Markisen, Terrassendächer, Sommer- und Wintergarten – oder auch ein neues Balkongeländer: „Outdoor living“ boomt, hier investieren private Bauherren in mehr Komfort und zusätzlichen Wohnraum. Die Chancen für den Metallbau liegen vor allem im Bestand. Mit guter Beratung lässt sich zudem oft ein Auftrag erweitern.
Die Menschen zieht‘s nach draußen – wenn es dort fast wie drinnen ist: Sonne und frische Luft locken aus dem Haus, doch sobald Wind, Hitze oder gar Regen herrschen, wird Schutz gesucht. Deshalb werden Terrassen (und Balkone) überdacht, verschattet oder sogar vollständig geschlossen: Der Außenraum wird zum Wohnraum – und für die notwendige Transformation gibt es den Metallbau. Das Marktfeld wächst. Dazu trägt auch bei, dass die Angebote breiter werden, gerade mit Blick auf mehr Komfort inklusive smarter Lösungen. Um diesen Markt erfolgreich zu erobern, braucht es neben Produkt- und Montage-Know-how auch professionelle Markterschließung.
Verschattung: Markise und Co.

Mehr Einbauvarianten, mehr Komfort: Markisen erfüllen immer besser individuelle Wünsche. So lassen sich heute auch schmale und tiefe Terrassen verschatten: Versetzt gelagerte Gelenkarme ermöglichen sogar mehr Ausfall als Breite, bei der Markise „Topas II Minimax“ (Weinor) reicht die maximale Tiefe beispielsweise bis 400 Zentimeter.
Ein Ausstattungs-Trend: Licht, neben konventionellen Lichtleisten auch LED. Mit Spots oder linearer Ambient-Beleuchtung gibt es diese Ausstattung (beispielsweise zur Markise „Smaila“, Weinor) als dimmbare Außenbeleuchtung, die sich auch in Smart-Home-Konzepte einbinden lässt. Sind die LED im Bodenprofil integriert (wie im Modell Terrea K55 von Warema), ist die Terrasse jederzeit, also auch bei geschlossener Markise zu beleuchten. Mit automatischer Wetter-Überwachung, die eine Markise bei Regen oder (zu viel) Wind selbsttätig schließt, muss auch kein Nutzer Sorge vor wetterbedingten Schäden haben. Dank Heizstrahlern bleibt es auch in den Abendstunden gemütlich.
Anbau: Terrassendach, Sommer- und Wintergarten

Eine Stufe weiter gehen fest installierte Terrassendächer. Typischerweise kommen dafür Profilsysteme aus Aluminium oder Stahl zum Einsatz. Ein vergleichbarer Trend: Mehr Varianten, mehr Komfort. TS-Aluminium hat beispielsweise das Dach in einer offenen Variante entwickelt: Beim „Glas-Schiebe-Dach“ liegen bis zu fünf Gläser in einem Feld. Sie schließen das Dach oder sie lassen sich übereinanderschieben, sodass bis zu 80 Prozent der Fläche offen sind – eine besonders elegante Variante, einen Hitzestau unter dem Dach zu verhindern. Das Dach lässt sich mit zwei Fachkräften montieren. Steht das Aluminium-Grundgerüst, werden die rund ein mal ein Meter großen Glasscheiben aus zehn Millimeter dickem Verbundsicherheitsglas (VSG) von vorn in die Führungsschienen der Systemsparren eingeschoben. Mit einem Gewicht von etwa 25 Kilogramm sind die Scheiben gut zu handeln. Das Dach ist wasserdicht, inklusive Entwässerungssystem und statischem Nachweis.
Bauen, herstellen, montieren

Mit Blick auf Haftungsfragen bei Terrassendächern ist wichtig, zwischen Bauen, Herstellen und Montieren zu differenzieren. „Bauen“ meint das Errichten oder Verändern einer baulichen Anlage. Da zählen auch Eingriffe in die Bausubstanz dazu, also beispielsweise am Fundament oder allgemein statisch relevante Maßnahmen. „Herstellen“ meint die Fertigung von Bauteilen im Handwerksbetrieb, zum Beispiel aus Profilen als Stangenware. „Montieren“ schließlich ist das Zusammenbauen vorgefertigter Bauteile ohne eigene konstruktive oder statische Leistung. Bei den als Bausatz gelieferten, vorgefertigten Systemen braucht der Verarbeiter keine eigene Herstellung und keine statische Bearbeitung (und die Montage zählt „nur“ zu den „handwerksähnlichen Tätigkeiten“). Entscheidet sich ein Betrieb für diesen Weg, ist die exakte Ausführung nach der Montageanleitung unbedingt einzuhalten. Grundsätzlich ist zu raten, bei der Systemwahl (für Terrassen- oder Lamellendächer) auf seriöse Anbieter zu setzen. Fehlen beispielsweise Montageanleitungen oder sogar statische Nachweise, führt das zu einem unkalkulierbaren Risiko. Zudem: Der Bau und die Herstellung von Terrassendächern im eigenen Betrieb ist nur einem zulassungspflichtigen Handwerk gestattet (neben dem Metallbau also auch dem Holzhandwerk). In diesem Fall hat der Metallbauer auch für die Statik zu sorgen. Bei der Entscheidung zwischen Bausatz und Profilsystem sind also nicht nur die Logistik und der Fertigungsaufwand zu beachten, sondern auch rechtliche Fragen.
Wintergarten: Neuer Wohnraum

Mit einem (Sommer- oder) Wintergarten wird die Terrasse zum geschlossenen Wohnraum – und die Anforderungen an den Bau steigen deutlich. Das beginnt schon vor dem Bau, denn Wintergärten sind in der Regel genehmigungspflichtig, und auch dort, wo für bestimmte Wintergärten auf den Bauantrag verzichtet werden kann, gelten Bebauungsplan, LBO etc. Die konkrete Antwort liefert das Bauamt. Es sollte also im Vorfeld geklärt werden, wie viel Fläche auf dem Grundstück noch bebaut werden darf, ob Bauformen vorgeschrieben sind und welche Grenzabstände und Baufluchtlinien einzuhalten sind. Privaten Bauherren sind diese Faktoren häufig nicht bekannt.
Marketing: Nutzen verkaufen – kein Produkt

Niemand kauft eine Markise, um eine Markise zu haben: Es geht darum, den eigenen Garten oder Balkon auch in der Übergangszeit nutzen zu können. Tobias Schmidt, Weinor-Marketingleiter: „Der Wert entsteht genau dort, wo aus einer Markise oder einem Terrassendach ein Stück Lebensqualität wird. Diese besonderen Momente sollten bereits im ersten Gespräch zwischen Fachpartner und Endkunde greifbar werden.“ Im Dialog mit Hauseigentümern tritt also neben die technische Beratung eine emotionale Komponente. „Wer dieses wertorientierte Denken beherrscht, stärkt grundlegend die Effektivität seines Verkaufs und damit seine unternehmerische Fähigkeit. Genau darauf arbeiten wir mit unserem Angebot für die Fachpartner hin“, ergänzt Schmidt. Um dies konsistent von Hersteller und Verarbeiter zu organisieren, bietet die Industrie viele Möglichkeiten für einen abgestimmten Marktauftritt. Schmidt: „Für die regionale Werbung stellen wir Vorlagen bereit, die der Fachpartner mit wenigen Handgriffen auf sein Unternehmen anpassen kann – von der Zeitungsanzeige über das Plakat bis zum Instagram-Beitrag, mit einer einheitlichen Bildsprache, aber auch klar erkennbar als ‚sein‘ Angebot.“
Etliche Hersteller (wie Weinor) unterstützen zudem Metallbaubetriebe auch dabei, Showroooms einzurichten, nicht (nur) mit Musterprodukten, sondern ganzheitlich geplant. „Weil viele Kaufentscheidungen heute oft online beginnen, liefern wir auch Bausteine für die sozialen Medien – inklusive Bilder und Videos“, schlägt Schmidt auch den Bogen in die Web-Kommunikation. Dadurch ist professionelle Präsenz auf Instagram oder Facebook auch ohne eine spezialisierte Agentur möglich.
Messe R+T in Stuttgart
15. bis 19. Februar 2027
Mit der im Dreijahres-Turnus laufenden Fachmesse „R+T“ ist im kommenden Frühjahr die gesamte „Outdoor“-Industrie in Stuttgart versammelt: Zehn Hallen mit den Innovationen der Branche. Die drei Messe-Schwerpunkte Rollladen, Tore und Sonnenschutz sind alle für das Metallhandwerk relevant, und „Outdoor Living“ bildet einen Schwerpunkt. Intelligente Beschattungssysteme werden als integraler Bestandteil moderner Fassadenkonzepte gezeigt – aber auch als Elemente, die „Outdoor“ erst attraktiv machen, von Terrasse über Insektenschutz und schräge Glasflächen (Glasdächer) bis Wintergarten.
Neben den Verschattungssystemen haben auch Sensorik, Steuerung und Antriebe Gewicht. Bei den Toren (in Halle 8 und 10) steht ebenfalls Energieeffizienz im Fokus: Als Teil der Gebäudehülle geht es unter anderem um wärmedämmende Anlagen mit optimierten Offenzeiten. Gezeigt werden hier außerdem Antriebs- und Steuertechnik, Türen, Gitter, Zäune. Beim Rahmenprogramm ist die ift-Sonderschau „Tore: Nachhaltig – sicher – innovativ“ besonders interessant für den Metallbau.
Daneben bieten die Fachvorträge des ift rund um Tore viel aktuelles Know-how. Die M+T ist aktiv auf der Messe und organisiert auf der „R+T Stage“ das Messe- Netzwerktreffen für Metallbauer. Ausführliches zur Messe in diesem Heft in unserem Interview mit R+T-Projektleiter Sebastian Schmid.
Fazit
Bei einem schrumpfenden Baumarkt bekommen wachsende Teilsegmente mehr Gewicht. „Outdoor“ ist eine solche Nische, die Potenzial sowohl von der Auftragszahl als auch vom Volumen bietet. Gute Fachberatung bietet zudem die Chance auf Zusatzgeschäft.