Auf dem Weg zum Industrie 4.0-Standard: Von Litauen lernen. Foto: Shutterstock/Gorodenkoff
Auf dem Weg zum Industrie 4.0-Standard: Von Litauen lernen. Foto: Shutterstock/Gorodenkoff

Feinwerktechnik

22. June 2021 | Teilen auf:

Nachrichten aus der Branche

(Juni 2021) Die Metav 2022 geht vom 8. bis 11. März live in Düsseldorf an den Start, bei Trumpf Werkzeugmaschinen gibt es einen Wechsel an der Spitze, die Werkzeug- und Formenbau-Ehrenmedaille 2021 erhielt Lothar Horn, Iscar gab den Startschuss für einen Neubau in Ettlingen und Sie erfahren wie man auf dem Weg zum Industrie 4.0-Standard von Litauen lernen kann.

Anmeldeportal freigeschaltet

„Den persönlichen Kontakt mit Kunden und Geschäftspartnern kann kein digitales Angebot ersetzen“, berichtet Stephanie Simon, Projektreferentin der Metav. Foto VDW

Nach fast zwei Jahren endlich wieder eine gute Nachricht aus der deutschen Messelandschaft für die Metallbearbeitung. Die Metav 2022 geht vom 8. bis 11. März live in Düsseldorf an den Start. Kürzlich wurden die Anmeldeunterlagen verschickt. „Die Metav 2022 ermöglicht der Branche erstmals seit der EMO Hannover 2019 wieder den persönlichen Kundenkontakt und umfangreiche Netzwerkpflege am größten Industriestandort Europas“, freut sich Martin Göbel, Leiter Messen beim Metav-Veranstalter VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), Frankfurt am Main. Endlich wieder kann sich das Fachpublikum persönlich über neue Produkte, nützliche Lösungen und innovative Serviceangebote informieren, mit Experten diskutieren und natürlich auch investieren. Zahlreiche Hersteller fiebern dieser Möglichkeit entgegen. Gut die Hälfte der mehr als 400 zur Metav 2020 angemeldeten Aussteller hat ihre Teilnahme an der Metav 2022 bereits wieder zugesagt.

Nach mehr als einem Jahr mit Kontakt- und Reisebeschränkungen, digitalen Veranstaltungen und virtuellen Konferenzen ist eines klar geworden, den persönlichen Kontakt mit Kunden und Geschäftspartnern kann kein digitales Angebot ersetzen. „Dies spielen uns die Aussteller in zahlreichen Gesprächen zurück“, berichtet Stephanie Simon, Projektreferentin der Metav. Zudem kurbeln insbesondere Mittelständler mit ihrer Teilnahme an internationalen Messen in Deutschland ihr Exportgeschäft an. Das sagen siebzig Prozent der Befragten aus dem Verarbeitenden Gewerbe in einer aktuellen Auma-Umfrage aus dem April dieses Jahres. Und der Konjunkturwind hat sich aktuell gedreht. Die Nachfrage ist wieder angesprungen, zunächst in China und den USA. Auch in Europa beleben sich die wirtschaftlichen Aktivitäten.

Wechsel an der Spitze

Stephan Mayer (40) wird neuer CEO Machine Tools (CEO MT) bei Trumpf. Foto: Trumpf

Führungswechsel im Geschäftsbereich Werkzeugmaschinen des Hochtechnologieunternehmens Trumpf: Stephan Mayer (40) wird neuer CEO Machine Tools (CEO MT) und folgt auf Heinz-Jürgen Prokop (63), der nach Erreichen der Altersgrenze für Mitglieder der Gruppengeschäftsführung zum Ende des Geschäftsjahres am 30. Juni 2021 bei Trumpf ausscheidet. Stephan Mayer ist seit 2012 bei Trumpf, zunächst als Leiter der Zentralbereiche Organisationsentwicklung, Produktion und Qualitätsmanagement.

Zum 1. Juli 2015 übernahm Mayer die Geschäftsleitung der Firma Trumpf Hüttinger in Freiburg und führte die Tochtergesellschaft zurück auf die Erfolgsspur. Am 1. Oktober 2017 kehrte er als Geschäftsführer Produktion und Einkauf von Trumpf Machine Tools nach Ditzingen zurück.

Seit 2019 verantwortet Stephan Mayer als Präsident China sämtliche Aktivitäten von Trumpf in China und führt die beiden Standorte in Taicang/Jiangsu und Jinfangyuan CNC Machine in Yangzhou.

Stephan Mayer studierte von 2000 bis 2004 Maschinenbau an der Universität Karlsruhe, wo er 2007 bis 2009 auch promovierte. Von 2004 bis zu seinem Eintritt bei Trumpf war der gebürtige Schramberger Mayer in der Beratung bei McKinsey in Stuttgart tätig.

Werkzeug- und Formenbau-Ehrenmedaille verliehen

Ausgezeichnet mit der Werkzeug- und Formenbau-Ehrenmedaille 2021: Lothar Horn, Geschäftsführer der Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn in Tübingen. Foto: Paul Horn

Die Werkzeug- und Formenbau-Ehrenmedaille ist eine Auszeichnung, die seit Beginn der Moulding Expo beim Ausstellerabend an verdiente Persönlichkeiten der Branche verliehen wird. Diese Tradition wurde auch beim diesjährigen virtuellen Messeabend am 10. Juni fortgesetzt, der Spätschicht „Mex-Special“ des VDWF. Der Preisträger ist diesmal ein Unternehmer, der viel in der Branche bewegt: Lothar Horn, Geschäftsführer der Firma Paul Horn in Tübingen. Jurymitglied Richard Pergler, Inhaber von Pergler Media: „Auch wenn er in der Branche ein richtig großes Unternehmen lenkt und leitet, ist er sich in all den Jahren treu geblieben, ansprechbar für jeden, nahbar eben. Ein Mensch.“ Und zwar ein Mensch mit Charisma. Lothar Horn führt seine Mitarbeiter als persönliches Vorbild und hat damit sein Unternehmen nachhaltig und vor allem in seinem ganz eigenen Stil geprägt. Das schließt nicht nur die Atmosphäre und die Menschen im Unternehmen ein, sondern gleichermaßen auch die Art und Weise, wie man mit den Anwendern, den Kunden, den Lieferanten umgeht. Selten wird so viel gelacht wie in seiner Nähe. Kurzum: Lothar Horn schafft den Menschen in seinem Umfeld Raum, damit sie sich entwickeln können.

Der 64-Jährige trägt den Namen seines Unternehmens und damit auch die Branche hinaus in die Welt. In der Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn hat er einen internen Werkzeugbau für Sonderverfahren aufgebaut, den man so anderswo kaum findet, und agiert in diesem Bereich beständig als Pionier. Lothar Horn war langjähriger Vorsitzender des VDMA-Fachverbands Präzisionswerkzeuge und agiert neben seiner unternehmerischen Tätigkeit auch als Vertreter und Botschafter der Branche weltweit. Er wirkt jedoch nicht nur als Wirtschaftsmensch weit über sein Unternehmen hinaus: Soziales Engagement ist ihm in vielen Bereichen und Projekten ein ernst gemeintes und persönliches Anliegen.

Startschuss für Neubau

Das neue 4.300 Quadratmeter großes Produktions- und Verwaltungsgebäude von Iscar soll im Spätsommer 2022 bezogen werden. Foto: Iscar

Spatenstich für Iscars Neubau am Standort Ettlingen: Im kleinen Kreis fiel am 20. Mai 2021 der Startschuss für den Bau eines Produktions- und Verwaltungsgebäudes für den Werkzeugspezialisten. Neben Büroflächen entsteht hier ein Schleifzentrum mit 35 modernen Werkzeugmaschinen und vorerst einer Beschichtungsanlage.

Gegenüber der Zentrale in Ettlingen wird ein insgesamt 4.300 Quadratmeter großes Produktions- und Verwaltungsgebäude entstehen. „Das Gebäude wurde so energieneutral wie möglich geplant – inklusive CO2-neutraler Energiebilanz. Die Dachfläche wird vollständig mit einer leistungsstarken Photovoltaik-Anlage belegt. Außerdem installieren wir ein Blockheizkraftwerk“, sagt Hans-Jürgen Büchner, Geschäftsführer von Iscar Germany. 1.100 Quadratmeter sind für Büroflächen reserviert, womit die restlichen rund 3.200 Quadratmeter auf die Produktionshalle und einem Service-Gebäude entfallen.

Im Spätsommer 2022 soll der Neubau fertig sein. Dann wird neben Iscar selbst auch der Spezialwerkzeug-Hersteller Outiltec einziehen. Die Experten für Tieflochbohrer gehören wie Icsar zur IMC Group und verlegen ihren Standort vom elsässischen Soufflenheim ins badische Ettlingen.

Beim Industrie 4.0-Standard von Litauen lernen

Auf dem Weg zum Industrie 4.0-Standard: Von Litauen lernen. Foto: Shutterstock/Gorodenkoff

Laut Europäischer Kommission ist Litauen eines der führenden Länder bei der Umsetzung von Industrie 4.0-Standards in seinem wirtschaftlichen Ökosystem. Beim Deutsch-Litauischen Wirtschaftsforum wurde jetzt darüber diskutiert, wie Deutschland und Litauen auf diesem Gebiet zum gegenseitigen Nutzen enger zusammenarbeiten können. Die Anpassung an die neue digitale Realität ist insbesondere für Deutschland sehr wichtig, wenn es seine führende Position in mehreren Branchen halten möchte.

Rund 275 Teilnehmer aus Deutschland und Litauen nahmen an dem Austausch mit rund dreißig Politikern, Unternehmen und Wissenschaftlern zu Industrie 4.0, Digitalisierung, Echtzeitökonomie, Gentherapie und Nachhaltigkeit teil. Über 600 Personen auf YouTube und fast 4.000 auf Facebook verfolgten das Forum. Die Veranstaltung wurde organisiert von Enterprise Lithuania, der Deutsch-Baltischen Handelskammer, der Litauischen Botschaft in Deutschland und Invest Lithuania. Aus Deutschland kamen Redner unter anderem vom Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, der DIHK, der AHK, der TU Braunschweig sowie von Bitkom, Commerzbank, Bayer und dem BioM Biotech Cluster Development.

Litauens Bevölkerung von etwas mehr als 2,7 Millionen Einwohnern hat EU-weit führende Zahlen in der Hochschulbildung. Das Land verfügt über einen sehr vielfältigen Talentpool: 41.500 Ingenieure, über 31.500 IT-Spezialisten und mehr als 40.000 Studenten in diesen beiden Fachrichtungen insgesamt. Die Regierung des Landes hat sich dem Ausbau der MINT-Ausbildung verschrieben, weshalb Litauen bei der Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Unternehmen im Bereich Forschung und Entwicklung den ersten Platz in Mittel- und Osteuropa einnimmt und von Bloomberg auf Platz zwei der globalen Rangliste für „tertiäre Effizienz“ gesetzt wird. Litauen erinnert damit Deutschland daran, junge Menschen zu ermutigen, sich für die Zukunftsbranchen wie IT, Ingenieurwesen, Biotechnologien und andere zu entscheiden, da diese Fachgebiete den Kern anderer Branchen bilden, in denen Deutschland führend ist, wie zum Beispiel die Automobil-, Maschinenbau-, Chemie- und Elektroindustrie.