2011 Schaden Bild2
An der zweiflügeligen Tür war am Gehflügel mit H eines Z-Winkels eine Haftgegenplatte montiert, an der Türzarge der zugehörige Haftmagnet. Fotos: Mink

Schadensfälle

03. November 2020 | Teilen auf:

Nicht ohne Zulassung

(Oktober 2020) Eine elektrische Türverriegelung sollte von einem Sachverständigen auf Übereinstimmung mit den technischen Baubestimmungen überprüft werden. Lesen Sie, warum die Anlage nicht abgenommen werden konnte.

Zurzeit erleben wir einen Umbruch, in dem nationale Regelungen von harmonisierten europäischen Normen und Richtlinien ersetzt werden. Dieser Prozess ist jedoch noch unvollständig und nicht in allen Teilen des Baurechts umgesetzt. Auch für Bauprodukte gilt noch die eine oder andere nationale Norm oder Richtlinie. Dies betrifft auch elektrische Verriegelungen an Türen im Verlauf von Rettungswegen.
Im Dezember 2015 wurde die DIN EN 13637 veröffentlicht. Entgegen weit verbreiteter Ansichten ist diese Norm (derzeit) in Deutschland nicht gültig beziehungsweise nicht anzuwenden. Dies begründet sich zum einen darin, dass es sich bei dieser Norm nicht um eine harmonisierte europäische Norm handelt, zum anderen darin, dass die Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen weiterhin die Verwendung der EltVTR vorschreibt.
Die Auswirkungen sollen an einem Beispielfall aus dem Jahr 2019 erläutert werden.

Achten Sie auf die Zulassung

Eine im Rahmen einer Baumaßnahme errichtete Türverriegelung sollte auf Übereinstimmung mit den Vorgaben der technischen Baubestimmungen überprüft und, soweit möglich, abgenommen werden.
An einer zweiflügeligen Tür war am Gehflügel mit H eines Z-Winkels eine Haftgegenplatte montiert, an der Türzarge der zugehörige Haftmagnet. Im Wandbereich befand sich eine Bedieneinheit, bestehend aus zwangsöffnender Nottaste mit Anzeige des Verriegelungszustandes sowie einem Schlüsselschalter. Auf der Bandgegenseite befand sich ebenfalls etwas, was als Nottaste dienen sollte.
Im Rahmen der Abnahmeprüfung wurde um Bereitstellung des zugehörigen Verwendbarkeitsnachweises gebeten. Dazu wurden Leistungserklärungen des Haftmagneten vorgelegt.
Alle Produkte wurden von verschiedenen Herstellern hergestellt und sollten vom zuständigen Elektriker verkabelt und in

Im Wandbereich befand sich eine Bedieneinheit, bestehend aus zwangsöffnender Nottaste mit Anzeige des Verriegelungszustandes sowie einem Schlüsselschalter.

Betrieb genommen werden. Eine Inbetriebnahme war jedoch nicht möglich.
Gleichermaßen war auch keine Abnahme möglich, da keine Übereinstimmungserklärung des Herstellers nach vorheriger Prüfung durch eine anerkannte Prüfstelle (ÜHP) vorgelegt werden konnte. Die Vorgaben der Richtlinie zu elektrischen Verriegelungen an Türen im Verlauf von Rettungswegen wurden in der erforderlichen Form nicht eingehalten.

Diese elektrische Türverriegelung sollte auf Übereinstimmung mit den Vorgaben der technischen Baubestimmungen überprüft und, soweit möglich, abgenommen werden. Fotos: Mink

Fazit: Erneuern Sie die Installation
Eine Abnahme der vorgestellten Installation war somit nicht möglich. Als einzige Maßnahme konnte empfohlen werden, die einzelnen Komponenten zu entfernen und durch ein zugelassenes System eines Herstellers, zum Beispiel der Firmen Dorma, Assa Abloy oder anderen zu installieren.
Daraus ergab sich eine nicht unwesentliche Verzögerung des Baufortschrittes sowie erhebliche Mehrkosten, nicht nur durch die neu zu beschaffenden Bauprodukte, sondern auch durch die Mehrarbeiten wegen der Kabelverlegung und Nacharbeiten an den umgebenden Wänden. 

Auf der Bandgegenseite befand sich ein Bauelement, das als Nottaste dienen sollte.

Wartung: Beachten Sie die Intervalle

Ausführliche Angaben zu Wartung und Instandhaltung von Feststellanlagen liefert die DIN 14677 Instandhaltung von elektrisch gesteuerten Feststellanlagen für Feuerschutz- und Rauchschutzabschlüsse. Diese Norm wurde im März 2011 veröffentlicht. Bauaufsichtlich eingeführt ist sie jedoch nicht.
Gegenüber der alten DIBt-Richtlinie wurde der Inspektionszyklus deutlich geändert. Wurde früher eine monatliche Inspektion der Feststellanlage vorgegeben, beträgt der Zeitraum nach Normentwurf nun maximal drei Monate und gleicht sich so dem Inspektionszeitraum für Brandmeldeanlagen an. Der jährliche Wartungsturnus ist unverändert übernommen.

Dipl.-Ing. Hans-Paul Mink, ö.b.u.v. Sachverständiger (†2020)