Biedenkapp Seebühne Bregenz
Besonders eindrucksvoll ist die Komplexität des Kopfes, bei dem die verschiedensten Gewerke in perfektem Zusammenspiel den Auftrag umgesetzt haben. Foto: M&T

Deutscher Metallbaupreis

29. October 2019 | Teilen auf:

Sieger in der Kategorie Sonderkonstruktionen 2019

Gewinner in der Kategorie Sonderkonstruktionen ist das Bühnenbild für die Oper Rigoletto für die Bregenzer Festspiele (2019/2020). Lesen Sie, wie die Firma Biedenkapp Stahlbau aus Wangen die leicht und spielend wirkenden Bewegungen der „Wippe“ mit technischer Raffinesse umgesetzt hat.

Ein komplexes Gesamtkunstwerk

Die „Wippe mit Kopf“ stellt einen zentralen Schauplatz des Bühnenbildes der Oper „Rigoletto“ dar. Sie steht auf einem Drehkranz mit einem Durchmesser von 2,80 Meter. Die Wippe (34,7 Meter lang und 2,5 Meter hoch) mit sehr hohen Gewichten bietet die verschiedensten Bewegungsfreiheitsgrade. Der Kopf ist 11,3 Meter breit und 13,5 Meter hoch. Der Kopf bringt allein rund 45 Tonnen, mit Unterkonstruktion rund 140 Tonnen auf die Bühne.

Der Leistungsumfang des Siegers an dem Gewinnerobjekt „Wippe mit Kopf“ war nicht nur der konstruktive Stahlbau sondern auch der Holzbau, die Hydraulik, die Elektrotechnik und die Steuerungstechnik.

Die Drehbühne wurde als Stahlkonstruktion ausgeführt. Auf dem unteren unbeweglichen Stahlbau kann der obere bewegliche Teil mit einer Kugel-Drehverbindung bewegt werden.

Das Auflager für die Wippe bildet der zentrisch in der Drehbühne eingespannte Mast. Das hohe Eigengewicht des Kopfes wird durch ein Gegengewicht am hinteren Fachwerkträger annähernd ins Gleichgewicht gebracht. Der Kopf besteht aus dem inneren Stahlfachwerk, dem unteren Stahlfachwerk für den Mund, dem Kaschurfachwerk (Stahl) und dem tragenden Holzbau.

Das Obermaterial – die sogenannte Kaschur – besteht vor alles aus einem Fassadenputz, Styropor und mehreren Farbschichten. Darunter befindet sich die Konstruktion aus Stahl.

Diverse Freiheitsgrade

Folgende Bewegungen können von der Konstruktion ausgeführt werden:

- Drehbewegung Drehbühne „Wippe-Drehen“ (114 Grad), Antrieb über zwei spielarme Servogetriebe,

- Heben und Senken der Wippe „Wippe-Nicken“ (minus 24 Grad nach unten und 15 Grad nach oben), Antrieb mit einem Hydraulikzylinder,

- Nickbewegung Kopf „Kopf-Nicken“ (minus 32 Grad nach unten und 38 Grad nach oben), Antrieb mit zwei Hydraulikzylindern,

- Drehbewegung Kopf „Kopf-Drehen“ (plus/minus sechzig Grad nach links und rechts), Schwenkantrieb über jeweils zwei Elektromotoren,

- Mund „Kinn“, Antrieb mit zwei Hydraulikzylindern.

Alle Bewegungen können voneinander unabhängig ausgeführt werden. Alle Bauteile sind begehbar. Die Akteure der Oper können sich auf vier Bühnenebenen mit unterschiedlichen Niveaus im Inneren des Kopfes bewegen. Alle Ebenen sind über Leitern miteinander verbunden.

Im Kopf befinden sich zwei Augen (Durchmesser des Augapfels 2,70 Meter) und zwei Augenlider.

Besonders anspruchsvoll war die Montage der sehr schweren Bauteile mit den komplexen Gegebenheiten einer Seebühne.

Stefan Weidle (links) und Norbert Vötterl nahmen den Preis für Biedenkapp Stahlbau entgegen. Foto: Stefan Bausewein

Fazit: Zuverlässig, funktional und sicher

Ausschlaggebend für die Juryentscheidung waren die Komplexität der Aufgabenstellung und die überzeugende Art und Weise mit der die Aufgabe gelöst wurde. Das Bühnenbild vereint viele verschiedene Gewerke. Die trotz ihres hohen Gewichtes sehr beweglich, leicht und flexibel wirkende Konstruktion arbeitet im Zusammenspiel der verschiedensten Baugruppen ausgesprochen zuverlässig, funktionell und sicher an diesem besonderen öffentlichen Ort.