Das Siegerobjekt: Die Wandgarderobe „Fakir“ von Marius Römlein mit sechs achsensymmetrisch ausklappbaren Teilen ist eine gelungene Kombination von Funktion und Ästhetik. Foto: Römlein
Das Siegerobjekt: Die Wandgarderobe „Fakir“ von Marius Römlein mit sechs achsensymmetrisch ausklappbaren Teilen ist eine gelungene Kombination von Funktion und Ästhetik. Foto: Römlein

Die Gute Form

07. April 2021 | Teilen auf:

Preisverleihung: Preiswürdig gestaltet

(April 2021) Am 9. April 2021 wurden die Bundessieger des Wettbewerbs „Die Gute Form 2021 – Gestaltung im Metallhandwerk“ ausgezeichnet. Hier die Sieger und ihre Objekte.

In Zeiten von Corona ist vieles anders. So wurden die Gewinner des Wettbewerbs „Die Gute Form“ nicht wie sonst üblich auf der IHM München bekannt gegeben und ausgezeichnet sondern in einer virtuellen aber nicht minder würdigen Veranstaltung am 9. April. Auch konnte die Jury bestehend aus der Berufsschullehrerin Sabine Straub aus München, dem Vorjahrssieger Quirin Bacher aus Pfaffing, dem Bundesfachgruppenleiter der Metallgestalter Michael Stratmann aus Essen, dem Professor für Metallgestaltung an der HAWHK Hildesheim Hartwig Gerbracht und dem M&T-Redakteur Jörg Dombrowski nicht wie gewohnt die Stücke live begutachten. Sie trafen sich Anfang Februar virtuell zur Jurysitzung. Bemerkenswert und besonders positiv ist auch, dass die gestalterische Qualität der Arbeiten, wie schon in den vergangenen Jahren zu beobachten, weiter kontinuierlich zugenommen hat. So konnte die Jury drei großartige Nachwuchsmetallgestalter und ihre außergewöhnlichen Stücke finden und küren.
Bundesfachgruppenleiter Michael Stratmann konstatiert in seinem Grußwort im Katalog zum Wettbewerb: „Besondere und herausragende qualitätsvolle Stücke haben die drei Preisträger*innen geschaffen und sie erhalten zu Recht diese Anerkennung… Ich bin sicher, dass mit dem Abschluss der Ausbildung und der Teilnahme an diesem Wettbewerb eine positive Zukunft aller Beteiligten beginnt.“

Individuelle Siegerskulpturen

Sieger wurde Marius Römlein (Ausbildungsbetrieb Schmiede Erwin Harwig aus Kaufbeuren, Bayern) mit der Wandgarderobe „Fakir“. Der zweite Platz ging an Mia-Lisa Hauser (Ausbildungsbetrieb Dipl.-Designerin Petra Schmalz aus Kakenstorf- Bötersheim, Niedersachsen) für eine Tischleuchte und den dritten Preis erhielt Stefan Herzog (Ausbildungsbetrieb Uwe Weber und Roland Hermann aus Langenzenn, Bayern) für eine Wandgarderobe. Neben den Urkunden und Fördermitteln für die Ausbildung erhielten die Gewinner auch die zur schönen Tradition gewordenen geschmiedeten individuellen Nägel, die diesmal die Kunstschmiede Bender aus Schweich gestaltet hat.

Im arretierten, voll ausgeklappten Zustand entsteht eine Reihung von sechs rechteckigen Quadern mit den Gesamtabmessungen von 720 Millimeter mal achtzig Millimeter. Foto: Römlein

Platz eins für die Wandgarderobe „Fakir“ von Marius Römlein

Die Wandgarderobe hat eine quadratische Grundform mit den Abmessungen 240 Millimeter mal 240 Millimeter und einer Tiefe von 180 Millimeter. Die Garderobe lässt sich durch einen durchdachten Klappmechanismus in eine Reihe von sechs gleichgroßen Teilen ausklappen.
Die Jury meint dazu: „Die Wandgarderobe ‚FAKIR‘ besticht durch ihre klare geometrisch reduzierte Körperform. Wichtiger Gestaltungsbestandteil ist die Formgebung der einzelnen „Nägel“, denen durch das Schmieden Spannung und Bewegung eingehaucht wurde. Dies lässt einen Kontrast zum sonst so funktionellen, konstruktiven Körper entstehen. Als Designobjekt gedacht, lässt die Garderobe im ausgeklappten Zustand eine hohe Auslastung zu. So ist es gelungen, Funktion und Ästhetik sinnvoll in einem Werkstück zu kombinieren.“

Platz zwei: Die Tischleuchte von Silas Wagner aus den Materialien Eisen, Messing und Kupfer überzeug durch ihre klare Formensprache. Foto: Hauser

Platz zwei für die Tischleuchte von Mia-Lisa Hauser

Die Tischleuchte hat die Abmessungen von 353 Millimeter mal 353 Millimeter mal 700 Millimeter und besteht aus Eisen, Kupfer und Messing.
Die Jury war sehr überzeugt von der klaren Formensprache: „Mit einem sehr feinen Gefühl für Maß, Proportion und Materialkombination wurde eine Leuchtenidee umgesetzt, die handwerklich vorzüglich gelungen ist. Eine schwere runde Scheibe nimmt einen senkrechten Rundstab auf, über welchen ein geschmiedeter Rundstab mittels traditioneller Lochungstechnik gestülpt wurde. Die Fixierung ist über Flügelschrauben aus Messing gelöst. Ebenfalls aus Messing ist ein Übergangsstück zwischen dem gebogenen und geschmiedeten Rundstab und der aus Kupfer getriebenen eigentlichen Leuchtenschale. In diese ist ein modernes Leuchtmittel inklusive Batterie eingesetzt. Über eine Fernbedienung kann das Licht geschaltet werden.“

Platz drei für die Wandgarderobe von Stefan Herzog

Die Wandgarderobe besteht aus einem Winkelstahl, der zu einem U gebogen wurde. Über zwei Scharniere ist die Garderobenplatte montiert, aus der die Haken wechselseitig nach innen und nach außen gebogen wurden.

Platz drei: Die Wandgarderobe von Stefan Herzog lässt sich durch Aufklappen erweitern und zeugt von einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema. Foto: Herzog

Die Jury zeigt sich auch von der Flexibilität der Garderobe überzeugt: „Bei kleinerem Bedarf bleibt die Hakenplatte geschlossen und kann so an fünf Haken Kleidungsstücke aufnehmen. Bei erweitertem Bedarf wird die Garderobe aufgeklappt, so dass weitere fünf Haken zur Verfügung stehen. Die handwerkliche Realisierung ist insgesamt auf hohem Niveau. Die Materialwahl, die formale Gestaltung und die Proportionen zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung. Das Stück ist sehr gelungen.“