Henri Gomez Sapa
Henri Gomez (52) ist seit April neuer Geschäftsführer der Firma Sapa Building Systems GmbH. Foto: Wicona

Gebäudehülle 2016-06-21T00:00:00Z Profilsysteme: „Die Partnerschaft ist entscheidend“

Wir haben Henri Gomez, der seit April der neue Geschäftsführer der Sapa Building Systems GmbH/Wicona mit Sitz in Ulm ist getroffen und ihn gefragt, wie er die Position seines Unternehmens im Wettbewerb zusammen mit Kunden, Partnern und seinem Team weiterentwickeln und ausbauen will.

M&T: Herr Gomez, was sind Ihrer Meinung nach die großen Herausforderungen für Sapa und Wicona?
Heutzutage ist in Deutschland der Markt für die Sanierung von Gebäuden größer als der für Neubauten. Dies müssen wir sorgfältig analysieren und bewerten, um für die weitere Entwicklung der Bauwirtschaft vorbereitet zu sein. Auf der anderen Seite sind wir in vielen Ländern der Welt tätig. Es gibt einige Orte, an denen wir uns weiterentwickeln können. Zum Beispiel Nordamerika.

M&T: Wie würden Sie die Marktsituation für Metallbauunternehmer in Deutschland beschreiben?
Eine intensive Zusammenarbeit zwischen Metallbauunternehmen und lokal ansässigen Architekten wird immer wichtiger, weil die Schnittstellen zwischen Planung und Ausführung wachsen. Metallbauer sollten vermehrt mit jenen Architekten zusammenzuarbeiten, die sich mit den neuen Technologien auskennen und Projektlösungen bieten. Wir arbeiten intensiv daran, unsere lokalen Metallbauunternehmer dabei zu unterstützen, sichtbarer und aktiver als bisher.

Zusammenarbeit wird immer wichtiger


M&T: Inwiefern können Sie den Metallbauunternehmen helfen, näher mit den Planern und Architekten zusammenzuarbeiten?
Metallbauer sind extrem gut in der Herstellung und bei der Montage. Sie haben einen beeindruckenden Ingenieurshintergrund. Das entspricht unserer Technologie und unserer Kreativität bei der Unterstützung des Architekten. Wir müssen es schaffen, dass alle Projektbeteiligten besser zusammenarbeiten. Und das so früh wie möglich, wenn die Idee gefunden wird und wir nach einer Lösung suchen.
Es gibt in der Architektur eine große Revolution durch BIM (Building Information Modeling). Diese Methode ist oder wird in vielen Ländern heutzutage verbindlich. Wenn BIM richtig funktionieren soll, müssen wir die richtigen Informationen so bald wie möglich in die Pläne und die Software aufnehmen. Dies ist nur ein Werkzeug, um einen vollständigen Prozess zu erstellen. Und dieser vollständige Prozess muss, um erfolgreich zu sein, von Anfang an das Metallbauunternehmen mit einbinden.

M&T: Ist Ihre Software mit den Planungsinstrumenten der Metallbauunternehmen kompatibel?
Ja. Sie gehen in einen BIM-Online-Shop und können eine 3-D-Präsentation eines Produktes erhalten. Sie finden dort Fassaden, Fenster, Türen, alles, was Sie sonst für die Gebäudeplanung benötigen. Wir verbinden nun die gängigen Planungs-Programme mit unserer Software. Dies ist eine besondere Herausforderung, da es bislang noch keine Standards gibt. Aber unsere Basissoftware ist bereits dreidimensional angelegt und kompatibel. Und wir haben allein in diesem Jahr fünf Fachkräfte eingestellt, um unsere Software weiter zu entwickeln. Am Ende haben wir ein Tool, das den Prozess ergänzt und die engere Zusammenarbeit: mit den Metallbauunternehmen, den Planern und den Architekten. Das stellt eine spürbare Verbesserung im Sinne unserer Kunden und Partner dar.

M&T: Ab gesehen von BIM, können Sie weitere, zukünftige Trends nennen?
In der Energiebilanz eines Gebäudes gibt es vier Faktoren: Licht, Kühlung, Heizung und Belüftung. Dies sind die vier Bereiche, die den Energieverbrauch des Gebäudes definieren. Und es gibt nur eine Komponente im Gebäude, die diese vier Faktoren beeinflusst: das Fenster. Wir entwickeln dieses Produkt permanent weiter. Einige dieser Innovationen können auf der kommenden BAU besichtigt werden.
Die Sanierung von Gebäuden wird ebenfalls immer wichtiger. Wir entwickeln viele Innovationen für alte Fassaden. Dieses Segment wächst rasant. Es ist sehr viel komplexer. Bei einem neuen Gebäude können Sie alles planen. Sie wissen, wo die Sonne steht und wo nicht. Beim Modernisieren ist der gesamte Prozess komplizierter. Aber dies ist auch eine gute Gelegenheit und eine große Herausforderung, der wir jeden Tag gegenübertreten und ich bin sicher, wir können unseren Metallbauunternehmen exzellente Lösungen anbieten – Technik für Ideen eben.

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„Wir verbinden für BIM die gängigen Planungs-Programme mit unserer Software. Dies ist eine besondere Herausforderung, da es bislang noch keine Standards gibt. Aber unsere Basissoftware ist bereits dreidimensional angelegt und kompatibel.“ Foto: M&T

M&T: Wie wollen Sie das erreichen?
Wir motivieren unsere Mitarbeiter, die Architekten kontinuierlich zu besuchen, auch wenn es sich um ein Projekt mit zwei Jahren Vorlauf handelt. Wir suchen Wege, Metallbauunternehmen umfassender und früher einzubinden. Und wir drängen darauf, dass sie schon am ersten Meeting teilnehmen, um den Prozess zu beeinflussen und darin eingebunden zu werden.

Metallbauunternehmen müssen umfassender und früher eingebunden werden


M&T: Welche Metallbauunternehmen sollen am ersten Meeting teilnehmen, wenn es beispielsweise ein Projekt in Ulm gibt?
Wir haben top qualifizierte und langjährig bewährte Partner in Ulm. Diese sind spezialisiert, haben verschiedene Fähigkeiten, in denen sie gut sind. Entsprechend arbeiten wir in der Region mit ihnen zusammen.

M&T: Würden Sie eine Vorauswahl treffen, wenn Sie meinen, dies wäre der richtige Partner, um am Meeting teilzunehmen?
Manchmal müssen wir so arbeiten und die Realität akzeptieren. Bei einem größeren, komplexeren Projekt sind manche Partner in der Lage, ihre Stärken vollständig einzubringen. Es ist nicht so sehr eine Auswahl, sondern eher ein natürlicher Prozess für komplexere Projekte. Wir haben viele komplexe Projekte und daran müssen wir die jeweilige Konstellation ausrichten. In manchen Regionen mit überwiegend kleineren Metallbau-Partnern müssen wir ihnen helfen, zu wachsen und mit ihnen gemeinsam wachsen. Das ist ungefähr die Richtung, in die wir gehen.

M&T: Je weiter Sie Ihre Software entwickeln, desto stärker binden sich Metallbauunternehmen an Sie. Wie gehen Ihre Partner damit um?
Ehrlich gesagt: manche sind glücklich und manche weniger. So ist das Leben. In diesem Geschäft ist Partnerschaft entscheidend. Wenn Sie ein komplexes Gebäude erstellen und die Hauptakteure sind nicht in der Lage, zusammenzuarbeiten, wird es niemals funktionieren. Ich schätze Loyalität und starke Partnerschaft. Wenn Sie jeden Tag zeigen, dass Sie für das beste Produkt und den besten Service kämpfen, gibt es keine Diskussion. Wenn wir unsere Aufgabe gut erfüllen.
Ich denke, dass beim Bauen Partnerschaft entscheidend ist. Wenn nicht alle im selben Boot sitzen, ist es kompliziert. Ich mag diese Verbindung. Wenn wir zwei Partner in Ulm haben, die stark, fähig und erfahren sind, und die weniger arbeiten, arbeite ich auch weniger. Das setzt auch mein Unternehmen unter Druck. Wenn ein Partner uns um Hilfe bittet, müssen wir unser Bestes geben, weil er eben ein Partner ist.

Entscheidend ist die Partnerschaft


M&T: Denken Sie, dass ausländische Metallbauunternehmen beginnen, den deutschen Markt herauszufordern?
Preis und Preislogik sind wichtig. Metallbauer zu holen, die von weit weg herkommen und komplexe Dinge erledigen müssen, ist jedoch riskant. China zum Beispiel baut Projekte in ganz Europa. Die Bilanz ist nicht durchweg positiv: Ein Projekt in Frankreich bleibt unvollendet. Es ist ein Schlamassel. Ebenso in Mailand. Dort wurde ein Projekt für acht Wochen gestoppt. Wir haben in Europa eine Kompetenz im Fassadenbau, die weltweit anerkannt ist. Europa kann sich selbst verteidigen, indem es weiterhin qualitativ auf Top-Niveau produziert.

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„Eine intensive Zusammenarbeit zwischen Metallbauunternehmen und lokal ansässigen Architekten wird immer wichtiger, weil die Schnittstellen zwischen Planung und Ausführung wachsen.“ Foto: M&T

M&T: Gibt es weitere Chancen für Wachstum?
Es gibt einen Bereich, der eine Herausforderung darstellt: Aluminium. Wir bei Wicona sind stark im Objektgeschäft, im Industrie-, Verwaltungs- und Gewerbebau. Im Wohngebäudesektor gibt es eine Lücke. Ich denke aber an Frankreich, wo PVC ab- und Aluminium zunimmt. Wenn Sie heutzutage ein Haus in Frankreich bauen möchten, ist in manchen Gebieten Aluminium erforderlich. Wenn Sie Fenster austauschen wollen, gibt es eine größere Auswahl an Aluminium- als an PVC-Fenstern. Ja, es gibt noch ein großes PVC-Segment, aber der Trend ändert sich. Die Preisdifferenz ist aufgrund der industrialisierten Fertigungsprozesse nicht mehr so groß. Wenn der Preis niedriger ist, können Sie ein größeres Fenster aus Aluminium herstellen. Sie können schöne, zweifarbige Fenster herstellen. Sie können mit Aluminium akustisch bessere Fenster herstellen. Es gibt viele Möglichkeiten. Wenn dies für Frankreich, Belgien und die Niederlande gilt, können wir dies auch in Deutschland vorantreiben. Dies ist eine Alternative für unsere Metallbauunternehmen.

M&T: Wodurch heben Sie sich von Ihren Wettbewerbern ab?
Technologisch, bei der Herstellung und beim Service zählen wir zu den Besten. Einen Unterschied gibt es bei unseren Mitarbeitern und der Art, wie wir mit unseren Kunden zusammenarbeiten. Wir haben viel Empathie für unsere Kunden, wir respektieren sie. Wir hören genau zu. Unsere Erfahrung ist großartig. Wir sind solide. Wir sind kundennah und pflegen gute Beziehungen zu unseren Kunden. Wir sind nicht perfekt und wir sind nicht arrogant. Aber manchmal vielleicht etwas zu bescheiden.
Ich gebe Ihnen ein Beispiel. In ein paar Wochen können sich unsere Kunden in unser SAP-System einloggen, um ihre Aufträge zu verfolgen. Sie können alles sehen. Die Geschäftsbeziehung muss für sie so einfach wie möglich sein. Wir sind kein großes Unternehmen auf die Zahl der Mitarbeiter bezogen. Wir müssen gute Beziehungen zu unseren Kunden pflegen. Das ist unsere Stärke. Und meine Aufgabe ist es, dies voranzutreiben.

M&T: Warum sollte sich ein Metallbauunternehmen, welches bislang noch nicht mit Wicona zusammengearbeitet hat, für Ihre Produkte entscheiden?
Weil es keine Probleme mit unseren Produkten haben wird. Weil es alle Lösungen findet, die es braucht. Es bekommt technische Unterstützung. Und ich denke, die Unterstützung kommt von den besten Leuten.

zuletzt editiert am 26. April 2021
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