„Wir entwickeln beispielsweise für die Metallbaufertigung neue Produktideen und Geschäftsmodelle zur Workflowoptimierung“, berichtet Andreas Engelhardt. Foto: M&T
„Wir entwickeln beispielsweise für die Metallbaufertigung neue Produktideen und Geschäftsmodelle zur Workflowoptimierung“, berichtet Andreas Engelhardt. Foto: M&T

Interviews mit Branchenpartnern

01. December 2021 | Teilen auf:

Profilsysteme: „Wir möchten inspirieren und informieren“

(Dezember 2021) Die fortwährende Digitalisierung hilft Metallbaubetrieben die täglichen Aufgaben zu bearbeiten, birgt aber auch Herausforderungen in der Umsetzung. Wie Schüco International in Zukunft seine Kunden dabei unterstützt und was Besucher auf dem Schüco-Campus in Bielefeld erwartet, verrät der geschäftsführende Gesellschafter Andreas Engelhardt im Interview mit M&T-Redakeurin Yvonne Schneider.

Wir blicken auf 70 Jahre Schüco: Welche Meilensteine wurden früh gesetzt und wirken bis heute nach? 

Wir blicken auf sieben Jahrzehnte Entwicklung, Veränderung und Wachstum zurück. Dabei hat Schüco in jeder Phase der Unternehmensentwicklung Trends frühzeitig erkannt und Chancen tatkräftig ergriffen. So konnten innovative Produktentwicklungen, wie die Verbundtechnologie für Fenster- und Türsysteme, erfolgreich in den Markt eingeführt werden. Ein weiterer Meilenstein war auch der erste Schritt zum globalen Unternehmen, der ab den 80ern mit der Expansion in weitere internationale Länder erfolgte. Damals wie heute prägt der zentrale Gedanke „Alles aus einer Hand“ unsere Wachstumsstrategie. Wir haben uns von einem Systemanbieter zum Gebäudehüllenspezialisten entwickelt und dabei den Servicegedanken, insbesondere für unsere Kunden und Kundinnen, nie aus den Augen verloren. 

Am Standort Bielefeld wird seit vielen Monaten geplant und gebaut. Was entsteht dort?

Wir haben im September 2016 am Bielefelder Standort das größte Neubau- und Sanierungsprojekt unserer Unternehmensgeschichte gestartet. Insgesamt investieren wir knapp 100 Millionen Euro. Kurz vor der Fertigstellung steht der vom Architekturbüro 3XN geplante Neubau, der zusammen mit dem Bestandsgebäude zukünftig die Unternehmenszentrale Schüco-One bildet. Der Neubau soll im ersten Quartal 2022 bezogen werden. Zu dieser Zeit sollen auch die Baumaßnahmen für das „Herz von Schüco“, unser neues Welcome-Forum, zum Abschluss kommen. Dort können wir zukünftig bis zu 25.000 Gäste jährlich begrüßen und unsere Schüco-Welt vorstellen. Wir präsentieren dort unabhängig von Messen oder anderen saisonalen Veranstaltungen auf über 5.000 Quadratmetern unser aktuelles Produktsortiment – und unsere digitalen Supportfunktionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Der Bereich Maschinen wird durch eine komplette Fertigungsstraße repräsentiert. Ein einladendes Café mit Terrasse sowie flexibel nutzbare Besprechungs-, Verkaufs- und Präsentationsräume komplettieren das Raumangebot. Die im Welcome-Forum präsentierten Produkte und Lösungen können unsere Besucherinnen und Besucher anschließend auf dem Schüco-Campus verbaut und im Einsatz erleben. Mit unseren Bauvorhaben auf dem Campus wollen wir inspirieren und informieren. Dazu sind wir auch neue Wege gegangen, haben ausprobiert und Erfahrungen gesammelt, die wir gern an unsere Partnerbetriebe weitergeben.

"Meiner Ansicht nach besteht für Metallbaubetriebe mehr denn je die Notwendigkeit, ihre Arbeitsweisen durch den Einsatz von Digitalisierung zu optimieren."

Andreas Engelhardt, Schüco International

Welche digitalen Trends darf der Metallbauer aus Ihrer Sicht nicht verpassen?

Meiner Ansicht nach besteht für Metallbaubetriebe mehr denn je die Notwendigkeit, ihre Arbeitsweisen durch den Einsatz von Digitalisierung zu optimieren. Die Vernetzung von Kalkulation und Angebot eines Bauvorhabens bis hin zur Fertigung, Montage, Nutzung, Wartung und Recycling ist ein Prozess, dem sich Metallbaubetriebe stellen müssen, wenn sie auch in Zukunft erfolgreich sein möchten. Hinzu kommt, dass auch unsere Branche vom Fachkräftemangel und demografischen Wandel betroffen ist. Digitalisierung und automatische Fertigungsprozesse können dies zum Teil kompensieren.

Wie helfen Sie ihm dabei?

Wir entwickeln beispielsweise für die Metallbaufertigung neue Produktideen und Geschäftsmodelle zur Workflowoptimierung. Ziel dabei ist die Entwicklung von innovativen Fertigungsmethoden für bestmögliche Abläufe, von der Vorfertigung bis zur Montage bei unterschiedlichen Kundengrößen. Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit der Kuka AG, mit der wir ein erstes konkretes Entwicklungsprojekt umgesetzt haben. Ein Kuka-Roboter übernimmt die automatisierte Be- und Entladung unserer Fünf-Achs-Bearbeitungsmaschine Schüco-AF-500. Dieses Projekt führt zu einer erweiterten digital automatisierten Verarbeitung für Schüco-Kunden im Metallbau. 

Wie haben Sie bei Schüco die ausgefallenen Präsenz-Messen 2020 und 2021 kompensiert?

Wir haben neue digitale Formate geschaffen. Seit Januar 2021 informieren wir mit unserer Online-Plattform Schüco-Innovation-Now Menschen überall auf der Welt und zu jeder Zeit über Trends, Themen und unsere Product-Launch-Events. Dieses weltweit umgesetzte Konzept kommt gut an bei unseren Partnerbetrieben und es wurde bereits mit dem Red Dot Award Brands & Communication Design 2021 ausgezeichnet. Wir führen das Format seit Oktober fort und stellen unsere neuesten Lösungen für gesundes, intelligentes und sicheres Bauen vor. Dabei zeigen kurze Videos die wichtigsten Produkt- und Verarbeitervorteile.

Welche Aufgaben machen Sie in Ihrem Unternehmen besonders gern?

Ich tausche mich besonders gern mit unseren Mitarbeitenden und Partnern im direkten Gespräch aus, um neue Ideen für den weiteren Ausbau unseres erfolgreichen Partnerschaftsmodells zu generieren.

Welche technischen Trends sehen Sie bei Fenstern und Fassaden?

Fenster und Fassaden werden in Zukunft immer mehr Funktionen im Hinblick auf Energieeffizienz, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Komfort übernehmen und auch Wartungsprozesse beeinflussen. Eine Einbindung in Smart-Building-Konzepte mit gelösten Schnittstellen ist für diese Zukunftsvision Voraussetzung. Dabei gilt es, über die smarte Gebäudehülle hinauszudenken, ein Gebäude ganzheitlich zu betrachten. Dazu wollen wir mit unserem Partner Gira beitragen, indem wir die smarte Gebäudehülle und die smarte Steuerung der Funktionen im Gebäude aus einem gemeinsamen Verständnis heraus betrachten. 

Auf welches Ihrer Produkte sind Sie besonders stolz und warum?

Besonders stolz bin ich aktuell auf unser breites Spektrum von Schiebesystemen, weil wir in diesem Marktsegment unseren Partnerbetrieben jetzt tolle Lösungen anbieten können.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft von Schüco? 

Der Klimawandel ist meiner Ansicht nach die größte Herausforderung, die wir alle haben werden. Aus Brüssel kommen mit dem Green Deal und der Renovation Wave Initiativen, die jetzt zügig angeschoben werden müssen. Wir bei Schüco sehen das als Chance und legen bereits los. Unser Ziel ist es nicht nur, mit unseren Produkten und Services über den Hebel zu verfügen, einen aktiven Beitrag zu einer nachhaltigeren Welt zu leisten. Ganzheitlich betrachtet geht es um die sechs von uns definierten Handlungsfelder Umwelt, Produkte, Geschäftsentwicklung, Lieferkette, Mitarbeitende und Gesellschaft, denen wir uns täglich stellen. Damit haben Bauschaffende mit uns einen zukunftsfähigen Partner, der Nachhaltigkeit wirklich vorantreibt und dafür die passenden Produkte und Services bietet.

Zur Person

Andreas Engelhardt

Andreas Engelhardt ist persönlich haftender Gesellschafter der Schüco International KG. Die Schüco Gruppe mit Hauptsitz in Bielefeld entwickelt und vertreibt mit weltweit 5.650 Mitarbeitenden Systemlösungen für Fenster, Türen und Fassaden. 1951 gegründet, ist das Unternehmen heute in mehr als 80 Ländern aktiv und hat in 2020 einen Jahresumsatz von 1,695 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Erfahren Sie von Andreas Engelhardt im Video, welche Vorteile die Digitalisierung für Sie als Metallbauer hat und wie Schüco Sie dabei unterstützt:

zuletzt editiert am 01.12.2021