Ein massiver Metallträger in einer dunklen Industrieumgebung, befestigt an einer Wand.
Falsch: Die Halterungen waren schon nach kurzer Zeit deutlich angerostet. (Quelle: Norbert Finke)

Schadensfälle 2026-07-02T11:54:45.143Z Befestigung: Korrosion im Verborgenen

In Schwimmbädern herrscht ein Mikroklima, das eine massive korrosive Belastung vor allem von Metallbauteilen verursacht. Wie wichtig da die richtige und regelgerechte Materialwahl ist, zeigt dieser Schadensfall.

Hinter der Steinplatten-Wandbekleidung im Pool- und Wellnessbereich eines privaten Schwimmbades wurden an den tragenden Befestigungsteilen deutliche Korrosionsspuren gefunden. Die Standardhalterung bestand aus vier Einzelprofilen, die miteinander verschraubt waren.

Die verschraubten Halterungen müssen die Steingutwandbekleidung sicher und dauerhaft in der Montageposition fixieren. Für die Standfestigkeit des Wandbehangs ist die Korrosionsbeständigkeit der kompletten Halterungen zwingend erforderlich. Auch die Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben müssen für diesen Anwendungsfall geeignet, zugelassen und nach den statischen Vorgaben dimensioniert sein.

Wählen Sie die richtige Korrosionsbeständigkeitsklasse

Unter den atmosphärischen Bedingungen eines Schwimmbades müssen sämtliche Bauteile der Befestigung (einschließlich der Verbindungselemente) der Korrosionsbeständigkeitsklasse (CRC) III bis V (je nach konkreter Anforderung) entsprechen. Die Analyse der am Einbauort im Betriebszustand herrschenden Atmosphäre und die Bestimmung der einzusetzenden Materialien müssen durch den Planer und/oder den Montagebetrieb erfolgen. Eine solche Risikoanalyse kann im vorliegenden Fall nicht erfolgt sein. Es lag bereits in sämtlichen Bereichen und an allen Profilteilen Korrosion vor.

Die Schraubenverbindungen haben die Aufgabe, die Kräfte vom Steingutbehang über die Halterprofile und die Befestigung in den Baukörper einzuleiten.

Dafür müssen metrische Schraubenelemente entsprechend der statischen Berechnung mit ausreichender Korrosionsbeständigkeit eingesetzt werden. Hier wurden teilweise Schrauben und Muttern mit metrischem Gewinde aus einem CrNi-Stahl und auch selbstschneidende Blechschrauben, die lediglich galvanisch verzinkt waren, eingesetzt.

Setzen Sie eine regelgerechte Befestigung ein

Die Eignung solcher Blechschraubenverbindungen kann rechnerisch nicht nachgewiesen werden. In der Regel müssen diese Bauteile ihre Tauglichkeit dann durch Versuchsreihen nachweisen. Der Fassadenhersteller muss die Anwendbarkeit der Blechschrauben für den speziellen Anwendungsfall fundiert belegen.

Für die Befestigung der Halter an der tragenden Gebäudewand müssen für die Anwendung bauaufsichtlich zugelassene, statisch nachgewiesene Befestigungsmittel verwendet werden. Die Schrauben und Dübel müssen nach der Montageanleitung und den technischen Datenblättern montiert werden. Das ist vom Montageunternehmen schriftlich zu erklären.

Richten Sie sich nach der AbZ für nichtrostenden Stahl

Eine Metallhalterung, die mit Schrauben an einer Wand befestigt ist.
Falsch: Auch die Verschraubungen zeigten Rostspuren. (Quelle: Stefan Finke)

In Schwimmbädern gilt, dass die Werkstoffe statisch und quasistatisch beanspruchter Bauteile und Verbindungen, die außerhalb des Beckenbereichs montiert sind und zudem atmosphärischer Korrosion unterliegen, den Vorgaben der Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung Z-30.3-6 entsprechen müssen.

Um Schäden durch Spannungsrisskorrosion zu vermeiden, dürfen ohne regelmäßige Reinigung der Bauteile für Schwimmbadeinbauten und ihre tragenden Teile nur die nichtrostenden Stahlsorten 1.4565, 1.4529 und 1.4547 verwendet werden. Diese Stähle entsprechen nach Z-30.3-6 der Korrosionsbeständigkeitsklasse V (CRC).

Im vorliegenden Fall waren bereits bei der Planung Stähle ausgewählt worden, die lediglich der Korrosionsbeständigkeitsklasse III entsprachen. Daneben wurde Aluminium eingesetzt, das in Verbindung mit Chloriden nicht ausreichend widerstandsfähig ist und auch nicht den Vorgaben der Z-30.3-6 entspricht.

Fazit: Wählen Sie den richtigen Werkstoff

Tragende Bauteile sind aus 1.4565, 1.4529 oder 1.4547 zu fertigen bei:

  • Vorliegen einer extremen Chlorbelastung, die
  • mit der Einwirkung von Chlorgas zur Ausbildung eines stark sauren Oberflächenfilms führen kann,
  • bei der Möglichkeit einer erheblichen Aufkonzentration der Stoffe durch eine fehlende Reinigungsmöglichkeit,
  • in Anwendungsbereichen, in denen Spannungsrisskorrosion an tragenden Bauteilen nicht sicher auszuschließen ist, wie beispielsweise in Schwimmbädern.

Zusatzinfos

Wo Sie mehr erfahren!

Handwerkerradio: Mehr aktuelle Schadensfälle können Sie im Handwerkerradio (im Internet unter www.handwerker-radio.de) hören. Dort werden regelmäßig unter anderem interessante Schadensfälle aus dem Metallbau besprochen.

Schadensfälle: Eine Reihe von Schadensfällen zum Thema ist in den Bänden 1 bis 6 „Schäden im Metallbau“ aus der RM Rudolf Müller Medien enthalten. Recherchieren können Sie auch auf der Schadens-Homepage www.schaeden-im-metallbau.de.

Fachregelwerk: Wichtige Informationen zum Thema finden Sie im Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik in den Kapiteln 1.6.2.8 Auswahl des geeigneten Werkstoffs in Abhängigkeit von der Atmosphäre, 1.9 Befestigungstechnik. Weitere Informationen zu den Büchern und zum Fachregelwerk erhalten Sie beim M&T-Kundenservice, E-Mail rudolf-mueller@vuservice.de oder von Mo-Fr von 7:30 bis 17 Uhr per Telefon unter 06123 9238 274.

Podcast: Spannung für die Ohren und den Kopf verspricht der M&T Podcast mit einem hörbaren Einblick in zahlreiche Schadensfälle. Verfügbar sind bereits mehr als fünfzig Fälle auf allen gängigen Podcast-Plattformen wie Anchor, Apple Podcast, Spotify oder Google Podcast.

Baujahr: 2025

Schadensjahr: 2025

Regelwerke: Regelwerk: DIN EN 10088-1 Nichtrostende Stähle; Teil 1: Verzeichnis der nichtrostenden Stähle, Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung Z-30.3-6 (DIBt), Merkblätter 828, 831, 984 der Informationsstelle Edelstahl Rostfrei (ISER).

zuletzt editiert am 02. Juli 2026
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