Die Befestigung des Dachterrassengeländers war nicht fachgerecht ausgeführt. Die Befestigungsplatten sind unterdimensioniert und die Verschraubung hat keinen Verwendungsnachweis. Fotos: Zimmer
Die Befestigung des Dachterrassengeländers war nicht fachgerecht ausgeführt. Die Befestigungsplatten sind unterdimensioniert und die Verschraubung hat keinen Verwendungsnachweis. Fotos: Zimmer

Schadensfälle

01. July 2021 | Teilen auf:

Schaden total

(Thema des Monats Juli 2021) Der Sachverständige war vom Landgericht beauftragt worden, ein Dachterrassengeländer mit zugehöriger Treppe in den Garten zu begutachten. Abgesehen von den fehlenden Dokumenten zeigten sich diverse Mängel, die das Geländer zum Totalschaden machten.

Beantwortet werden sollte die Frage, ob Geländer und Treppe sach- und fachgerecht beziehungsweise entsprechend den allgemein anerkannten Regeln der Technik ausgeführt wurden und, falls nein, ob und zu welchen Kosten eine Mängelbeseitigung möglich ist. Vor dem Ortstermin hatte der Sachverständige beim ausführenden Metallbauer einige Unterlagen angefordert, im Einzelnen den Standsicherheitsnachweis, technische Unterlagen und Zertifikate. Beim Ortstermin konnte der Metallbauer die Unterlagen nicht vorweisen, wollte diese aber umgehend nachreichen, was jedoch nicht geschah.

Mangelhaft: Abgebrochene und verbogene Gurte am Treppenabgang.

Gehen Sie sorgfältig bei der Befestigung vor

Bei den begutachteten Metallbauteilen handelt es sich um ein mehrfach um neunzig Grad abgewinkeltes Dachterrassengeländer auf einem Anbau und eine geradläufige Treppe mit beidseitigem Geländer von dieser Dachterrasse aus in den Garten. Die Geländer sind aus nichtrostendem Stahl (1.4301) mit geschliffener Oberfläche hergestellt. Die Treppenwangen mit den Gitterroststufen bestehen aus Baustahl mit feuerverzinkter Oberfläche. Die Geländerpfosten und der Handlauf sind aus Rundrohren mit einem Durchmesser von 42,7 Millimeter und einer Wanddicke von zwei Millimetern gefertigt.Der Handlauf ist mit einem auf einer Einschlagkappe sitzenden Rundstab mit zwölf Millimeter Durchmesser verschweißt. Die Geländerausfachung zwischen den Geländerpfosten besteht aus sechs waagerechten Gurten aus zwölf Millimeter dicken Rundstäben. Die Geländerpfosten des Geländers sind im unteren Bereich drei- beziehungsweise viermal abgewinkelt und mit einer 120 × 60 × 8 Millimeter großen Befestigungsplatte an der Unterseite der Dachterrasse befestigt. Bei einem Teil der Geländerläufe sind die Befestigungsplatten mit Holzschrauben direkt an einen darunter befindlichen Balken geschraubt. Der mittlere, lange Geländerlauf ist über die Befestigungsplatten und eine Hilfskonstruktion an den Holzbalken befestigt. Am abgewinkelten Ende der Pfosten sind die Befestigungsplatten mit M10-Schrauben aus nichtrostendem Stahl an dem verzinkten Rechteckrohr angeschraubt, welches wiederum mit verzinkten Holzschrauben an den Holzbalken befestigt ist. Zusätzlich sind die Pfosten davor im Abstand von etwa fünfzig Millimeter an einem parallel verlaufenden Quadratrohr (40 × 40 × 2 Millimeter) angeschweißt.

Die Antrittstufe ist mit 113 Millimetern eindeutig zu niedrig. Die Höhe der ersten Steigung an dieser Treppe muss zwischen 182 und 213 Millimeter liegen.

Achten Sie auf die Abstände

Die Abstände zwischen den Geländerpfosten sind unterschiedlich groß. Die Abstände betragen zwischen 730 Millimeter und 1.221 Millimeter und differieren in den jeweiligen Geländerläufen teilweise um mehrere Zentimeter. Auch die Abstände der ersten Pfosten eines jeden Laufes zur jeweiligen Ecke der Dachterrasse differieren sehr stark. Der vertikale Abstand zwischen den zwölf Millimeter dicken, waagerechten Gurten liegt zwischen 128 und 138 Millimeter.Am Treppenabgang sind die Gurte mit einer Schweißverbindung verlängert worden. Ein Gurt ist an den Schweißnähten abgebrochen, ein weiterer Gurt ist verbogen. Die Schweißnähte sind zum Teil unbehandelt. Die Oberflächen der Schweißnähte sind uneben und Anlauffarben deutlich sichtbar. Einige Abstandskonsolen sind nicht lotrecht am Pfosten montiert.

Prüfen Sie die Steigung

Die geradläufige Treppe besteht aus zwei parallelen Flachstahlwangen aus feuerverzinktem Baustahl. Die Stufen sind genormte Gitterroststufen mit einer rutschfesten Antrittskante, Maschenweite 33/33 Millimeter, ebenfalls aus Baustahl mit feuerverzinkter Oberfläche. Die Stufen sind mit galvanisch verzinkten Schrauben mit den Treppenwangen verschraubt. An einer Schraubverbindung sind erste Korrosionsspuren zu erkennen. Die erste Stufe besitzt eine Steigung (Stufenhöhe) von 113 Millimeter, die zweite Steigung der Treppe beträgt 197 Millimeter. An beiden Treppenwangen ist ein Geländer baugleich zum Dachterrassengeländer montiert. Die Befestigung der beiden Treppenwangen ist am Fußpunkt mit Pflaster überdeckt und konnte daher nicht begutachtet werden. Die obere Befestigung der linken Treppenwange wurde mit einem nachträglich an die Wange angeschweißten Flachstahl ausgeführt. Dieser liegt lose auf dem tragenden Holzbalken der Terrasse auf. Die rechte Treppenwange ist mit einer angeschweißten Befestigungsplatte und zwei galvanisch verzinkten Holzschrauben an einem Holzbalken befestigt.

Weisen Sie Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit nach

Das Planen, Herstellen und Montieren von Geländern unterliegt grundsätzlich den Anforderungen des Bauordnungsrechts und ist unter anderem in den Landesbauordnungen (LBO) explizit geregelt. Die jeweilige LBO verweist auf die jeweils zu beachtenden technischen Baubestimmungen, die als Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen von den Bundesländern veröffentlicht werden. Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit sind nachzuweisen. Dies erfolgt in der Regel durch eine statische Berechnung.

Der ausführende Betrieb musste weiterhin (zum Zeitpunkt der Ausführung) eine zertifizierte werkseigene Produktionskontrolle (WPK) nach DIN EN 1090-1 besitzen und damit unter anderem auch geprüfte Schweißer für das eingesetzte Schweißverfahren nachweisen.Die Geländerfüllung ist so zu gestalten, dass Personen nicht hindurchfallen können. Entsprechende Anforderungen sind in einschlägigen Veröffentlichungen zusammengefasst, unter anderem in DIN 18065, im Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik oder in der BVM-Geländer-Richtlinie. Alle verarbeiteten Halbzeuge benötigen entsprechende Zeugnisse, eine allgemeine bauaufsichtliche oder europäische technische Zulassung. Insbesondere bei Metallbauarbeiten aus nichtrostendem Stahl wird üblicherweise ein hoher Anspruch sowohl an die technische Ausführung als auch an das optische Erscheinungsbild gestellt. Anlauffarben müssen aus Gründen des Korrosionsschutzes entfernt werden.

Bauen Sie regelgerecht

Hier die Beantwortung der im Beweisbeschluss gestellten Fragen:Geländerpfosten: Die horizontale Nutzlast q am Holm beziehungsweise Handlauf ist bei im privaten Bereich eingesetzten Geländern mit 0,5 kN/m anzusetzen. Für die Bemessung der Befestigung am Baukörper (Ankerplatte, Schrauben) wird zudem üblicherweise das Eigengewicht mit 0,3 kN/m und eine Last durch Auflehnen von 0,15 kN/m berücksichtigt. Zusätzlich sind bei Balkongeländern die Windlasten zu betrachten. Aus den Lastannahmen und den Maßen von Pfostenabständen und Pfostenlängen lassen sich überschlägig das Biegemoment und das erforderliche Widerstandsmoment errechnen. Das für die Geländerpfosten verarbeitete Rundrohr ist deutlich unterdimensioniert und somit statisch nicht ausreichend.

  • Befestigung des Dachterrassengeländers:

Die Geländerpfosten des Dachterrassengeländers sind jeweils mit 120 × 60 × 8 Millimeter großen Befestigungsplatten mit Holzschrauben direkt oder über eine Hilfskonstruktion an der Holzkonstruktion der Dachterrasse befestigt. Die dabei verwendeten Befestigungsplatten sind deutlich zu klein. Sie sind unterdimensioniert. Zur Befestigung der Befestigungsplatten am Baukörper dürfen nur Befestigungsmittel mit bauaufsichtlicher Zulassung verwendet werden. Deren Größe und Anzahl ist zuvor über eine statische Bemessung zu ermitteln. Die verwendeten Holzschrauben sind zum Befestigen von absturzsichernden Geländern nicht zugelassen.

  • Treppe

Die Gebrauchstauglichkeit der Treppe ist nachzuweisen. Dies kann durch eine nachträglich zu erstellende statische Berechnung erfolgen. Die Steigung der ersten Stufe ist nicht regelkonform. Sie ist mit 113 Millimetern im Verhältnis zu den Steigungsmaßen der anderen Stufen (197 Millimeter) deutlich zu niedrig. Laut DIN 18065 darf die Höhe der ersten Steigung einer Treppe im privaten Bereich maximal plus/minus 15 Millimeter abweichen. Das heißt, die Höhe der ersten Steigung muss hier zwischen 182 und 213 Millimeter liegen. Die Schraubenverbindung Gitterroststufe-Treppenwange ist mit nicht für diesen Anwendungsfall zugelassenen Schrauben (nur galvanisch verzinkt) ausgeführt. Die Schrauben müssen ausgetauscht werden.

Fazit:

Geländer austauschen, Treppe ertüchtigenAufwand und Kosten für eine fachgerechte Leistung: Insgesamt ist das Dachterrassengeländer nicht zu ertüchtigen. Das Geländer muss abgebaut und entsorgt werden. Die Kosten für eine Demontage und Entsorgung sowie die Herstellung, Lieferung und Montage eines neuen Geländers gibt der Sachverständige mit 8.000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer an. Bei der Treppe muss eine Überprüfung der Standsicherheit erfolgen und die Ursache der zu niedrigen Höhe der ersten Steigung geklärt und behoben werden. Sofern der statische Nachweis für die Treppe erbracht wird, sind die Befestigungsschrauben der Verbindung Stufen/Wange gegen solche auszutauschen, die zumindest dem Korrosionsschutz der zu verbindenden Teile entsprechen.

Baujahr: 2019
Schadensjahr: 2020

Karsten Zimmer, Bundesverband Metall (BVM)

Recherche

Nutzen Sie das Fachregelwerk

Alle an diesem Geländer und an der Treppe gemachten Fehler hätten sich durch die Nutzung des Fachregelwerkes vermeiden lassen. Die notwendigen Infos finden sich in folgenden Kapiteln: Kapitel 1.6.2 Nichrostender Stahl, 1.7.2.5 Schweißen, 2.35 Gebäudetreppen, 2.38 Geländer und Umwehrungen, Brüstungen, Handläufe. Außerdem gehören die DIN 18360 und die Landesbauordnungen zum Nutzungsumfang. Weitere Informationen zum Fachregelwerk erhalten Sie beim M&T-Leserservice, E-Mail: coleman@vuservice.de oder von Mo-Fr von 7:30 bis 17 Uhr per Telefon unter 06123 9238 274.

Foto: Handwerker Radio

Handwerker-Radio:

Mehr aktuelleSchadensfälle können Sie im Handwerker-Radio (im Internet unter www.handwerker-radio.de) hören. In der Sendung „M&T Metall-produktiv“ werden jeden Dienstag und Freitag in derZeit von 14 bis 15 Uhr unter anderem interessante Schadensfälle ausdem Metallbau besprochen.

Schadensfälle: Eine Reihe von Schadensfällen zum Thema Geländersind in den Bänden 1 bis 4 „Schäden im Metallbau“ aus dem Coleman-Verlag enthalten.

Recherchieren können Sie auch auf der Schadens-Homepage www.schaeden-im-metallbau.de. Weitere Informationen zuden Büchern erhalten Sie beim M&T-Leserservice, E-Mail: coleman@vuservice.de oder von Mo-Fr von 7:30 bis 17 Uhr per Telefon unter 061239238 274.

Sachverständigenseminar: Die Termine für die nächsten Sachverständigenseminarefinden Sie unter www.metallhandwerk.de/seminare