Sachen klimaneutraler Industrie 2050 stehen, geht es im neuen VDW-Podcast. Grafik: VDW

Feinwerktechnik

20. October 2021 | Teilen auf:

Nachrichten aus der Branche

(Oktober 2021) Der neue VDW-Podcast thematisiert Chancen und Hürden der Klimaziele aus Sicht der Werkzeugmaschinenindustrie, die Zulieferindustrie steht unter starkem Druck der angespannten Lieferketten, die Ceratizit-Gruppe feiert ihr hundertjähriges Bestehen, das Fraunhofer IPA bekommt einen Neubau für das Zukunftsthema „Personalisierte Produktion“ und Krauss-Maffei wurde in den letzten Wochen gleich dreimal ausgezeichnet.

Nachhaltige Industrie

Die Industrie soll bis 2050 klimaneutral sein. So hat es die Politik beschlossen. Nach der Bundestagswahl rückt das Thema noch mehr in den Fokus. Diskutiert wird ein sehr viel früheres Zeitfenster, damit die Pariser Klimaziele zu erreichen sind. Und immer mehr deutsche Unternehmen behaupten heute schon von sich, klimaneutral zu produzieren. Doch was ist da dran? Sind klimaneutrale Fabriken schon Realität oder sind wir zumindest auf dem richtigen Weg? Der VDW-Podcast Tech-Affair thematisiert Chancen und Hürden bis zur Zielgeraden. Die Experten im Podcast „Tech Affair“ des VDW sagen:

Prof. Christoph Herrmann, Leiter Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik (IWF), TU Braunschweig: „Wir müssen festhalten – wir sind nicht auf dem richtigen Weg.“

Michael Leppek, erster Bevollmächtigter und Geschäftsführer, IG Metall, Augsburg: „Ich sage, es ist realistisch, aber dafür müssen die Weichen gestellt werden. Und da kommt es auf alle an, auf die Politik, auf die Wirtschaft, auf alle. Und dann könnte es klappen.“Carl Martin Welcker, Geschäftsführender Gesellschafter der Schütte GmbH, Köln, und bis Ende 2020 Präsident des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer): „Wir kommen ja in den Zielkonflikt, dass wir Nachhaltigkeit nicht zu eindimensional definieren. Denn damit verlieren wir ganz wichtige Kompassnadeln, die wir brauchen, wenn wir unsere Welt wirklich in eine bessere Zukunft führen wollen.“Die Meinung der Experten, wo wir in Sachen klimaneutraler Industrie 2050 stehen werden und was bis dahin noch dringend zu tun ist, hören Sie im Podcast „Tech Affair – Industry for Future“ des VDW unter https://vdw.de/podcast/wasserstoff-tech-affair/

Christian Vietmeyer, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (ArGeZ): „Ein wichtiges Asset schwindet, nämlich das Vertrauen in die Verlässlichkeit von Kunden und deren Abrufankündigungen. Foto: ArGeZ

Angespannte Lieferketten

Die Zulieferindustrie steht unter starkem Druck. Der Halbleitermangel führt zu signifikanten Produktionsausfällen in der Automobilindustrie und anderen wichtigen Abnehmerbranchen. Die kurzfristigen Ankündigungen von Werksschließungen setzen den Zulieferbetrieben in Deutschland enorm zu, gleichzeitig haben diese selbst massive Probleme bei der Rohstoffversorgung.

Nach dem Coronaschock und den schlagartigen Auftragseinbrüchen im ersten Quartal 2020 stehen nach kurzer Erholung wieder die Bänder still. Hintergrund sind die Versorgungsunterbrechungen bei den Halbleitern, die in nahezu jedem Produkt verbaut werden. Für die vielen Zulieferbetriebe in Deutschland spitzt sich die Situation zu. Verbindlich bestellte Lieferungen werden kurzfristig, zum Teil mit einem Tag Vorlauf, storniert, LKW müssen wieder umkehren. Die Auslieferungsläger der Zulieferer laufen voll, es entstehen enorme Mehrkosten für Logistik und Lagerung. Gleichzeitig verweigern die Abnehmer, wie zum Beispiel Automobilhersteller, die Abnahme der bestellten Ware und wehren berechtigte Zahlungsansprüche ihrer Lieferanten mit dem Hinweis auf den Chipmangel ab. Den Lieferanten werden die notwendige Liquidität und die Planungsgrundlagen entzogen.

Stabile und gegenseitig wertschätzende Beziehungen zwischen Fahrzeugindustrie und Zulieferung wären indes aktuell besonders wichtig. Die Zulieferer stehen ihrerseits unter nie dagewesenem Druck – bedingt durch die erheblichen Verwerfungen der weltweiten Lieferketten, in denen vergleichsweise kleine Störungen immer wieder enorme und langanhaltende Auswirkungen haben: Sie selbst müssen auf schwierigen Märkten einkaufen. Viele Rohmaterialpreise wie zum Beispiel beim Stahl, bei Metallen und beim Kunststoff befinden sich auf historischen Höchstständen. Zum Teil sind die erforderlichen Mengen schlicht nicht verfügbar. Und gleichzeitig ziehen die Energiepreise stark an. Dadurch wird die Liquidität der Zulieferer zusätzlich belastet. Für viele mittelständische Unternehmen könnte dies das Aus bedeuten.

Christian Vietmeyer, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (ArGeZ), dazu: „Ein wichtiges Asset schwindet, nämlich das Vertrauen in die Verlässlichkeit von Kunden und deren Abrufankündigungen. So kann es nicht weitergehen. Wer auch morgen noch starke Wertschöpfungsketten will, darf jetzt Risiken nicht einseitig abwälzen und Verträge ignorieren. Wir brauchen sofort eine transparente Kommunikation, mehr Ehrlichkeit und einen fairen Umgang miteinander in den Lieferketten. Der Technologiewandel bei der Mobilität wird jedenfalls nur mit den Zulieferern zu bewältigen sein.“

Die Ceratizit-Gruppe hat im Rahmen der EMO 2021 in Mailand den Startschuss für einen Rückblick auf hundert Jahre Unternehmensgeschichte und Erfahrung gegeben. Logo: Ceratizit

Hundertjährige Erfahrung

Hundert Jahre Erfahrung sind für die Luxemburger Ceratizit-Gruppe nicht nur ein Grund, um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Der Spezialist für Zerspanungswerkzeuge und Hartstofflösungen nutzte die tiefgehende Erfahrung aus einem Jahrhundert auch als Grundlage, um auf der EMO in Mailand über neue Lösungen und Services für die Zerspanung von heute und morgen zu sprechen.

Die Ceratizit-Gruppe hat im Rahmen der EMO 2021 in Mailand den Startschuss für einen Rückblick auf hundert Jahre Unternehmensgeschichte und Erfahrung gegeben. Als Dr. Paul Schwarzkopf am 24. Juni 1921 die Metallwerk Plansee gründete, ebnete er nicht nur den Weg für die industrielle Fertigung von Produkten aus Wolfram und Molybdän – und damit für unzählige Entwicklungen des modernen Lebens – sondern auch für die 2002 aus Plansee Tizit und der luxemburgischen Cerametal hervorgegangene Ceratizit-Gruppe.

Effizienz und Produktivität sind die Bausteine, die Ökonomie und Ökologie miteinander verbinden. Damit bilden sie einen entscheidenden Baustein zur Förderung der Nachhaltigkeit in der industriellen Produktion. Deshalb unterstützt die Ceartizit-Gruppe ihre Kunden aktiv bei der Optimierung ihrer Zerspanungsprozesse.Umfassender Service liegt in der Ceratizit-DNA. Doch wie kann das funktionieren, wenn pandemie-bedingte Zugangsbeschränkungen den Vor-Ort-Support einschränken oder der Kunde innerhalb kürzester Zeit Unterstützung benötigt? Dafür gibt es die neue App LiveTechPro. Im Support-Fall kann darüber der jeweilige Anwendungstechniker direkt kontaktiert werden. Und der liefert Hilfe, als wäre er beim Kunden vor Ort: Über Videoaufnahmen von Smartphone oder Tablet lassen sich Details markieren, besprechen und Probleme schnellstens lösen. Sogar eine Anbindung an Virtual-Reality-(VR)-Systeme ist möglich.Das Ökosystem rund um High Dynamic Turning mit FreeTurn-Werkzeugen ist durch die breite Unterstützung der Industrie auf Maschinen-, Steuerungs- und Softwareseite in den vergangenen Monaten immer kompletter geworden. Schon bald wird das Programmieren noch einfacher: mit einem neuen Programmiertool zur Erzeugung von Bearbeitungswegen für dynamisches Schruppen und Schlichten, das 2022 erscheint, wird Free-Turn in Zukunft in jedem Dreh-/Fräszentrum funktionieren – und das unabhängig von der eingesetzten CAM-Software.

Prof. Thomas Bauernhansl, Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut und Prof. Stephan Birk (v.l.) beim symbolischen Spatenstich. Foto: Fraunhofer IPA/Rainer Bez

Personalisierte Produktion

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) bekommt einen Neubau für das Zukunftsthema „Personalisierte Produktion“ in Stuttgart-Vaihingen. Mit dem Spatenstich eröffnete am 27. September Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut zusammen mit Thomas Bauernhansl, Institutsleiter des Fraunhofer IPA, und dem Architekten Stephan Birk symbolisch die Baustelle.

Damit begannen offiziell die Bauarbeiten für das neue Fraunhofer-Forschungsgebäude. Drei Forschungszentren und ein Tagungsbereich werden auf dem Birkhof-Areal unter dem Dach des Bauteils V „Personalisierte Produktion“ versammelt. An dem Zukunftsthema forscht das Fraunhofer IPA bisher in verschiedenen Organisationseinheiten auf dem gegenüberliegenden Gelände.„Insbesondere in gesättigten Märkten, wie wir sie in Europa und in der industrialisierten Welt vorfinden, wird die Individualisierung und Personalisierung von Produkten weiter an Bedeutung zunehmen. Unternehmen stehen aktuell vor der Herausforderung, diese Produkte mit neuen Technologien und Prozessen wirtschaftlich zu produzieren. Mit dem Bauvorhaben ermöglichen die Landesregierung Baden-Württemberg, das Bundesministerium für Bildung und Forschung und Fraunhofer den inhaltlichen und personellen Ausbau der Forschung des Fraunhofer IPA in diesem Themenfeld“, betont Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg.

Der Neubau ist die zweite Baumaßnahme des Fraunhofer IPA auf dem Birkhof-Areal, beide folgen der städtebaulichen Zielplanung. 2018 konnten Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten das Verfahren für den Neubau Bauteil V Personalisierte Produktion gewinnen. 2019 hat die Planung begonnen, im Spätsommer 2021 erfolgte nun termingerecht der Baubeginn.

Die Benchmarking-Studie zum Stand der Digitalen Transformation bei 127 Unternehmen aus acht Branchen im deutschsprachigen Raum gibt interessante Einblicke. Screenshot: Infront

Dreifach ausgezeichnet

Gleich dreimal freute sich Krauss-Maffei in den letzten Wochen über Auszeichnungen. Nämlich über den Red Dot Design Award, den 2. Platz beim Industry of Things World Award 2021 sowie den 5. Platz bei der Champions der Digitalen Transformation 2021 Benchmarking-Studie. Alle drei prämieren herausragende Leistungen im Bereich Maschinenbau und digitale Dienstleistungen.

Red Dot Design Award 2021 in der Kategorie Brands & CommunicationFür das Steuerungsdesign von „pioneer ProcessControl“ aus dem Bereich Extrusion erhielt das Unternehmen den begehrten Red Dot Design Award 2021 in der Kategorie Brands & Communication. „Der Red Dot ist bereits unsere vierte Auszeichnung seit Einführung des neuen Corporate Designs. Wir freuen uns sehr, dass uns hierdurch ein weiteres Mal die Qualität und Professionalität unseres Außenauftritts bestätigt wurde“, sagt Eva März, zuständig für Corporate Brand Management & Strategy.

2. Platz beim Industry of Things World Award 2021Beim Industry of Things World Award 2021, der im Rahmen der gleichnamigen, internationalen Expertenkonferenz zum industriellen Internet der Dinge (IIoT) in Berlin, verliehen wurde, wurde das IIoT-Produkt „socialProduction“ mit dem zweiten Platz in der Kategorie „Wirtschaftlicher Erfolg und Nachhaltigkeit: Mit IoT zur CO2-neutralen Produktion“ geehrt.„Der Award zeichnet außergewöhnliche Projekte in der Fertigungsindustrie aus und zeigt, dass Krauss-Maffei sich beim Thema Industrie 4.0 mit namhaften Unternehmen wie zum Beispiel Mercedes-Benz oder Johnson & Johnson messen kann“, erklärt Jonas Schwarz, Global Digital Product Manager. Unter den TOP 5 bei den Champions der Digitalen Transformation 2021Krauss-Maffei wurde von der Unternehmensberatung Infront Consulting und dem Wirtschaftsmagazin Capital als einer der Champions der Digitalen Transformation 2021 unter die TOP 5 in der Kategorie „Maschinenbau“ gewählt. Die Basis bildete eine umfangreiche Benchmarking-Studie zum Stand der Digitalen Transformation bei 127 Unternehmen aus acht Branchen im deutschsprachigen Raum. Krauss-Maffei wurde für seine digitalen Angebote zur Unterstützung des Maschinengeschäfts und „intelligente“ Maschinen ab Werk ausgezeichnet.

zuletzt editiert am 20.10.2021