„Die Globalisierung hat großen Wohlstand hervorgebracht. Zuerst durch die Corona-Pandemie und jetzt durch den Krieg, lernen wir die Kehrseite dieser Medaille kennen”, sagt EWM-Vertriebsvorstand Robert Stöckl (rechts) im Gespräch mit M&T-Chefredakteur John Siehoff. (Quelle: M&T)

Interviews mit Branchenpartnern

05. September 2022 | Teilen auf:

Schweißtechnik: „Der Erhalt der Wirtschaftlichkeit der Kunden ist für uns das A und O“

(September 2022) Die Betriebe des deutschen Metallhandwerks brauchen die Unterstützung der Zulieferindustrie, um in der herausfordernden Lage ihre Wirtschaftlichkeit zu fördern. Als Vorstandsmitglied mit Schwerpunkt Vertrieb erläutert Robert Stöckl, wie dies im Zusammenspiel zwischen EWM und seinen Kunden gelingen soll.

Welche Auswirkungen hat der Krieg in der Ukraine auf Ihr Geschäft in Bezug auf Rohstoffe, Energie- und Gaspreise?

Sechs Monate nach Beginn des Ukraine-Konflikts spüren wir bei EWM Auswirkungen in allen drei genannten Bereichen. Aktuell beziehen wir keine Produkte oder Rohstoffe direkt aus Russland oder der Ukraine und sind somit nicht unmittelbar betroffen. Es lässt sich jedoch nicht ausschließen, dass teilweise Vorlieferanten betroffen sein könnten. Insgesamt betrachtet kann das Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen des Konflikts derzeit nur schwer eingeschätzt werden, mit weiteren Engpässen in den Versorgungs- und Lieferketten sowie mit steigenden Energie- und Rohstoffkosten ist aber zu rechnen. Diese erhöhten Kosten fangen wir unter anderem durch eine effiziente Energienutzung auf. Bei dem vor drei Jahren fertiggestellten Neubau unseres Verwaltungsgebäudes am Stammwerk in Mündersbach wurde darauf geachtet, den Verbrauch von Primärenergie durch den Energiestandard KfW 55 signifikant niedrig zu halten. Auf dem Dach wurde eine Photovoltaik-Anlage installiert, im Gebäude selbst befindet sich eine besonders energieeffiziente Heizung.

Wie reagieren Sie noch?

Um auf aktuelle ebenso wie auf kommende Lieferschwierigkeiten vorbereitet zu sein, haben wir verschiedene Maßnahmen ergriffen. Zum einen sind wir verschiedenen Einkaufskonsortien beigetreten und auch der Zugriff auf Second-source in Form alternativer Lieferanten ist ein zentraler Bestandteil unseres Krisenkonzepts. Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie haben wir unsere Lagerbestände mit bestmöglicher Voraussicht ausgeweitet. Davon profitieren wir in der aktuellen Situation sehr. Höchste Priorität hat für uns immer die Aufrechterhaltung der Lieferfähigkeit gegenüber allen Kunden.

Wie schätzen Sie die allgemeine Marktentwicklung in Deutschland im laufenden Jahr ein?

Die Marktentwicklungen sind stark abhängig von den künftigen Auswirkungen des Krieges und dem weiteren Voranschreiten der Situation. Auf Basis der bisherigen Zahlen können wir jedoch festhalten, dass EWM ein sehr gutes erstes Quartal verzeichnen kann, das weit über unseren Erwartungen lag. Seit April sind Verunsicherungen in den europäischen Märkten deutlich spürbar. Dennoch vertrauen unsere Kunden weiterhin auf unsere Schweißgeräte und die sich daraus ergebenden Wettbewerbsvorteile, wie effizientes Arbeiten und eine stabile Wettbewerbsfähigkeit.
Die Globalisierung hat großen Wohlstand hervorgebracht. Zuerst durch die Corona-Pandemie und jetzt durch den Krieg, lernen wir die Kehrseite dieser Medaille kennen. Die daraus resultierenden Lieferengpässe und anhaltenden Preissteigerungen bedeuten für national sowie international agierende Unternehmen, dass sie sich neu vernetzen müssen, um weiterhin eine Versorgungssicherheit gewährleisten zu können.

Welche Ansprüche stellen Handwerksunternehmen aktuell an EWM?

Flexibilität, Effizienz und einfache Bedienbarkeit sind den metallverarbeitenden Handwerksbetrieben enorm wichtig. Schweißgeräte wie die „Tetrix XQ 230“ (DC oder AC/DC) sind unsere Antwort auf diese Anforderungen. Eine weitere Produktneuheit ist die „Picomig XQ 220“, die speziell auf die Bedürfnisse der Handwerksbetriebe zugeschnitten ist und im Herbst auf den Markt kommt. In diesem Schweißgerät setzen wir die neueste Technik für wirtschaftliches Schweißen ein und ermöglichen dem Anwender dadurch vielfältige Einsatzmöglichkeiten in Bezug auf Material, Leistung, Gewicht und Funktionalität.

Was brauchen metallverarbeitende Betriebe in Sachen Schweißgeräte und -zubehör derzeit besonders dringend?

Klassische EWM-Kunden sind metallverarbeitende Betriebe aus der Industrie und dem Handwerk. Diese Unternehmen sehen sich teilweise großen wirtschaftlichen Herausforderungen gegenübergestellt. Der Erhalt ihrer Wirtschaftlichkeit ist für uns das A und O. Da sie aktuelle Preissteigerungen für Materialien und Rohstoffe nicht 1:1 an ihre Kunden weitergeben können, müssen sie ihre Produktion unbedingt effizienter gestalten. Ein zentraler Punkt bei der Erreichung dieses Ziels ist die Nutzung aller möglichen Potenziale zur Kosteneinsparung. Die hoch effiziente Schweißtechnik von EWM ermöglicht beispielsweise einen deutlich geringeren Verbrauch an Strom, Gas und Verschleißteilen.
Wirtschaftlichkeit und Ökologie bringt unsere Nachhaltigkeitsinitiative „BlueEvolution“ durch den Einsatz rohstoffsparender Invertertechnologie und energiesparender Fügeverfahren in Einklang. Ungenutzte Möglichkeiten innerhalb des gesamten Fertigungsprozesses ermitteln wir durch unsere Technologie- und Innovationsberatung „ewm maXsolution“.  Ein weiterer maßgeblicher Faktor ist die Reduzierung der Vor- und Nacharbeiten bei allen Schweißprozessen. Einen Einstieg in die Automation bieten wir unseren Kunden durch die „EWM-XQbot-Cobot-Schweißzellen“. Sie ermöglichen durch reproduzierbare Schweißnähte eine kosteneffiziente Produktion und steigern gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit.

Welche neuen Angebote werden Sie auf Grundlage Ihrer Erkenntnisse für den Metallhandwerker entwickeln?

In diesem Zusammenhang fokussieren wir uns auf die Entwicklung von Multiprozess-Schweißgeräten, wie die „Picomig 180 A“. Sie wurde aufgerüstet mit neuester Technologie, damit die Bedienung für den Anwender noch komfortabler wird und damit er noch einfacher als zuvor schweißen kann. Mit unserem zukunftsweisenden Schweißmanagement-System „ewm Xnet“ optimieren unsere Kunden ihren gesamten Fertigungsprozess. Metallverarbeitende Betriebe können dadurch ihre Wirtschaftlichkeit, Qualität und Dokumentation entscheidend verbessern.

Wie wird der Metallhandwerker bei der Entwicklung dieser neuen Produkte einbezogen?

Der fortlaufende Austausch mit unseren Kunden ist bei EWM ein essenzieller Bestandteil des Entwicklungsprozesses neuer Schweißtechnologie. Wir kennen die Probleme genau, mit denen sie sich konfrontiert sehen und ermitteln Optimierungspotenziale durch die ganzheitliche Betrachtung ihrer Produktion. Von der ersten Analyse der Ist-Situation bis zur Umsetzung individuell definierter Maßnahmen stehen wir unseren Kunden immer zur Seite. Diese persönliche Nähe garantieren wir weltweit durch mehr als 400 Vertriebs- und Servicestützpunkte. Wir verstehen uns als Partner des Metallhandwerks und wissen deshalb, dass Flexibilität und Vielseitigkeit ab Losgröße 1 unerlässlich sind. Unsere Antwort darauf sind die Schweißgeräte aus der MIG/MAG- und XQ-Reihe, zum Beispiel die „Tetrix XQ 230“ und „Picomig XQ 220“.

Robert Stöckl...

... wurde 1959 in Rumänien geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder. 1985 zog er nach Deutschland und absolvierte ein Ingenieurstudium Maschinenbau mit Schwerpunkt Schweißtechnologie. 1986 begann er seine Karriere als Schweißfachingenieur mit Verantwortung für ein 15-köpfiges Vertriebsteam bei Messer Griesheim in Köln. Von 1990 bis 1994 war er Leiter der Mechanisierung bei Messer Griesheim (später: Messer Lincoln). Seit 1994 bekleidete Stöckl verschiedene Positionen bei EWM, darunter Vertriebsleiter und Prokurist. Seit 2013 ist er Vorstandsmitglied bei EWM mit Schwerpunkt Vertrieb. In über zehn Jahren als Mitglied des Vorstands der European Welding Association (EWA) war er von 2015 bis 2017 ihr Vizepräsident und wurde 2017 ihr Präsident.

zuletzt editiert am 05.09.2022