Professorinnen und Professoren der WGP während der WGP-Frühjahrstagung in Flensburg im Mai 2022.
Professorinnen und Professoren der WGP während der WGP-Frühjahrstagung in Flensburg im Mai 2022. (Quelle: Maximilian Gruber, WGP)

Feinwerktechnik

21. July 2022 | Teilen auf:

Produktion: Mit bis zu 45 Prozent weniger Energie

(Juli 2022) Im Juni dieses Jahres ist die WGP-Effizienzinitiative gestartet. Seither füllt sich der LinkedIn-Kanal zweimal pro Woche mit immer mehr konkreten Beispielen, die erfolgreich Energie eingespart haben. Die Zahlen sind beeindruckend: 45 Prozent Einsparung in der Produktion sind möglich.

Das zeigt die Demofabrik ETA an der TU Darmstadt. Die Maßnahmen, die dort greifen, wurden bereits von mehreren Unternehmen umgesetzt, darunter Trumpf. Ein weiteres Beispiel zeigt, dass eine optimierte Regelung raumlufttechnischer Anlagen in Trockenräumen gut 35 Prozent Energie einsparen kann. Und Minimalmengenschmierung kann die benötigte Leistung um 28 Prozent senken. Das sind nur drei von vielen Maßnahmen und Technologien, die WGP-Institute auf ihrem LinkedIn-Kanal den Unternehmen aufzeigen. „Es gibt für sehr viele, auch energieintensive Prozesse bereits Lösungen, die erheblich Energie sparen helfen. Das Problem ist, dass sie nicht ausreichend bekannt sind – oder es bisher nicht für notwendig erachtet wurde, sie einzuführen. Das dürfte sich mit der Energiekrise ändern“, konstatiert Prof. Jens P. Wulfsberg, Präsident der WGP (Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik).„Die dramatisch veränderte politische, wirtschaftliche und ökologische Lage zwingt uns, die Evolution hin zu umweltverträglicher und krisenfester Produktion zu einer Revolution zu machen. Unsere Initiative zeigt Wege auf, wie wir uns kurzfristig aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern befreien und gesellschaftliche Verwerfungen verhindern können“, mahnt Wulfsberg, der auch das Laboratorium Fertigungstechnik (LaFT) der Universität der Bundeswehr in Hamburg leitet. „Das ist unser Beitrag, um die außerordentliche Krise, in der wir alle stecken, zu überwinden“, ergänzt Prof. Wolfram Volk, Sprecher des Wissenschaftsausschusses der WGP. „Wir können und wollen nicht einfach so weitermachen wie bisher.“

Gebündelte Effizienzmaßnahmen zum Nachmachen 

Prof. Jens P. Wulfsberg, WGP-Präsident und Leiter des Laboratoriums Fertigungstechnik (LaFT) der Universität der Bundeswehr in Hamburg. (Quelle: LaFT Hamburg)

Schon heute haben Unternehmen aufgrund der drastisch gestiegenen Energiepreise ihre Produktion gedrosselt oder sogar eingestellt. Wem Gas- und Ölpreise über den Kopf wachsen – oder wer aus Prinzip etwas gegen die Abhängigkeit von politisch schwierigen Ländern tun möchte –, der findet ganz praktische Unterstützung bei den renommierten 42 Universitäts- und Fraunhofer-Instituten der WGP. Der Zusammenschluss der siebzig führenden Professorinnen und Professoren der Produktionstechnik in Deutschland arbeitet seit vielen Jahren an innovativen Technologien, die die hiesige Produktion effizienter, resilienter und nachhaltiger machen. Die Früchte dieser Arbeit mit ihren konkreten Einsparpotenzialen werden nun gebündelt präsentiert. Interessierte Unternehmen können in den Maßnahmenpaketen recherchieren, und WGP-Mitarbeitende passen sie auf Wunsch an die jeweiligen Bedingungen in einem spezifischen Unternehmen an – kostenfrei und gegebenenfalls vor Ort.

Jeder investierte Euro käme doppelt zurück 

Prof. Wolfram Volk, Sprecher des WGP-Wissenschaftsausschusses und Leiter des Lehrstuhls für Umformtechnik und Gießereiwesen (utg) der Technischen Universität München. (Quelle: utg München)

Der WGP-Präsident ergänzt: „Wir haben einen mächtigen Hebel, der mit Blick auf bisherige Klimaschutzmaßnahmen nicht genügend genutzt wurde: das Sparen von Energie mittels Energieeffizienz. Sie vermindern nicht nur den Geldtransfer in problematische Volkswirtschaften. Darin steckt auch die Möglichkeit, Wertschöpfung in Deutschland zu schaffen“, weiß Wulfsberg. „Wir sind sicher, dass die Politik dieses Thema noch stärker aufgreifen muss, wenn die Fülle bereits existierender Maßnahmen deutlich wird. Man muss nur einmal hochrechnen, wieviel schneller wir unsere Gasspeicher füllen könnten und wie schnell wir zu einem internationalen Vorbild würden. Die konsequente Umsetzung von Effizienzmaßnahmen ist nicht zuletzt eine riesige Chance für unser Land.“Jeder investierte Euro käme somit doppelt zurück. „Das Hilfsprogramm für energieintensive Industrie mit einem Umfang von fünf Milliarden Euro könnte auch in die flächendeckende Umsetzung der Sparmaßnahmen gesteckt werden. Dann würden die Energiepreise die produzierenden Unternehmen erst gar nicht in dem Maße beeinträchtigen, wie sie es jetzt tun. Und gleichzeitig hätten wir nach Autos einen neuen Exportschlager für unsere Industrie geschaffen. Die Frage ist nicht, ob wir es schaffen. Die Frage ist, ob wir es wirklich schaffen wollen. Und diese Frage geht an Unternehmer genauso wie an Politiker.“

Zur Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP): 

Die WGP (Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnik) ist ein Zusammenschluss führender deutscher Professorinnen und Professoren der Produktionswissenschaft. Sie vertritt die Belange von Forschung und Lehre gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Die WGP vereinigt 69 Professorinnen und Professoren aus 38 Universitäts- und Fraunhofer-Instituten und steht für rund 2.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Produktionstechnik. Die Mitglieder genießen sowohl in der deutschen Wissenschaftslandschaft als auch international eine hohe Reputation und sind weltweit vernetzt.

Die Labore der Mitglieder sind auf einem hohen technischen Stand und erlauben den WGP-Professoren, in ihren jeweiligen Themenfeldern sowohl Spitzenforschung als auch praxisorientierte Lehre zu betreiben. Die WGP hat sich zum Ziel gesetzt, die Bedeutung der Produktion und der Produktionswissenschaft für die Gesellschaft und für den Standort Deutschland aufzuzeigen. Sie bezieht Stellung zu gesellschaftlich relevanten Themen von Industrie 4.0 über Energieeffizienz und resilienter Produktion bis hin zu 3D-Druck.

zuletzt editiert am 21.07.2022