Ein Mann und eine Frau unterhalten sich an einem Messestand der Firma Lorch, umgeben von Werbebannern und Informationsmaterialien.
„Für den Mittelstand besonders wichtig: Der Cobot funktioniert eher wie ein Werkzeug als wie eine komplexe Anlage“, sagt Jürgen Bunghard im Gespräch mit Yvonne Schneider von M&T. (Quelle: M&T/J.Siehoff)

Interviews mit Branchenpartnern 2026-07-02T09:14:08.513Z Schweiß-Cobots: Der Schweißer wird nicht ersetzt

Der Einsatz von Schweiß-Cobots verbindet Automatisierung mit Flexibilität. Mensch und Roboter arbeiten Hand in Hand, um Qualität, Effizienz und Attraktivität im Schweißprozess zu steigern. Warum die Technologie schon für kleine Losgrößen interessant ist und wie der Einstieg gelingt, erläutert Vertriebsreferent Jürgen Bunghard von Lorch Schweißtechnik.

Cobot-Schweißen gilt als besonders einfacher Einstieg in die Automatisierung. Was unterscheidet kollaborative Schweißsysteme von klassischen Industrierobotern in der Praxis?

Der zentrale Unterschied liegt in der direkten Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Cobots sind so ausgelegt, dass sie ohne trennende Schutzzäune in unmittelbarer Nähe zum Bediener arbeiten können. Möglich wird das durch Leichtbau, integrierte Sensorik und Sicherheitsfunktionen, die bei Kontakt sofort stoppen.
In der Praxis bedeutet das: deutlich einfachere Installation, schnelle Inbetriebnahme und eine intuitive Bedienung – häufig per Handführung und ohne komplexe Programmierung. Klassische Industrieroboter hingegen sind meist in Zellen eingehaust, auf maximale Taktzeit ausgelegt und erfordern spezialisiertes Know-how. Cobots setzen stattdessen auf Flexibilität, schnelle Rüstbarkeit und kurze Einstellzeiten – gerade bei den typischen Herausforderungen im Mittelstand ein Vorteil.

Viele Unternehmen kämpfen mit Fachkräftemangel und steigenden Qualitätsanforderungen. Welche konkreten Vorteile bietet das Cobot-Schweißen hier im Produktionsalltag?

Cobots helfen, knappe Fachkräfte gezielt zu entlasten und vorhandene Ressourcen effizienter einzusetzen. Sie übernehmen monotone, wiederkehrende Schweißaufgaben, während der Schweißer komplexere oder qualitätskritische Tätigkeiten ausführt.
Gleichzeitig liefern Cobots eine konstant hohe und reproduzierbare Schweißqualität – unabhängig von Tagesform oder Ermüdung. Produktivität entsteht dabei weniger durch höhere Schweißgeschwindigkeit, sondern durch reduzierte Nebenzeiten und kontinuierlichen Betrieb. Praxisbeispiele zeigen Zeitersparnisse von bis zu 40 bis 50 Prozent bei Serienbauteilen. Damit sichern Unternehmen trotz Personalmangel ihre Lieferfähigkeit und steigern gleichzeitig Qualität und Durchsatz.

Ein Mann im Anzug spricht mit einer Frau auf einer Messe. Im Hintergrund sind Werbebanner zu sehen.
„Seine Stärken spielt das Cobot-Schweißen vor allem bei kleinen und mittleren Losgrößen mit hoher Variantenvielfalt aus“, beschreibt Jürgen Bunghard. (Quelle: M&T/J.Siehoff)

„Der Schweißer bleibt Chef des Systems.“

Jürgen Bunghard

Oft besteht die Sorge, dass Automatisierung den Menschen ersetzt. Warum bleibt der Schweißer beim Cobot-Schweißen dennoch der zentrale Faktor?

Beim Cobot-Schweißen steht der Mensch bewusst im Mittelpunkt. Der Schweißer wird nicht ersetzt, sondern wird zum Einrichter, Programmierer und Qualitätsverantwortlichen.
Das System folgt seinen Vorgaben – der Cobot führt lediglich die Schweißaufgabe präzise aus. Gerade bei variantenreichen Bauteilen oder bei Abweichungen im Prozess bleibt menschliches Know-how unverzichtbar. Zudem ermöglicht die einfache Bedienung, dass die Automatisierungskompetenz im Unternehmen selbst aufgebaut wird, statt von externen Spezialisten abhängig zu sein. Der Schweißer bleibt damit „Chef des Systems“.

Für welche Anwendungen und Losgrößen eignet sich Cobot-Schweißen besonders – und wo liegen aktuell noch die Grenzen der Technologie?

Seine Stärken spielt das Cobot-Schweißen vor allem bei kleinen und mittleren Losgrößen mit hoher Variantenvielfalt aus. Also genau dort, wo klassische Robotik oft zu unflexibel oder zu teuer ist.
Dabei sind die Möglichkeiten an Hardware und Softwarefeatures von Schweiß-Cobots in den letzten Jahren immer weiter gewachsen, wodurch die Anwendungsbreite des Cobots immer näher an die der Industrieroboter rückt. Grenzen bestehen aktuell bei beispielsweise extrem langen Nähten, wo eher auf eine Mechanisierung gesetzt wird, oder hochspezialisierten Anwendungen mit komplexer Sensorik und maximaler Taktzeitoptimierung. Dort haben Industrieroboter weiterhin Vorteile.
Schaut man auch auf die etablierten Industrieroboter-Hersteller, werden intelligente Assistenzsysteme sowie adaptive und sensorbasierte Bahnplanung durch KI-Lösungen, zunehmend für „Cobots first“, entwickelt. Die Zukunft der Robotik ist kollaborativ!

Neben Produktivität spielt heute auch die Attraktivität des Arbeitsplatzes eine große Rolle. Wie verändert der Einsatz von Cobots die Arbeit des Schweißers?

Der Cobot verändert das Berufsbild deutlich: weg von reiner Handarbeit hin zu einer technisch anspruchsvolleren Tätigkeit. Der Schweißer übernimmt Programmierung, Prozessüberwachung und Qualitätskontrolle. Gleichzeitig werden körperlich belastende und monotone Tätigkeiten reduziert. Das verbessert Ergonomie, reduziert Belastung durch Hitze und Rauch und steigert die Motivation. Zudem wird der Arbeitsplatz moderner und attraktiver – ein wichtiger Faktor, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.

Der Einstieg in die Automatisierung galt lange als teuer und komplex. Warum wird Cobot-Schweißen inzwischen gerade für kleine und mittelständische Unternehmen immer interessanter?

Cobots senken die Einstiegshürde erheblich. Zum einen durch geringere Investitionskosten – oft rund 50 Prozent unter klassischen Robotersystemen. Zum anderen durch reduzierte Infrastruktur, da meist keine aufwendige Schutzzelle erforderlich ist.
Hinzu kommen kurze Schulungszeiten von wenigen Tagen und die intuitive Bedienung. Das ermöglicht einen schnellen Produktivstart und eine kurze Amortisationszeit. Für den Mittelstand besonders wichtig: Der Cobot funktioniert eher wie ein Werkzeug als wie eine komplexe Anlage – flexibel einsetzbar, schnell umrüstbar und exakt auf die Bedürfnisse der Fertigung ausgelegt.

Ein Mann mit Brille und Anzug steht lächelnd vor einem roten Banner.

Zur Person

Jürgen Bunghard...

...ist ausgebildeter Betriebsschlosser und verfügt über eine Zusatzqualifikation als DVS-Schweißfachmann. Seit Januar 2011 ist er bei der Lorch Schweißtechnik GmbH in Auenwald tätig. Dort betreute er einige Jahre vertriebstechnisch die Lorch-Handelspartner, ist als Vertriebsspezialist im Bereich Cobot-Schweißlösungen aktiv und engagiert sich als Vertriebsreferent in der Lorch Akademie. Darüber hinaus pflegt er die Zusammenarbeit mit Verbänden sowie Bildungseinrichtungen und ist deren direkter Ansprechpartner.

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zuletzt editiert am 02. Juli 2026
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