Teilnehmer Digitalisierung 07.11.2017
Die teilnehmenden Betriebe mit ihren Projektteams und die Berater und Begleiter waren zur Abschlussveranstaltung am 7. November 2017 nach Hannover gekommen. Fotos: M&T

Feinwerktechnik 2017-12-18T00:00:00Z Projekt: Digitale Prozesse

Am 7. November 2017 fand im Tagungszentrum der Handwerkskammer Hannover die Abschlussveranstaltung der „Digitalisierungswerkstatt“ statt. An diesem über fast ein Jahr laufenden Projekt hatten sich einige feinwerktechnische Betriebe aus dem Landesverband Metall Niedersachsen/Bremen beteiligt. Hier die Ergebnisse.

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Doch was genau sich dahinter verbirgt und vor allem wie die praktische Umsetzung im Betrieb aussehen kann, ist meist unklar. Diesen Fragen sollte sich das Projekt „Digitalisierungswerkstatt“ nähern und vier (anfangs waren es fünf) Betriebe auf dem Weg der Digitalisierung praktisch begleiten. Anfang des Jahres 2017 wurde das sehr praxisnahe und an den betrieblichen Erfordernissen orientierte Projekt gestartet, nun hatten sich alle Beteiligten am 7. November zur Abschlussveranstaltung, zur Präsentation der Ergebnisse und zur Diskussion des weiteren Vorgehens zusammengefunden.
Die „Digitalisierungswerkstatt“ stand unter der Federführung der Handwerkskammer Hannover und wurde in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Metall, mit Unterstützung des HPI Heinz-Piest-Institutes in Hannover, des Instituts für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) in Hannover und mit der Förderung vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) durchgeführt. Die wichtigsten Eckpunkte und Hilfen der „Werkstatt“ und der Projektträger bestanden aus umfangreicher externer Beratung, Strategieworkshops, spezifischen Seminaren und Exkursionen. In den Workshops konnten sich die Teilnehmer im Teamcoaching, im Projektmanagement und in der Moderation von Gruppenprozessen üben und in den Seminaren wurde das praktische Handwerkszeug für die Umsetzung der wichtigsten Digitalisierungsvorhaben vermittelt. Ein bedeutender Punkt war auch der ständige gegenseitige Erfahrungsaustausch der teilnehmenden Betriebe untereinander.

Neues Denken ist erforderlich

Teilnehmer Digitalisierung 07.11.2017
Die teilnehmenden Betriebe mit ihren Projektteams und die Berater und Begleiter waren zur Abschlussveranstaltung am 7. November 2017 nach Hannover gekommen. Fotos: M&T

Die Abschlussveranstaltung wurde durch den Geschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, Dietmar Rokahr, eröffnet. Er wies noch einmal auf die Bedeutung der Digitalisierung im Allgemeinen und die Rolle des Handwerks und seiner Weiterbildungseinrichtungen dabei im Besonderen hin.
Mit einem interessanten und spannenden Vortrag vom Digitalisierungsexperten Christoph Krause unter dem Motto „Neues Denken durch Digitalisierung im Handwerk“ ging es dann in medias res. Er führte den Teilnehmern eindringlich vor Augen, was auf den handwerklichen Mittelstand in ziemlich großem Tempo in diesem Zusammenhang zukommen wird.
Nach einer Einführung durch Walter Pirk vom „Kompetenzzentrum Digitales Handwerk“ zogen dann Benita von Steinaecker und Linda Horn von der HWK ein erstes Fazit des Projektes und moderierten die Diskussionsrunde mit den teilnehmenden Betrieben, bei der wichtige Ergebnisse und Erfahrungen aus der fast einjährigen Projektarbeit vorgestellt wurden.
Die vier Betriebe kommen aus dem feinwerktechnischen Bereich, da hier die Affinität und Notwendigkeit zur Digitalisierung der betrieblichen Prozesse noch größer als im Metallbau ist.


Das waren die Teilnehmer:
- Spies Formen- und Werkzeugbau, Melle,
- Henning Müller Sondermaschinenbau, Deensen,
- Kreyenberg, Norderstedt,
- Erich Uhe Feinmechanik, Hemmingen.

Viele Prozesse angeschoben

Die Teilnehmer hatten zum Start des Projektes ganz konkrete Aufgaben und Ziele für ihren Betrieb definiert. Die Palette reichte dabei vom Aufbau eines Wissensmanagementsystems über die Auswahl und die Einführung eines ERP-Systems, die Erstellung des Anforderungsprofils für ein Fertigungsmanagementsystem (MES), die digitalisierte Termin- und Auslastungsplanung bis zur papierlosen Fertigung.
Ein wichtiger Baustein waren die Seminare in denen die Mitarbeiter das nötige Rüstzeug für die Umsetzung der Aufgaben vermittelt bekamen. Dazu gehörten unter anderem:


- Wissensmanagement: Wissen smarter nutzen,
- RFID und kognitive Intralogistik,
- Produktivität und Ergonomie,
- Produktmanagement im Kontext von Industrie 4.0,
- Lean Production trifft Industrie 4.0,
- elektronische Rechnungsabwicklung,
- Rechtsrahmen für Industrie 4.0,
- IT-Sicherheit in der Produktion,
- Produktionscontrolling im Zeitalter von Industrie 4.0.


Interessant sind auch diese Zahlen zum Projekt: In 13 Seminaren, vier Workshops und einer Exkursion wurden insgesamt 1.461 Qualifizierungsstunden absolviert.

Viele kleine Schritte

Andreas Henseler Firma Spies
Andreas Henseler von der Firma Spies Formen- und Werkzeugbau sieht die Firma nach einem guten Start am Anfang eines Prozesses.

Im Anschluss an die Diskussionsrunde stellten die vier Betriebe im Rahmen eines „Gallery Walk“ die Ergebnisse und Erkenntnisse ihrer Arbeit sehr detailliert in kleinen Arbeitsgruppen vor. Eine Schlussfolgerung, die alle zogen: Man muss unbedingt die Mitarbeiter mitnehmen, muss informieren und erklären und damit ihre Vorbehalte und Ängste abbauen.
Einige war man sich auch, dass man den Zeitaufwand für die Digitalisierung der Prozesse unterschätzt habe. Dabei kommt es oft zum Konflikt zwischen dem Tagesgeschäft und den anzuschiebenden Veränderungsprozessen. Doch sei die erforderliche Zeit eine nützliche Investition und werde später mehrfach wieder hereingeholt. Wichtig sei auch die „Politik der kleinen Schritten“. Man müsse sich überschaubare kleinere Zwischenaufgaben stellen und diese nacheinander abarbeiten. Das verbessere die Motivation deutlich.

Fazit: Am Anfang eines Prozesses

Ergebnise-und-Erkenntnise-der-Teilnehmer
Die Betriebe stellten die Ergebnisse und Erkenntnisse des Projektes Digitalisierungswerkstatt vor und zogen ein insgesamt positives Fazit.

Insgesamt konnte von allen Betrieben ein positives Fazit gezogen werden. Viele Mitarbeiter hätten sich an dem Projekt beteiligt und seien auch für weitere Aufgaben motiviert. Denn – da waren sich alle einig – das Projekt „Digitalisierungswerkstatt“ kann nur der Anfang eines intensiven Prozesses sein, in dessen Mittelpunkt die weitere Digitalisierung, die Verbesserung der Transparenz und die Beschleunigung der betrieblichen Abläufe stehen muss.
Der Landesverband Metall Niedersachsen/Bremen will die wichtigsten Erkenntnisse und Ergebnisse aus dem Projekt jetzt für die anderen Mitgliedsbetriebe aufbereiten und damit Unterstützung und Hilfe auch für die Betriebe bieten, die sich mit dem Thema bisher noch wenig auseinandergesetzt haben. Denn eins steht fest: Die Digitalisierung wird jeden Lebensbereich und jeden Betrieb erfassen – egal ob man es will oder nicht.

Film-Tipp: Schauen Sie den Film

Einen Film von der Abschlussveranstaltung der Digitalisierungswerkstatt am 7. November 2017 (ebenso wie von der Startveranstaltung am 20. Februar 2017) sehen Sie auf unserem M&T-Youtube-Kanal oder unter www.metallbauTV.de .

zuletzt editiert am 21. Mai 2021
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