In einem Logistik-Zentrum war es wiederholt zu Einbrüchen an verschiedenen Sektionaltoren gekommen. Der Sachverständige sollte den möglichen Tathergang ermitteln und feststellen, ob konstruktive Mängel als Ursache für die Einbrüche vorliegen. Hier die Ergebnisse.
Bei den Toren handelt es sich um Segmenttore mit Stahlsandwichlamellen in der Größe 2.750 Millimeter (Breite) mal 3.800 Millimeter Höhe. Die Motoren sind als Wellenantriebe ausgelegt. Eine Lamelle ist jeweils als Verglasungsrahmen ausgeführt.
Zur Aufschiebesicherung dient die seitlich am Sockel angebrachte Schlaffseilsicherung.
Es handelt sich dabei um einen Beschlag, der am unteren Endpunkt des Zugseils angekauscht und mit der Kante des unteren Torsegments verbunden ist. Dieser Beschlag ist mit einem Haken ausgestattet, der bei angezogenem Seil eingefahren ist. Verringert sich die Seilspannung, klickt der Haken aus und verriegelt das Torsegment und damit das gesamte Torblatt. Das funktioniert wie ein Widerhaken in Stanzungen, die an der Stirnseite innen in der Blechzarge eingestanzt sind. Damit ist das Tor gegen unkontrolliertes Herabfallen (bei loser Seilführung, wenn das Segmenttorblatt zum Beispiel einseitig blockiert) und gegen ein Aufhebeln und Aufschieben von außen gesichert.
Achten Sie auf Beschädigungen

An den Toren wurden durch den Sachverständigen einige Beschädigungen und Unregelmäßigkeiten festgestellt. An einer Seitenzarge eines Tores sind Beschädigungen an der Außendichtung und dem innenseitigen Seitenblech zu beobachten, die auf einen gescheiterten Einbruchversuch schließen lassen.
Bei einem weiteren Tor sind nicht sachgerecht ausgerichtete Rollenkonsolen am Torsegment vorhanden. Das hat ein Seitenspiel der schief in den Schienen geführten Rolle mit einem „Wackeln“ des Torblattes zur Folge.
Bei den erfolgreichen Einbrüchen selbst waren keine Beschädigungen an der Torkonstruktion entstanden.
Ermitteln Sie die Ursache

Konstruktiv kann der Beschlag nur versagen, wenn
- der Beschlag vom Torsegment abgerissen ist,
- der Beschlag nicht passgenau in der Schiene sitzt – der Haken also zu weit von den Stanzungen entfernt ist und nicht greifen kann.
Ansonsten ist als Tathergang ohne konstruktive Ursache oder Eingriff nur eine Abschirmung der Stanzungen in der Blechzarge vorstellbar. Dies kann zum Beispiel durch ein Blech verursacht werden, das vor dem Verschluss des Tores an der Innenseite in der Zarge am Fußpunkt die Stanzungen abschirmt. Bei den Toren ließe sich das aufgrund der hochgesetzten Laderampen in den seitlichen Schlitzen für die Behangführungen gut verstecken und wäre nicht ohne Weiteres sichtbar.
Deshalb kam der Sachverständige zu dem Schluss, dass eine Abschirmung der Stanzungen – also eine bewusst herbeigeführte Manipulation im Vorweg mit Kenntnis der Beschlagkonstruktion – als Tathergang am wahrscheinlichsten ist. Die bei dem anderen Tor festzustellenden nicht passgenau fixierten Rollen können zwar zu einer Funktionsunfähigkeit der Verhakung der Schlaffseilsicherung führen. Allerdings hätten die Täter von dieser kaum erkennbaren Fehleinstellung Kenntnis haben müssen. Die beschädigte Zarge des Tores weist allerdings auf einen Einbruchversuch von Personen ohne Kenntnis der Torkonstruktion hin.
Fazit: Ergänzen Sie die Sicherung

Bei sachgerechter Einstellung ist die Schlaffseilsicherung als Aufschiebesicherung wirksam und bietet einen guten Schutz. Ergänzend können noch Bolzenverriegelungen seitlich an den Torblättern angebracht werden. Da jedoch aufgrund der möglichen Manipulation von Tätern mit Kenntnis der Örtlichkeit auszugehen ist, können derartige Bolzenverriegelungen bei Zugriff auf die Schlüssel beziehungsweise auf die Ansteuerung keine garantierte Sicherheit bieten. Möglich und wirkungsvoll wäre ein passiver Einbruchschutz über eine nur einem kleinen Mitarbeiterkreis zugängliche Ansteuerung.
Zusatzinfos
Wo Sie mehr erfahren!
Handwerkerradio: Mehr aktuelle Schadensfälle können Sie im Handwerkerradio (im Internet unter www.handwerker-radio.de) hören. Dort werden regelmäßig unter anderem interessante Schadensfälle aus dem Metallbau besprochen.
Schadensfälle: Eine Reihe von Schadensfällen zum Thema ist in den Bänden 1 bis 6 „Schäden im Metallbau“ aus der RM Rudolf Müller Medien enthalten. Recherchieren können Sie auch auf der Schadens-Homepage www.schaeden-im-metallbau.de.
Fachregelwerk: Wichtige Informationen zum Thema finden Sie im Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik in den Kapiteln 1.14 Einbruchschutz, 2.29 Sektionaltore, Deckengleidertore. Weitere Informationen zu den Büchern und zum Fachregelwerk erhalten Sie beim M&T-Kundenservice, E-Mail rudolf-mueller@vuservice.de oder von Mo-Fr von 7:30 bis 17 Uhr per Telefon unter 06123 9238 274.
Podcast: Spannung für die Ohren und den Kopf verspricht der M&T Podcast mit einem hörbaren Einblick in zahlreiche Schadensfälle. Verfügbar sind bereits etwa fünfzig Fälle auf allen gängigen Podcast-Plattformen wie Anchor, Apple Podcast, Spotify oder Google Podcast.
Baujahr: 2021
Schadensjahr: 2022