Die Schweißtechnik hat in den vergangenen Jahren große Entwicklungsschritte gemacht. Im Interview erläutert Boyan Ivanov, Director Global Product Management bei ESAB/EWM Global Robotic Solutions (GRS), was das für den Metallbauer bringt.
Boyan Ivanov
ist Director Global Product Management | ESAB/EWM Global Robotic Solutions (GRS). In seiner Funktion verantwortet er die strategische Weiterentwicklung des Produktportfolios sowie innovative Lösungen für mechanisierte und robotergestützte Schweißanwendungen. Durch seine internationale Tätigkeit verfügt er über umfassende Markt- und Anwendungserfahrung in unterschiedlichsten Indus-
trien. Die EWM GmbH entwickelt und produziert in Deutschland innovative Lichtbogen-Schweißtechnik und bietet ganzheitliche Systemlösungen für effiziente, digitale und zukunftssichere Schweißprozesse.

Welche Innovationen halten Sie aktuell für besonders relevant für den Metallbau?
Die größten Fortschritte liegen in der intelligenten Prozesssteuerung, der Digitalisierung und der zunehmenden Vernetzung von Schweißsystemen. Moderne Stromquellen regeln den Lichtbogen deutlich präziser als frühere Generationen und sorgen für reproduzierbare Ergebnisse – auch bei anspruchsvollen Werkstoffen. Gleichzeitig ermöglichen digitale Lösungen eine transparente Dokumentation und Prozessanalyse. Für viele Metallbaubetriebe ist zudem der Einstieg in teil- oder vollautomatisierte Schweißprozesse ein wichtiger Schritt, um Qualität und Produktivität langfristig zu sichern.
Was zeichnet eine moderne Schweißlösung heute aus – und worin unterscheidet sie sich von älteren Systemen?
Heute betrachten wir den Schweißprozess als Gesamtsystem. Neben der Stromquelle gehören intelligente Schweißprozesse, Software, digitale Vernetzung und ein durchgängiges Bedienkonzept dazu. Moderne Anlagen unterstützen den Anwender aktiv, stellen Prozessparameter teilweise automatisch bereit und stellen diese grafisch dar. Das führt zu besserem Verständnis für den Schweißer, macht den Umgang mit dem Schweißgerät leichter und sicherer.
Welche konkreten Vorteile bieten digitale Funktionen und intelligente Prozesssteuerungen im Arbeitsalltag von Metallbaubetrieben?
Digitale Funktionen schaffen Transparenz. Schweißparameter können dokumentiert, Fertigungsdaten ausgewertet und Prozesse kontinuierlich optimiert werden. Gleichzeitig helfen intelligente Regelalgorithmen dabei, auch bei wechselnden Bauteilen oder Schweißpositionen eine konstant hohe Nahtqualität zu erzielen. Das vereinfacht die Qualitätssicherung, reduziert Fehler und schafft eine belastbare Datengrundlage für die Optimierung der gesamten Fertigung.
Neben der Qualität spielen Produktivität und Wirtschaftlichkeit eine entscheidende Rolle. Wie können zeitgemäße Schweißsysteme dazu beitragen, Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten?
Ein stabiler und exakt geregelter Schweißprozess reduziert Spritzer, Nacharbeit sowie Materialverbrauch und verkürzt Bearbeitungszeiten. Gleichzeitig ermöglichen moderne Systeme schnelle Rüstvorgänge, eine intuitive Bedienung und reproduzierbare Ergebnisse über verschiedene Anwender hinweg. So lassen sich Fertigungsprozesse wirtschaftlicher gestalten und Kapazitäten besser nutzen – ein wichtiger Faktor angesichts steigender Kosten und hoher Qualitätsanforderungen.
Der Fachkräftemangel beschäftigt viele Betriebe. Inwiefern können moderne Schweißtechnologien dazu beitragen, Anwender zu entlasten oder die Einarbeitung neuer Mitarbeitender zu erleichtern?
Technologie kann erfahrene Schweißer nicht ersetzen, sie kann sie aber wirkungsvoll unterstützen. Intuitive Bedienoberflächen, vorkonfigurierte Schweißprogramme und intelligente Assistenzfunktionen erleichtern die Einarbeitung und reduzieren Bedienfehler. Gleichzeitig gewinnen mechanisierte und robotergestützte Anwendungen zunehmend an Bedeutung. Sie übernehmen wiederkehrende Schweißaufgaben, entlasten Fachkräfte und schaffen Freiräume für anspruchsvollere Tätigkeiten. Eine einfache Einbindung und Bedienung von Schweißgeräten in einfachere Robotersysteme wie Cobots ist ein wesentlicher Beitrag dazu.
Nachhaltigkeit gewinnt auch im Metallbau an Bedeutung. Welche Rolle spielen Energieeffizienz, Materialeinsparung und Langlebigkeit bei aktuellen Schweißlösungen?
Nachhaltigkeit beginnt für uns bei einem effizienten Schweißprozess. Energieeffiziente Invertertechnologie, optimierte Schweißprozesse und eine präzise Lichtbogenregelung reduzieren den Strom-, Draht- und Gasverbrauch sowie den Nacharbeitsaufwand. Gleichzeitig sind langlebige und servicefreundliche Systeme ein wichtiger Beitrag zur Ressourcenschonung. Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit gehen hier zunehmend Hand in Hand.
Viele Unternehmen stehen vor Investitionsentscheidungen. Nach welchen Kriterien sollten Metallbaubetriebe eine neue Schweißanlage auswählen?
Neben der eigentlichen Schweißaufgabe sollten Betriebe vor allem die Zukunftsfähigkeit einer Lösung bewerten. Wichtig sind eine hohe Prozessqualität, Energieeffizienz, einfache Bedienung, vielfältige Verwendung, digitale Vernetzungsmöglichkeiten und die Möglichkeit, das System später um Automatisierungs- oder Robotiklösungen zu erweitern. Ebenso entscheidend sind ein kompetenter Service und eine langfristige Partnerschaft mit dem Hersteller und dem lokalen Partner. Eine Investition sollte nicht nur den heutigen Bedarf decken, sondern auch zukünftige Anforderungen berücksichtigen.
Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Welche technologischen Entwicklungen werden die Schweißtechnik in den kommenden Jahren besonders prägen?
Die Schweißtechnik wird noch stärker digital und vernetzt sein. Künstliche Intelligenz wird Anwender bei der Auswahl optimaler Parameter unterstützen und Prozesse kontinuierlich optimieren. Gleichzeitig werden Robotik und flexible Automatisierung auch für mittelständische Betriebe wirtschaftlich immer attraktiver. Entscheidend ist jedoch, dass alle Technologien nahtlos zusammenarbeiten – von der manuellen Schweißanlage über automatisierte Fertigungszellen bis hin zur digitalen Prozessdokumentation. Genau darin sehen wir die Zukunft moderner Schweißtechnik.