Der EXAM 255 (CEM-3D-Drucker) mit technischen Details. (Quelle: AIM3D)

Feinwerktechnik

23. June 2022 | Teilen auf:

Nachrichten aus der Branche

(Juni 2022) Das Start-up AIM3D zeigt, dass gedruckte PA6GF30 anderen 3D-Druckverfahren deutlich überlegen sind, die beiden Leitmessen „automatica“ und die „LASER World of PHOTONICS“ finden zukünftig gemeinsam statt, Sandvik Coromant hat zwei neue Manager ernannt, eine Studie des Digitalverbandes Bitcom zur Industrie 4.0 hat interessante Ergebnisse gebracht und das Fraunhofer IPA entwickelt die erste KI-gestützte, intelligente Montageplanungssoftware.

Additive Fertigung

Der EXAM 255 (CEM-3D-Drucker) mit technischen Details. (Quelle: AIM3D)

Das Composite Extrusion Modeling-3D-Verfahren eröffnet in Bezug auf Wirtschaftlichkeit hohe Potentiale gegenüber alternativen 3D-Druck-Verfahren. Das Start-up AIM3D startete in Zusammenarbeit mit der Universität Rostock eine Versuchsreihe mit dem Werkstoff PA6GF30 (BASF Ultramid B3WG6). Dabei wurden auf den AIM3D-Anlagen ExAM 255 und ExAM 510 Prüfkörper gedruckt und mit alternativen Verfahren, wie Spritzgießen oder 3D-Druck, hinsichtlich der Zugfestigkeit verglichen. Die Auswertungen der Materialversuche überraschten: Die gedruckten PA6GF30 sind anderen 3D-Druckverfahren deutlich überlegen und erreichen fast die Zugfestigkeiten des klassischen Spritzgießens.

Wichtige Synergieeffekte

Als Leitmesse für automatisierte, intelligente Produktion ist die „automatica“ wie die „LASER“ international ausgerichtet. (Quelle: Messe München)

Die beiden Leitmessen „automatica“ und die „LASER World of PHOTONICS“ finden zukünftig gemeinsam statt - ab Juni 2023 (vom 27. bis 30. Juni) im Zwei-Jahres-Rhythmus.

Dieses Zeitfenster sollte sich die weltweite Community der Automatisierungs- und Lasertechnologie im Kalender vormerken. Denn an diesen vier Tagen werden in München sowohl die „automatica“ als Leitmesse für Automation und Robotik als auch die „LASER World of PHOTONICS“, die Weltleitmesse für Komponenten, Systeme und Anwendungen der Photonik, durchgeführt. Dr. Reinhard Pfeiffer, Geschäftsführer der Messe München: „Sowohl LASER wie automatica bieten als Fertigungsgeneralisten Lösungen für alle Branchen. Und es gibt Schnittmengen, die ausbaufähig sind. Aussteller und Besucher beider Leitmessen können daher in Zukunft Mehrwerte schöpfen und damit den Messeauftritt noch wertvoller gestalten.

“Die Entscheidung ist umso logischer, da die Ausstellungsspektren der „automatica“ und der „LASER World of PHOTONICS“ perfekt zueinander passen: Laser zum Schweißen, Schneiden, Kennzeichnen und Erfassen sind aus hochautomatisierten Produktionslinien nicht mehr wegzudenken. Und was wäre die Robotik ohne optische und laserbasierte Bildverarbeitung? Gleichzeitig spielen viele Laserapplikationen erst durch die Kombination mit Robotern ihre wirtschaftliche Stärke aus. Somit ergibt sich aus Sicht beider Messen eine Win-win-Situation: eine Erweiterung des Angebotes, ein verbesserter Kosten-Nutzen-Effekt für Aussteller und Besucher sowie eine erhöhte Aufmerksamkeit und Attraktivität für die Kombination von zwei starken und auf zukunftsgerichtete Trendtechnologien ausgerichteten Leitmessen.

Neue Managementteam-Mitglieder

Sandvik Coromant hat zwei neue Manager ernannt: Michael Eneberg hat seine Position als Vice President und Head of Global Sales bereits am 1. Mai 2022 angetreten. Im Juni ist Nicolas Dellachiesa als Vice President und Head of Merger & Acquisitions (M&A) dazugestoßen. Beide berichten direkt an Präsidentin Helen Blomqvist und werden dazu beitragen, das globale Wachstum des Weltmarktmarktführers für Werkzeuge und Zerspanungslösungen weiter voranzutreiben. Im Rahmen seiner neuen Rolle übernimmt Michael Eneberg die Verantwortung für die Führung, Entwicklung und Umsetzung der globalen Vertriebsinitiativen von Sandvik Coromant. Dabei wird er Aktivitäten für Sandvik Coromants umfangreiches Portfolio an Zerspanungswerkzeugen sowie für die wachsende Zahl an digitalen Dienstleistungen für Industrie 4.0 forcieren. Für seine neue Aufgabe bringt Dellachiesa beste Voraussetzungen mit: Neben seinem fundierten Know-how im Bereich Investmentbanking hat er bereits für verschiedene Fertigungsunternehmen gearbeitet, darunter das Luft- und Raumfahrtunternehmen Airbus.

Sandvik Coromant Präsidentin Helen Blomqvist freut sich auf die Zusammenarbeit mit den neuen Mitgliedern des Managementteams: „Sowohl Michael als auch Nicolas bringen einen großen Erfahrungsschatz mit. Michael verfügt über weitreichende Kenntnisse und ein solides Verständnis der Werkzeugmaschinenindustrie, kombiniert mit Kundenorientierung und starken Fähigkeiten, sowohl Mitarbeiter als auch Unternehmen zu entwickeln. Nicolas verbindet seine Kompetenz als Ingenieur mit umfassenden Erfahrungen aus verschiedenen Positionen im Finanzsektor. Auf diese Weise bringt er unterschiedliche Perspektiven in seine neue Rolle mit ein, die uns helfen, stabile Beziehungen zu Partnern aufzubauen und wichtige Akquisitionen zu tätigen.“

Guter Zweiter

Bitkom Research hat im Auftrag des Digitalverband Bitkom eine interessante Umfrage durchgeführt. (Quelle: Bitkom)

Knapp ein Viertel steuert die Fertigungsindustrie zum deutschen BIP bei. In kaum einem anderen Land hat die Industrie eine ähnlich große Bedeutung – doch sehen die deutschen Industrieunternehmen die USA in der entscheidenden Zukunftsfrage vorne: Jedes vierte deutsche Industrieunternehmen (25 Prozent) nennt die USA als Vorreiter der vernetzten Produktion, der Industrie 4.0. Deutschland belegt mit 16 Prozent Nennungen Platz zwei, dicht gefolgt von China und Japan (jeweils 15 Prozent). Südkorea sehen 13 Prozent auf dem Spitzenplatz. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 550 Industrieunternehmen ab hundert Beschäftigen in Deutschland. „Industrie 4.0, das ist die durchdigitalisierte und unternehmensübergreifend vernetzte Industrie. Mit der schnellen Einführung des Mobilfunkstandards 5G in Deutschlands Fabriken werden die Karten neu gemischt“, erklärt Christina Raab, Mitglied im Bitkom-Präsidium.Als ausschlaggebend für Deutschlands Erfolg in der Industrie 4.0 wird vor allem ein proaktives Management in den Unternehmen gesehen (55 Prozent). 39 Prozent sagen, dass in Deutschland bessere gesetzliche Rahmenbedingungen herrschen, aber nur jedes Vierte sieht Deutschland als führend bei der Etablierung von Standards (24 Prozent) oder bei den Investitionen in Forschung und Entwicklung (24 Prozent). Nur jedes Neunte (elf Prozent) spricht von einer starken Unterstützung durch die Politik im Bereich Industrie 4.0. Für die anderen Nationen wird das politische Engagement hingegen besser bewertet (USA: 21 Prozent, China: 22 Prozent, Japan: zwanzig Prozent). Christina Raab: „Wir brauchen bessere steuerliche Rahmenbedingungen für Investitionen in Industrie 4.0, eine Stärkung der Forschungs- und Entwicklungsförderung sowie gezielte Weiterbildungsangebote für die Beschäftigten.“Für die nächsten Jahre rechnet die deutsche Industrie mit wenig Verschiebungen im Wettbewerb mit anderen Standorten. So sagt jedes fünfte Unternehmen (zwanzig Prozent), dass auch im Jahr 2030 die USA in dem Bereich führend sein werden. Jeweils 15 Prozent nennen Deutschland und Südkorea, 14 Prozent Japan. Chinas Zukunft sehen die Unternehmen hingegen kritisch: Lediglich jedes achte Unternehmen (zwölf Prozent) geht davon aus, dass China zukünftig an erster Stelle steht.

Intelligente Montageplanungssoftware

Die Software besteht aus drei Komponenten, die mithilfe von KI die Montageplanung automatisieren und deutlich vereinfachen. (Quelle: Fraunhofer IPA)

Das Fraunhofer IPA geht neue Wege bei der Montageplanung: Eine Software wertet ohnehin vorhandene CAD-Daten aus, erstellt aus den gewonnenen Informationen Montageanleitungen und generiert automatisch kostengünstige Montageassistenzen. Die Montageplanung und Montage selbst sind momentan noch kostspielig und zeitintensiv. Sie verschlingen dreißig bis fünfzig Prozent der Personalkosten und umfassen etwa zwanzig Prozent der Gesamtkosten für die Herstellung eines Produkts.

Sinnvoll wäre es, die Montageplanung mit der tatsächlichen Montage zu verknüpfen und beide Stellen zu optimieren. Hieran haben Expertinnen und Experten des Fraunhofer IPA in den letzten Jahren gearbeitet. Zuletzt erhielten sie hierfür eine Förderung des Exist-Programms vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Datenauswertung als Grundlage Grundlegende Technologie für alle Leistungen der neuen Software „ARCaide Assembly Suite“ ist eine Künstliche Intelligenz (KI), die sogenannte STEP-Dateien analysiert und auswertet. Diese informationsreichen Dateien kann jedes CAD-System generieren. Sie liefern der „3D-Analyse-KI“, einer von drei Komponenten der Software, alle notwendigen Informationen, um strukturierte Montageinformationen präzise abzuleiten. Dieser Vorgang erlaubt, einen bisher mühevollen Prozess zu automatisieren: Denn für die Montageplanung ist es üblich, einen Mix aus Informationen wie 2D-Bildern, Stücklisten und Modellbeschreibungen zu nutzen. Gerade für die Modellbeschreibungen waren oft Expertise und Erfahrung der Fachkräfte wichtig – alles in allem ein uneinheitlicher, aufwendiger und fehleranfälliger Prozess. Die Software reduziert somit Vorbereitungszeit und Personalkosten und vermeidet, dass bei der Datenerhebung aus den verschiedenen Informationsquellen Verständnisfehler oder Inkonsistenzen vorkommen.

Die zweite Softwarekomponente ist der „Assembly Composer“. Dieser liest die extrahierten Montageinformationen aus der STEP-Datei aus und speist sie in ein grafisches Tool für die Montageplanung ein. Die Fachkräfte sehen damit die visualisierten Montage-informationen, sodass sie die Montage dreidimensional und spielerisch planen können.

Komplett wird das Trio an Softwarekomponenten durch die KI-Montageassistenz „KIM“. Nach Abschluss der Montageplanung können die Daten aus dem Büro, auf deren Basis die Software kostengünstig und schnell eine Montageassistenz bereitstellt, direkt am Montagearbeitsplatz eingesetzt werden.

Das Interesse aus der Industrie für die Erprobung und Weiterentwicklung der Software bis zur Praxisreife ist bereits groß. Deshalb plant das Entwicklerteam des Fraunhofer IPA zeitnah eine Ausgründung und ist auf der Suche nach Testern für diese neuartige Technologie.

zuletzt editiert am 24.06.2022