Brandschutzfassade
Diese Brandschutzfassade eines Geschäftshauses wies nach 17 Jahren einige Schäden auf. (Quelle: Finke)

Schadensfälle 28. June 2023 Schadensfall: Regelgerecht saniert

Eine 17 Jahr alte Brandschutzfassade mit einer Zustimmung im Einzelfall war „in die Jahre gekommen“. Der Sachverständige musste ermitteln, ob die Fassade regelgerecht zu sanieren sei.

Von einem Immobilieneigentümer wurde der Sachverständige im November 2018 beauftragt, ein Gutachten über eine im Jahr 2001 errichtete Brandschutzfassade eines Bürogebäudes zu erstellen Innerhalb der Pfosten-Riegel-Konstruktion war es zu Unregelmäßigkeiten in der Verglasung gekommen, die Schäden an der gesamten Fassadenkonstruktion verursachten.

Die Fassade hatte eine Breite von 4,5 Meter und erstreckte sich über sieben Geschosse (EG und erstes bis sechstes OG). Der Ein- und Ausgang ins Gebäude erfolgte durch eine zweiflüglige feuerhemmende verglaste T 30-2 Eingangstür im Erdgeschoss der Fassade. Die Tür verfügte über die erforderliche Kennzeichnung. Eine vergleichbare Kennzeichnung auf der Pfosten-Riegel-Konstruktion und der Brandschutzverglasung fehlte.

Laut Auftraggeber war auch keine ausreichende Gebäudedokumentation vorhanden, die zweifelsfrei Hinweise auf das eingesetzte System gab. Auch vom Hersteller der Fassade waren nach diesem langen Zeitraum keine aussagefähige Dokumentation zu bekommen.

Während die Tür zweifelsfrei einem Systemhersteller zugeordnet werden konnte, war das für die Pfosten-Riegel-Konstruktion nicht möglich. Die Verglasung der Fassade erfolgte mit Brandschutzgläsern, die über eine passende allgemeine bauaufsichtliche Zulassung verfügten.

Sanieren Sie nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik

Schadensbild
Glaselemente waren innerhalb des Verbundes „blind“ geworden, mit Wasser reagiertes Dämmmaterial hatte Schäden verursacht und die Fassadenentwässerung funktionierte teilweise nicht mehr. (Quelle: Finke)

Anlass für das Gutachten waren Unregelmäßigkeiten innerhalb der Brandschutzverglasung. Wasser war in den Glasverbund eingedrungen und hatte mit dem Dämmstoff reagiert. Dadurch waren einzelne Glas-Verbundscheiben als Brandschutzscheiben zerstört worden und stellenweise Schäden an der gesamten Fassadenkonstruktion entstanden.

Der Auftraggeber für das Gutachten wollte für eine Sanierung alle Gläser der gesamten Fassadenkonstruktion austauschen. Dabei sollten systembezogene Metall- und Gummielemente, wie Abdeckprofile, Andruckprofile, Dichtungen, Klötze und Entwässerungselemente aufgearbeitet beziehungsweise gegen neue ausgetauscht werden.

Vorab musste allerdings geklärt werden, auf welchem System die Pfosten-Riegel-Konstruktion basierte, und ob die Fassade nach der fachgerechten Sanierung noch den allgemein anerkannten Regeln der Technik entspricht.

Zum Zeitpunkt der Montage der Fassade im Jahr 2001 gab es für den Fassadenbau lediglich zwei Pfosten-Riegel-Systeme mit Verglasung, die über eine bauaufsichtliche Zulassung verfügten. Deshalb konnte der Gutachter das vorhandene System problemlos zuordnen. Dieses System war erstmals im Juli 2002 vom DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) zugelassen worden. Für die vorhandene Fassade hatte die zuständige Bauaufsichtsbehörde im Jahr 2001 eine „Zustimmung im Einzelfall für die Verwendung dieser Brandschutzfassade“ (ZiE) erteilt.

Unter anderem war in der Zustimmung festgelegt, dass die vorgehängte Glasfassade sieben Geschosse durchlaufen durfte. Dabei mussten die Pfosten der Konstruktion zusätzlich mit zwei bauaufsichtlich zugelassenen Brandschutzstreifen gefüllt sein. Die Zustimmung im Einzelfall forderte eine bestimmte Brandschutzverglasung der Feuerwiderstandsklasse F 30 entsprechend der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (abZ) des DIBt. Eine feuerhemmende, verglaste T 30-2 Tür mit erhöhtem Durchgangsmaß war ebenfalls Bestandteil der Zustimmung im Einzelfall.

In der abZ der Brandschutzverglasung war festgelegt: „Die Brandschutzverglasung ist im Wesentlichen aus Scheiben, einem Rahmen aus speziellen Aluminium-Profilen, den Glasleisten, den Dichtungen und den Befestigungsmitteln nach Abschnitt 2 zu entrichten.“

In der Zulassung waren unter anderem die Profile für die Rahmen beschrieben: „Für die Rahmen der Brandschutzverglasung, bestehend aus Pfosten und Riegel, sind werksmäßig vorgefertigte Verbundprofile zu verwenden. Diese bestehen aus 50 mm bzw. 60 mm breiten Strangpressprofilen nach DIN EN 12020-1 und DIN EN 12020.2 oder DIN EN 755-1 der Aluminiumlegierung EN AW-6060 T66 sowie darin angeordnete sogenannte Zusatz- bzw. Einschubprofile. In den Zusatzprofilen sind Streifen aus nichtbrennbaren Bauplatten, sogenannten Brandschutzstreifen anzuordnen. Die Einschubprofile müssen vollständig mit Streifen aus o. g. Bauplatten ausgefüllt werden.“

Der Hersteller der Fassade hatte mit einer Übereinstimmungserklärung bescheinigt, dass die Fassade der Zustimmung im Einzelfall entsprach.

Berücksichtigen Sie die entsprechenden Anweisungen

Profilquerschnitt
So sieht der Profilquerschnitt eines Neuprodukts aus. (Quelle: Finke)

Da die Konstruktion technisch der ZiE entsprach und durch die Übereinstimmungserklärung des Fassadenherstellers, konnte die Sanierung der Fassade aus technischer Sicht unter Verwendung der Systemprodukte des entsprechenden Herstellers erfolgen, ohne dass die Konstruktion der Zustimmung im Einzelfall entgegenstand.

Dabei war auf Folgendes zu achten: Es waren die Herstellungs- und Montageanleitungen des Systemherstellers aus dem Fertigungs- und Montagezeitraum (2001) zu beachten. Da es sich um eine Neuverglasung handelte, waren zum Sanierungszeitraum gültige Regelwerke in die Herstellung und Montage mit einzubeziehen.

Das waren im Einzelnen:

  • DIN 18008-1:2010-12,
  • DIN 18008-2:2010-12,
  • DIN 18008-4:2013-07.

Die abZ verwies auf die zurückgezogenen und durch oben genannte Normen ersetzte Regelwerke, wie die TRLV (Technische Regel für linienförmig gelagerte Verglasungen). Im Jahr 2018/2019 waren die oben genannten DIN-Normen zu berücksichtigen.

Ein Geschäftshaus ist eine Arbeitsstätte. Folglich war zu prüfen und zu berücksichtigen, ob und, wenn ja, welche Vorgaben aus der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV:2004-08-12) und der Technischen Regel für Arbeitsstätten (ASR A 1.6:2011-11-30) zu beachten waren. Entsprechend einer Gefährdungsbeurteilung unter Berücksichtigung der Nutzung und der Einbausituation wurden die einzusetzenden Materialien ausgewählt. Das galt insbesondere für die Auswahl der Glasart.

Beachten Sie bei der handwerklichen Ausführung

Profilquerschnitt
Die Dichtungsecken mussten bei der Sanierung sicher verschlossen werden. (Quelle: Finke)

Bei der handwerklichen Arbeit war auf folgendes besonders zu achten: Die fertige Fassade musste schlagregendicht und diffusionsoffen hergestellt sein, um Unregelmäßigkeiten, wie vor der Sanierung vorhanden, zu vermeiden. Das heißt, von außen durfte kein Wasser in die Konstruktion eindringen. Gleichzeitig musste in der Konstruktion gebildete Feuchtigkeit (Kondenswasser) sicher nach außen abgeführt werden. Die Wasserableitung musste möglichst barrierefrei zu den Entwässerungselementen führen. Diese mussten absolut frei durchgängig sein.

Die Dichtungsecken waren sicher zu schließen, um auch in diesen Bereichen keine Lücke für eindringendes Wasser zu bilden. Die Glasklötze mussten die gesamte Breite der Glasscheiben abdecken. Klötze, die Vertikalkräfte (Eigengewicht der Glasscheiben) aufnahmen, mussten zwingend nach den Vorgaben der abZ und des Systemherstellers ausgewählt werden. In der Regel waren das nicht profilierte Hartholzklötze.

Nach der Sanierung sollte vom beauftragten Unternehmen eine detaillierte Übereinstimmungserklärung bezüglich der Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik und insbesondere der Vorgaben der abZ abgegeben werden. Dabei sollten die vorhandenen und die „neu“ eingesetzten Elemente detailliert benannt und beschrieben sein, um zukünftige Wartungs- und Reparaturarbeiten systemgetreu durchführen zu können.

Fazit: Beachten Sie die gültigen Regeln

Die Gesamtfassadenkonstruktion (Pfosten/Riegel plus Verglasung) verfügte über eine „Zustimmung im Einzelfall für die Verwendung von Feuerschutzabschlüssen“. Die Sanierung der Fassade konnte aus technischer Sicht unter Verwendung der beschriebenen Systemprodukte erfolgen, ohne dass die Konstruktion der Zustimmung im Einzelfall entgegenstand. Bei der Ausführung waren die zu der Zeit gültigen technischen Regeln und die abZ zu beachten.

Wo Sie mehr erfahren

Handwerkerradio: Mehr aktuelle Schadensfälle können Sie im Handwerkerradio (im Internet unter www.handwerker-radio.de) hören. In der Sendung „M&T Metall-produktiv“ werden jeden Dienstag von 14:00 bis 15:00 Uhr und Freitag von 11:00 bis 12:00 Uhr unter anderem interessante Schadensfälle aus dem Metallbau besprochen.

Schadensfälle: Eine Reihe von Schadensfällen zum Thema Brandschutz und Fassaden ist in den Bänden 1 bis 5 „Schäden im Metallbau“ aus dem Coleman-Verlag enthalten. Recherchieren können Sie auch auf der Schadens-Homepage www.schaeden-im-metallbau.de.

Fachregelwerk: Wichtige Informationen zum Thema finden Sie im Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik in den Kapiteln 1.13 Brandschutz, 2.8 Warmfassaden und 2.13 Feuer- und Rauchschutzabschlüsse. Weitere Informationen zu den Büchern und zum Fachregelwerk erhalten Sie beim M&T-Kundenservice, E-Mail: coleman@vuservice.de oder von Mo-Fr von 7:30 bis 17 Uhr per Telefon unter 06123 9238 274.

Podcast: Spannung für die Ohren und den Kopf verspricht der M&T Podcast mit einem hörbaren Einblick in zahlreiche Schadensfälle. Verfügbar sind bereits mehr als dreißig Fälle auf allen gängigen Podcast-Plattformen wie Anchor, Apple Podcast, Spotify oder Google Podcast.

Baujahr: 2001

Schadensjahr: 2018

zuletzt editiert am 01.08.2023