Orangerie von außen, hohe Fenster
Der östliche Teil der Orangerie präsentiert sich im sanierten Zustand und macht architektonisch ansprechend deutlich, welche Aufgabe der Bau erfüllt. (Quelle: RP Technik)

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6. December 2022 | Teilen auf:

Zurück in die Zukunft

Orangerie-Sanierung: Zahlreiche Umnutzungen und das verheerende Hochwasser 2013: Die 1779 erbaute Orangerie im Fürstlich Greizer Park hat eine bewegte Geschichte, durch die der ursprüngliche Charakter des Gebäudes im Südosten Thüringens zunehmend verloren ging. Durch die nun laufende Sanierung wird das Gebäude bis 2025 wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt.

Ziel ist „die Annäherung des Baukörpers an seine klare, längsrechteckige, kompakte Kubatur zur Entstehungszeit“, formulieren Haas Architekten BDA aus Berlin, die von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG), mit dem Projekt betraut wurden. Doch nicht nur optisch soll die Orangerie wieder als solche erkennbar sein: Die verlorengegangene Raumstruktur wird mit zwei Kalthäusern wiederhergestellt, in denen die Kübelpflanzen des Parks überwintern sollen. Das Große im Osttrakt wurde jüngst fertiggestellt und kann im Sommer auch für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden. Darüber hinaus finden Aufenthalts- und Arbeitsräume Platz.

Wesentlich für Form und Funktion des Baus ist seine Südfassade. Sie prägt die Erscheinung, ist aber vor allem entscheidend für ausreichende Sonneneinstrahlung und Temperaturregulierung. Die Pläne beinhalteten entlang der ursprünglichen Öffnungsachsen hohe Stahlfenster, die mit einer Dreiteilung in der Vertikalen die historische Erscheinung zitieren. In einem zweistufigen Vergabeverfahren konnten sich RP Technik/Bönen als Hersteller von Stahl-Glas-Systemlösungen und Just Metallbau aus Suhl als ausführendes Unternehmen durchsetzen.

„Die Anforderungen waren durchaus komplex, weshalb wir früh in die Entwicklung der Sonderlösungen involviert waren“, so Frank Frenzel, der als Architektenberater von RP Technik die Schnittstelle zwischen Planungsbüro und Unternehmen bildet. Die Entwürfe sahen eine Torkonstruktion mit drei Metern Breite und 5,8 Metern Höhe vor, dessen oberer Teil sich separat öffnen lässt, um die Pflanzen ein- bzw. auszuwintern. „Das Tor war eine absolute Herausforderung, die wohl selten in den Dimensionen gelöst wurde“, bestätigt Metallbauer Ronny Just. „Glücklicherweise hat RP Technik bei der Planung tolle Vorarbeit geleistet. Es braucht sehr exakte Berechnungen, um so große Lasten und Langlebigkeit zu kombinieren.“ Im Prinzip handelt es sich um zwei übereinandergestellte zweiflügelige Türen, wobei die obere die untere als Anschlag nutzt. Hier kam das thermisch getrennte System RP-Hermetic-70D zum Einsatz, das für hohe Anforderungen an die Einbruchhemmung, aber auch den Brand- oder Schallschutz ausgelegt ist.

Um die Dichtigkeit bei diesen Dimensionen zu gewährleisten, wurde für die Senk-Klapp-Flügel das Euronut-Flügelprofil in der Serie RP-Fineline-70W gewählt, das mit einem motorischen Verriegelungshub ringsum verriegelt werden kann. (Quelle: RP Technik)

Für die Versprossung wurde RP-Fineline-70D, ebenso thermisch getrennt, ausgewählt. Sehr schmale Ansichtsbreiten von vierzig Millimeter (Sprosse/Riegel) und 45 Millimeter (Flügel-Rahmen-Kombination) prädestinieren die Linie für alle Bauaufgaben, bei denen zeitgemäße Leistung ebenso gefragt sind wie ein denkmalgerechtes Erscheinungsbild. Denn Stahl ermöglicht aufgrund seiner hohen statischen Belastbarkeit besonders filigrane Konstruktionen und besitzt zugleich eine unerreichte Langlebigkeit. Folgerichtig fand das System auch bei den acht Fenstern Verwendung, die – 5,28 Meter hoch – die Fassade durchziehen. Ihre Flächen sind in drei gleichgroße Quadrate mit 1,76 m Seitenlänge unterteilt, von denen das mittlere jeweils als motorbetriebener Senk-Klappflügel ausgeführt ist.

Die schwarzen Profile bilden einen Kontrast zur hellen Putzfassade und machen nun wieder deutlich, um was für eine Art Gebäude es sich handelt. Insbesondere das kleinteilige Sprossen-Muster verortet das Gebäude in der Erbauungszeit, ohne historisierend zu wirken. „Die Einglasung war natürlich aufwendig, allein für das Tor haben wir vier Tage gebraucht. Allerdings kam uns das durchdachte Glasleistensystem mit werkzeugloser Montage hier sehr zugute“, so Ronny Just abschließend.

zuletzt editiert am 15.11.2022