Bedienung eines Smartphons
Das Smartphone hat heute ohnehin jeder dabei, weshalb sich sein Einsatz als „Schlüssel“ für die elektronische Schließanlage anbietet. Längerfristig könnte damit der klassische Schlüsselbund aus Metall überflüssig werden. (Quelle: Abus)

Software (M&T)

19. December 2022 | Teilen auf:

Schließtechnik: Das Smartphone als Schlüssel

(Januar 2023) Elektronische Schließsysteme können inzwischen so einfach in der Installation und Bedienung sein, dass sie sich auch für Wohnungen oder kleine Gewerbeeinheiten eignen. Als Steuereinheit und gleichzeitig als Schlüssel bietet sich dann das Smartphone an, das heute ohnehin immer dabei ist.

Schließsysteme und Zutrittskontrollen haben sich zunächst in Fabriken sowie größeren Büro-, Verwaltungs- oder Gewerbeeinheiten durchgesetzt. Denn dort müssen für viele und eventuell auch wechselnde Mitarbeiter Zutrittsrechte vergeben, verwaltet und kontrolliert werden. Gleichzeitig gibt es gerade in diesen Einrichtungen oft sicherheitssensible Bereiche wie Forschungsabteilungen, Gefahrstofflager oder Serverräume, deren Zugänglichkeit in besonderem Maße zu überwachen und zu protokollieren ist. Gerade in Produktionsanlagen kann es außerdem sinnvoll sein, an diese Systeme zusätzlich eine Arbeitszeiterfassung anzukoppeln. Derart komplexe Anlagen werden dann meist von einer speziellen Abteilung wie dem Facility Management oder der Informationstechnik (IT) programmiert und überwacht.

In einer ganz anderen Welt bewegen sich jedoch Schließsysteme für kleinere Gewerbeeinheiten oder auch den gehobenen Wohnungsbau. Zum einen sind dort meist deutlich weniger Türen und ebenso weniger Berechtigte zu verwalten. Zum anderen muss der Aufwand für die Einrichtung und spätere Aktualisierung der per Software zugewiesenen Zutrittsrechte in diesen Fällen deutlich einfacher gehalten werden. Denn die Steuerung und Überwachung des Systems übernimmt in der Regel der Wohnungsinhaber oder im gewerblichen Bereich der jeweilige Chef: Der Steuerberater für sein Büro, der Arzt für seine Praxis oder der Meister für seinen Handwerksbetrieb wollen und können jedoch nicht unbegrenzt viel Zeit mit komplizierten Programmierungsaufgaben verbringen.

Nutzen Sie die Vorteile des Smartphones

Smartphone als Zimmerschlüssel
Hotels verwenden heute oft noch Chipkarten als Zimmerschlüssel, könnten künftig aber auch vermehrt auf das Smartphone als Identifikationsmedium zurückgreifen. (Quelle: Häfele)

Elektronische Schließsysteme für den privaten oder kleingewerblichen Bereich müssen also überschaubar und möglichst intuitiv zu bedienen sein. Darum werden diese Lösungen nicht mehr unbedingt mit einer Software auf einem herkömmlichen Computer eingerichtet und gesteuert, sondern über eine App im Handy oder gegebenenfalls auch im Tablet. Das senkt die Hemmschwelle für die Benutzung, weil inzwischen fast jeder Erwachsene ein Smartphone besitzt und im Umgang mit Apps vertraut ist.

Wenn aber das Smartphone ohnehin die zentrale Steuereinheit für das elektronische Schließen ist, bietet sich auch der zweite Schritt beinahe von selbst an: Das Handy wird selbst zum Schlüssel – nicht nur für die Haustür, sondern perspektivisch eventuell auch für den Briefkasten, für die Garage und für den Umkleidespind im Fitnessstudio oder im Betrieb. Künftig könnte der Idealfall dann so aussehen, dass die Menschen gar keine klassischen Schlüsselbunde mehr besitzen, sondern überall das Smartphone benutzen, über das technisch interessierte und meist jüngere Menschen ja bereits heute einen Großteil ihres Lebens organisieren.

Bis zur völligen Abschaffung des herkömmlichen metallischen Schlüsselbunds werden sicherlich noch einige Jahre und vielleicht Jahrzehnte vergehen, aber der Anfang wird heute gemacht, wenn der Auftraggeber beim Spezialisten wegen einer Schließanlage angefragt. Wenn das Metallbauunternehmen dann eine Smartphone-basierte Lösung anbieten kann, zeigt es einerseits seine Kompetenz für moderne Digitaltechnik und kann andererseits eine höhere Wertschöpfung im eigenen Betrieb behalten, als dies mit einer rein mechanischen Lösung möglich wäre.

Zumal durch die normale demographische Entwicklung mit immer mehr jüngeren Auftraggebern zu rechnen ist, die bereits mit dem Handy beziehungsweise dem Smartphone aufgewachsen sind. Diese Generation akzeptiert eventuell gar keine nichtdigitalen Lösungen mehr und vergibt im Zweifel die Leistung an einen anderen, weil moderneren Fachbetrieb für Schließtechnik.

Setzen Sie auf Systeme mit einfacher Montage

Tür beim Öffnen
Elektronische Schließsysteme können nicht nur entriegeln, sondern die Tür auch aufspringen lassen, sodass keine freie Hand für die Türklinke benötigt wird. (Quelle: Abus)

Die beiden wichtigsten Komponenten für kleinere elektronische Schließanlagen sind die digitalen Schließzylinder und die Identifikationseinheit. Digitale Schließzylinder unterscheiden sich in ihrer äußeren Form und ihrer Einbauweise praktisch kaum von mechanischen Schließzylindern. Es gibt sie als klassische Profilzylinder mit verschiedenen Längen, aber auch in den hierzulande seltener genutzten runden oder ovalen Formen. Typisch für digitale Nutzung sind Doppelknauf-Zylinder, bei denen entweder beide Knäufe als Leseeinheit ausgebildet sein können oder der innere Knauf rein mechanisch zu bedienen ist. Dadurch lässt sich die Tür jederzeit und ohne Identifikationsmedium von innen öffnen.

Andere Bauformen sind Halbzylinder, Hebelzylinder oder Zylindervorhängeschlösser. Durch diese Vielfalt ist es möglich, nicht nur die klassische Eingangstür in die Schließanlage einzubeziehen, sondern beispielsweise auch Garagentore, Spindtüren oder (im kleingewerblichen Bereich) Container.

Der wesentliche Unterschied digitaler Zylinder gegenüber mechanischen sind die Motorisierung und die elektronische Leseeinheit. Die Leseeinheit liest das Identifikationsmedium aus und gibt bei berechtigtem Zutritt dem Motor den Befehl zum Schließen. Die elektronischen Komponenten sind fix und fertig im Knauf eingebaut, es muss also beim Einbau nichts verkabelt oder angeschlossen werden. Gleiches gilt für die Stromversorgung, die bei modernen Systemen über langlebige Batterien sichergestellt wird, sodass auch keine Stromleitung erforderlich ist.

Es handelt sich bei den digitalen Zylindern um kompakte einbaufertige Bauelemente, die optisch wenig auffallen und praktisch in jeder Tür verwendet werden können, die vorher einen mechanischen Schließzylinder hatte. Nachrüstung ist also vergleichsweise einfach möglich.

Beachten Sie die Vielfalt der Identifikationsmedien

Tür mit Videopanel
Zutrittssysteme im privaten Bereich sollten mit Gegensprech- und Videoanlagen kombiniert werden, mit denen Identifikation und Kommunikation sowie die eventuelle anschließende Vergabe von temporären Zutrittsrechten vereinfacht werden. (Quelle: Schüco International)

Es können sehr verschiedene Identifikationsmedien benutzt werden. Aus dem Hotelbetrieb mit wechselnden Nutzern sind Chipkarten bekannt. Bei einem relativ konstanten Nutzerkreis bieten sich die haltbareren Transponder an, die beispielsweise als Schlüsselanhänger oder als Armband getragen werden können. Viel von sich reden gemacht haben in den letzten Jahren auch biometrische Identifikationssysteme wie Fingerabdruck- oder Irisscanner. Dabei entfällt das körperliche Identifikationsmedium, das demzufolge auch nicht vergessen oder verloren werden kann. Es gibt jedoch bei vielen Nutzern ein gewisses Unbehagen darüber, sehr persönliche und im Laufe des Lebens nicht mehr veränderbare Informationen einem technischen System anzuvertrauen. Sicherer erscheint deshalb unter den körperlosen Medien das Codeschloss, weil sie die Zahlenkombination bei Bedarf ändern lässt. Dabei wird jedoch eine zusätzliche Tastatur auf oder neben der Tür benötigt.

Das Smartphone gehört zwar wieder zu den gegenständlichen Identifikationsmedien, hat sich aber zu einem Gerät entwickelt, dass die meisten Menschen ohnehin immer dabeihaben und mit dessen Benutzung sie sehr vertraut sind. Es muss also kein zusätzlicher Gegenstand wie ein Schlüssel oder ein Transponder mitgeführt werden.

Eines oder mehrere der Smartphones im Haushalt oder der Firma können neben der Schließfunktion auch der Programmierung der Anlage dienen, wodurch eine echte Fernbedienung möglich wird. Die Eltern einer Familie oder der Geschäftsführer einer Firma können jederzeit und praktisch an jedem Ort der Welt Zutrittsrechte vergeben oder entziehen. Einige Systeme erlauben neben der Rechtevergabe auch eine Zustandsüberwachung der Tür, sodass Unregelmäßigkeiten oder Einbrüche auch im Urlaub oder bei anderer Abwesenheit bemerkt werden können.

Zeigen Sie im Beratungsgespräch die Vorteile

Ein großer Vorteil der Fernbedienung können temporäre Zugangsrechte sein, die in speziellen Situationen beispielsweise an Freunde oder gute Bekannte vergeben werden. Falls es separate Nebenräume oder einen abgetrennten Vorraum gibt, ist sogar die temporäre Vergabe an Paketdienste denkbar, die ihre Sendung dann bei Abwesenheit ablegen können.

In solchen Situationen bietet das Smartphone in seiner Doppelfunktion als Programmiereinheit und als Schlüssel auch einen doppelten Nutzen: Der Bewohner, der die Rolle des Administrators übernimmt, kann temporäre beziehungsweise befristete Rechte kurzfristig und aus großer Entfernung vergeben. Denn das Handy hat er immer dabei, während er nicht immer Zugriff auf einen internetfähigen PC haben wird. Gleichzeitig kann man auch bei der Person, die einmalig eintreten soll (guter Bekannter, Paketbote), voraussetzen, dass sie ein Smartphone besitzt.

Ebenso kurzfristig kann beim Verlust eines Smartphones innerhalb der Familie beziehungsweise der Belegschaft im Kleingewerbe reagiert werden. Die Rechte für dieses Gerät lassen sich jederzeit entziehen, sodass kein Missbrauch möglich ist. Bei sehr kleinen Kindern in der Familie lässt sich außerdem prüfen, ob ein System installiert wird, dass sowohl mit dem Smartphone als auch mit einem Transponder zu bedienen ist. Dann können auch Kinder einen „Schlüssel“ erhalten, die aus pädagogischen Gründen vielleicht noch kein Handy bekommen sollen oder denen es – wiederum aus pädagogischen Gründen – zeitweise entzogen wurde (Handyverbot).

Fazit: Bieten Sie eine vertraute Bedienung

Schließanlagen erobern zunehmend auch den privaten und kleingewerblichen Bereich. Anders als bei größeren gewerblichen Systemen in Fabriken, Bürokomplexen oder Verwaltungsgebäuden gibt es da keinen ausgebildeten Administrator für die Zutrittsrechte und das System. Abhilfe kann das vertraute Smartphone als Steuerungseinheit schaffen. Ebenso kann das Smartphone als „Schlüssel“ für die Berechtigten dienen. Diese Geräte hat heute fast jeder Mensch immer dabei und ist den Umgang mit ihnen gewohnt.

Wo Sie mehr erfahren

Schadensfälle: Eine Reihe von Schadensfällen zum Thema „Schließtechnik“ ist in den Bänden 1 bis 5 „Schäden im Metallbau“ aus dem Coleman-Verlag enthalten. Recherchieren können Sie auch auf der Schadens-Homepage www.schaeden-im-metallbau.de.

Fachregelwerk: Wichtige Informationen zum Thema finden Sie im Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik im Kapitel 1.11 Schlösser und Beschläge. Weitere Informationen zu den Büchern und zum Fachregelwerk erhalten Sie beim M&T-Kundenservice, E-Mail: coleman@vuservice.de oder Mo.-Fr. von 7:30 bis 17:00 Uhr per Telefon unter 06123 9238 274.

Viele Definitionen von Begriffen des Metallbaus finden Sie unter www.mt-metallhandwerk.de/Lexikon.

Beraten Sie sehr intensiv

Soll das Schließsystem mit dem Smartphone bedient werden ist eine gründliche individuelle Beratung des Kunden erforderlich. So müssen zum Beispiel die familiären im Beratungsgespräch mit einiger Sensibilität geklärt werden. Das gilt auch für die Fragen der Datensicherheit, bei denen die Angaben des Anbieters des jeweiligen Schließsystems abgefragt und mit dem Kunden offen besprochen werden sollten. Ein weiteres Thema der Beratung können zusätzliche Ausstattungen sein, etwa eine Gegensprechanlage oder auch eine Videoanlage, die sich bei Bedarf jeweils auf das Administratoren-Smartphone schalten lassen sollten. Denn erst dann lassen sich temporäre Zutrittsrechte mit Komfort und Sicherheit vergeben. Auch eine alternative Öffnungsmöglichkeit sollte geprüft werden, damit der Nutzer selbst bei leerem Handyakku in seine Wohnung gelangen kann.

zuletzt editiert am 21.12.2022