LKW mit Wasserstofftank-Anhänger auf einem Hintergrund von H2-Tankstelle. Foto: AdobeStock/VDW
LKW mit Wasserstofftank-Anhänger auf einem Hintergrund von H2-Tankstelle. Foto: AdobeStock/VDW

Feinwerktechnik

21. September 2021 | Teilen auf:

Nachrichten aus der Branche

(September 2021) Der neue VDW-Podcast befasst sich mit den Chancen von grünem Wasserstoff, Technotrans setzt seinen Wachstumskurs fort, Perpedes hat mit neuen Fräswerkzeugen seine Zerspanungsprozesse optimiert, Krauss-Maffei liefert Maschinen für ein innovatives Teppichrecycling und der Oberflächenspezialist OTH Hagen feiert sein 25. Firmenjubiläum.

Chancenreicher Wasserstoff

Deutschland wird die Nummer Eins in Wasserstofftechnologien auf dieser Welt. Das jedenfalls kündigte vor fast genau einem Jahr Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier voller Stolz an. Seine Nationale Wasserstoffstrategie soll dafür die Weichen stellen. Zeichnet sich das tatsächlich ab? Oder ist die 9- Milliarden-Euro teure Initiative ein Strohfeuer und wir tappen wie bei der Sonnenenergie in die Chinafalle?Wasserstoff ist der große Hoffnungsträger, um die verschärften Klimaziele, die sich die Bundesregierung bis 2030 gesetzt hat, zu erreichen. Nur leider ist Wasserstoff heute noch sehr teuer. Für manchen Experten ist er der „Champagner“ der Energiewende. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will ihn zum „Tafelwasser“ machen. Funktioniert das? Und reicht es aus, die Kosten für die Wasserstofftechnologien zu senken? Kann sich Deutschland im Alleingang an die Spitze schwingen? Von welchem Wasserstoff reden wir hier überhaupt? Denn abgesehen vom grünen Wasserstoff hält die Farbpalette von grau bis pink einen ganzen Regenbogen parat, die alle nicht wirklich klimaneutral sind. Wird uns bei all den Erfolgsmeldungen womöglich eine Mogelpackung vorgehalten?

Wie die Chancen tatsächlich stehen, mit grünem Wasserstoff die Energiewende zu schaffen, hören Sie im Podcast „Tech Affair – Industry for Future“ des VDW unter:

https://vdw.de/podcast/wasserstoff-tech-affair/

Michael Finger, Sprecher des Vorstands der Technotrans, kann ein sehr positives Halbjahresfazit ziehen. Foto: Technotrans

Fortgesetzter Wachstumskurs

Die Technotrans bleibt auf Wachstumskurs und steigert den Konzernumsatz in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2021 um rund zehn Prozent auf 104,4 Millionen Euro (Vorjahr: 95,1 Millionen Euro). Das operative Konzernergebnis (EBIT) des Spezialisten für Thermomanagement-Lösungen erhöht sich deutlich um 86,8 Prozent auf 5,3 Millionen Euro (Vorjahr 2,8 Millionen Euro). Die EBIT-Marge verbessert sich auf 5,0 Prozent (Vorjahr: 3,0 Prozent). Wesentliche Wachstumstreiber sind die strategischen Fokusmärkte. Ein Book to Bill Ratio von 1,2 bildet das Fundament zur Fortsetzung des Wachstumstrends. Der Vorstand erwartet daher für das Geschäftsjahr 2021 einen Konzernumsatz am oberen Ende der Bandbreite von 195 bis 205 Millionen Euro bei einer EBIT-Marge zwischen 4,5 und 5,5 Prozent. Der Konzern setzt die Strategie Future Ready 2025 weiter konsequent um: Die Schwerpunkte im laufenden Geschäftsjahr liegen nach wie vor auf der Schaffung der Dachmarke Technotrans sowie der Verschmelzung ausgewählter Konzerngesellschaften.

„Technotrans hat in den ersten sechs Monaten eine sehr gute Performance erzielt. Der Konzern hat sich strategisch wie operativ weiterentwickelt und verfolgt konsequent die gesetzten Ziele. Insbesondere die in der Strategie Future Ready 2025 definierten Fokusmärkte trugen zum Umsatzwachstum bei. Eine besonders hohe Umsatzdynamik im Berichtszeitraum zeigten die Märkte Plastics sowie Healthcare & Analytics. Der Bereich Energy Management wird auf Basis großvolumiger, gewonnener Batteriekühlsystem-Aufträge im Bereich Rail im zweiten Halbjahr deutlich an Fahrt gewinnen", sagt Michael Finger, Sprecher des Vorstands der Technotrans.

Links die beiden Werkzeuge für die Bearbeitung der Einlagenkerne, 066HOAKK030-DIP6P und 068SMCFS130100-164-S001. Rechts der Fräser für die EVA-Schaumbearbeitung, 107RS100100-WD-S2-TL5-20. Foto: Hufschmied Zerspanungssysteme

Optimiert Zerspanungsprozesse

Die auf orthopädische Schuhe, Einlagen und Orthesen spezialisierte Firma Perpedes setzt auf Fräswerkzeuge der Hufschmied Zerspanungssysteme. Im Rahmen eines Investitionsprojekts für eine Portalfräsmaschine hat Perpedes den Prozess zur Produktion von Einlagenkernen aus Faserverbundmaterialien mit Hufschmied Werkzeugen optimiert. Auch Einlagen aus EVA-Schaummaterial lassen sich jetzt deutlich effizienter produzieren.

„Die Standzeit des Spezialwerkzeugs von Hufschmied, mit dem wir bei Soletec auf den Voxelcare-Fräsmaschinen produzieren, ist bis zu viermal höher als bei marktüblichen Standardfräsern. Wer EVA-Schaum auf diesen oder vergleichbaren Maschinen bearbeitet, kann mit diesem Werkzeug deutlich an Effizienz gewinnen“, sagt Micha Lang, Projektleiter Foot-Care bei der Firma Perpedes. Beratung zu Zerspanungsprozessen hatte sich das Orthopädietechnikunternehmen bei Hufschmied Zerspanungssysteme gesucht, weil man erstmals Einlagenkerne nicht mit einem Wasserstrahlschneider, sondern mit einer Fräsmaschine fertigte. Dank der Werkzeuge, die mit ihrer Beschichtung und Schneidengeometrie auf die Zerspanung von thermoplastischen Glasfaser- und Carbonfaserkompositmaterialien optimiert sind, konnte ein neuer, hochzuverlässiger Produktionsprozess entwickelt werden. Zuvor erforderliche, manuelle Nachbearbeitungen werden damit komplett eingespart.

Zweischneckenextruder ZE Blue-Power bereitet in der Stunde vier Tonnen PP-Teppichreste auf. Foto: Krauss-Maffei

Effizienter Recyclingprozess

Das börsennotierte Unternehmen Pure-Cycle Technologies (Nasdaq: PCT) startet ein millionenschweres Recyclingprojekt in den USA.

Pure-Cycle wandelt Teppichreste aus PP-Verbundmaterial in einem innovativen Prozess zu hochreinem PP-Granulat, das von Neuware nicht mehr zu unterscheiden ist. Für die Anlage, die derzeit in Ohio aufgebaut wird und 2022 im großen Maßstab ihren Betrieb aufnehmen soll, liefert die Krauss-Maffei Extrusion aus Hannover gleich mehrere Extruder. Dabei waren insbesondere die Kompetenz und die Unterstützung von Krauss-Maffei ausschlaggebend für die Auftragsvergabe.

Pure-Cycle nutzt eine von der Procter & Gamble Company (P&G) lizenzierte Technologie, um PP-Abfälle zu einem hochreinen PP-Rezyklat für unterschiedliche Anwendungen in den Bereichen Konsumgüter, Automobil, Bauwesen und Industrie aufzubereiten.

„Mit der Technologie ist es uns gelungen, aus Teppichresten alle Verunreinigungen, Gerüche und Farbreste zu entfernen, sodass die hergestellten PP-Granulate sowohl optisch als auch in ihren mechanischen Eigenschaften von der Neuware nicht zu unterscheiden sind“, berichtet Brett Hafer, VP Manufacturing bei Pure-Cycle. „Die Pilotphase wurde erfolgreich durchlaufen, jetzt bauen wir die weltweit modernste PP-Recyclinganlage auf“, so Hafer weiter.

Das Familienunternehmen OTH Hagen feiert seinen 25. Geburtstag. Mit Katharina Gensowski, Tochter des Unternehmensgründers, geht die zweite Generation an den Start. Foto: OTH

Gesicherte Zukunft

Titanaluminide kommen unter anderem im Flugzeugbau zum Einsatz – sie sind leicht, belastbar und wärmebeständig. Das Beizen dieser Hochleistungswerkstoffe gehört zu den Sonderverfahren von OTH Hagen. Das Familienunternehmen feiert gerade seinen 25. Geburtstag und sieht in der Spezialisierung – neben den Standardbehandlungen – eine sichere Zukunftsperspektive. Die zweite Generation steht bereits in den Startlöchern.

Natürlich bietet OTH auch weiterhin klassische Oberflächenbehandlungen, Zink- und Manganphosphatierung oder galvanische Trommelverzinkung, an. Aber die Nachfrage nach Sonderverfahren – wie dem Beizen von Titanaluminiden – gewinnt stetig an Bedeutung: „Gerade diese Spezialkompetenz ist für uns effektiv und produktiv. Deshalb erweitern wir gezielt unser Bearbeitungsspektrum“, unterstreicht Geschäftsführer Udo Gensowski. „Wir sind recht gut durch das Krisenjahr gekommen und positionieren uns damit für die Zukunft.

“Auch personell ist die Zukunft gesichert. Mit Katharina Gensowski, Tochter des Unternehmensgründers, geht die zweite Generation an den Start. Sie ist bestens auf ihren Einstieg in die Unternehmensleitung vorbereitet. Die Werkstoffwissenschaftlerin hat einen Master von der TU Ilmenau und ist aktuell Doktorandin am Fraunhofer Institut ISE in Freiburg.