Bei Betrachtung der modernen einbruchhemmenden Sicherheitstechnik wird schnell deutlich, dass diese immer smarter wird. Davon konnten wir uns kürzlich unter anderem auf der Fensterbau in Nürnberg überzeugen. Wir stellen nachfolgend einige Lösungen speziell aus der Schließtechnik und -sicherheit vor, die interessant für das Metallhandwerk sind.
Die tiefgreifendste Entwicklung in der Schließtechnik spielte sich in den letzten Monaten eindeutig mit dem Smartphone ab. Bei vielen Anbietern wird das Smartphone zunehmend zum komfortablen, aber auch sicheren Schlüsselersatz. Das bedeutet natürlich nicht, dass die bisher üblichen Schließmedien aus der Mode kommen.
Starten wir mit Abus. Mit seinem „One-System“ digitalisiert der Anbieter seine diversen Sicherheitsprodukte für Endkunden und ersetzt dabei den klassischen Schlüssel durch eine digitale Version. Auch wenn hinter One mehr als nur eine App steckt, ist die App mit gleichem Namen laut Anbieter der Dreh- und Angelpunkt des Systems. Denn mit dieser können Nutzer die verbundenen Komponenten komfortabel per Smartphone oder Wearable steuern. Der herkömmliche Schlüssel wird nicht mehr benötigt. Zudem lassen sich über die App Berechtigungen an Dritte vergeben.

Mit One und dem damit einhergehenden Verzicht auf den klassischen Schlüssel soll es aber nicht nur darum gehen, Sicherheit zu digitalisieren. Vielmehr sollen Nutzer zusätzliche Möglichkeiten erhalten. Einmal ein Mehr an Komfort, aber auch Möglichkeiten wie die einfache Weitergabe von (digitalen) Schlüsseln, die smarte Verwaltung dieser oder die Vernetzung mit anderen Komponenten.
Dass der Aspekt Sicherheit auch bei digitalen Lösungen die Basis bildet, ist für den Hersteller selbstverständlich. Denn die technologische Grundlage dafür bildet in diesem Fall die sogenannte SmartX-Technologie, eine eigenentwickelte, auf Bluetooth basierende Kommunikationstechnologie, die den „Schlüssel“ auf eine sichere Art und Weise „digitalisiert“.
Daten aus der Cloud
Einen ähnlichen Weg geht auch Wilka. Der Anbieter bietet ab sofort eine App, mit der eine sichere Zutrittsverwaltung aus der Ferne möglich wird. Nehmen wir das Beispiel der Ferienwohnung. Bisher mussten Vermieter anreisen, einen Schlüssel beim Nachbarn hinterlegen, ihn per Post an die Gäste verschicken oder vor Ort im Schlüsselsafe deponieren. Der Code wurde etwa per SMS verschickt. Doch mit der „easySmart-App“ lassen sich nun Zutrittszeiten bequem und minutengenau definieren und beispielsweise anreisenden Feriengästen oder auch Dienstleistern wie Handwerkern und Reinigungskräften zuteilen.

Nutzer benötigen nur noch eine App, um eine Tür sicher zu öffnen. Diese sendet ihnen der Administrator, in diesem Beispiel der Vermieter des Feriendomizils, per E-Mail als Downloadlink zu. Über die App vergibt und entzieht der Administrator in Echtzeit auch die Zutrittsberechtigungen. Dabei ist es egal, wo er sich gerade befindet und ob er mit dem Smartphone, dem Tablet oder Computer arbeitet. Die relevanten Features, die er benötigt, sind sicher über die Cloud des Anbieters abrufbar. Nutzer erhalten alle für sie wichtigen Infos umgehend auf ihre App, sodass ihr Smartphone automatisch zum Schlüssel wird.
Die Daten zwischen dem Smartphone und dem elektronischen Zylinder werden dabei mittels Bluetooth übertragen. Über die App können unbegrenzt viele Nutzer angelegt werden.
Schlüsselverluste gehören der Vergangenheit an
Auch bei Winkhaus werden Türen zunehmend mit dem Smartphone geöffnet. Und dies hat sogar finanzielle Vorteile, sagt der Anbieter. Denn gerade bei gewerblich genutzten Immobilien können die finanziellen Folgen durch verlorene Schlüssel beachtlich sein – bei älteren mechanischen Schließanlagen sind verlorengegangene Schlüssel, die sogenannten „Schwarzen Schlüssel“, vielfach ein echtes Problem.
Bei dem Anbieter aus Telgte ist die App „doorControl“ für die beiden Sicherheits-Türverriegelungen „blueMatic EAV4+“ und „blueMotion+“ hier der sprichwörtliche Schlüssel, denn die App ermöglicht bereits die einfache Türsteuerung im Nahbereich. Bedient wird die Haustür dabei ausschließlich mit dem Smartphone. Das Smartphone selbst ist durch einen PIN-Code, Fingerabdruck oder durch Gesichtskennung vor unbefugtem Zugriff geschützt. Und sollte das Handy doch einmal verloren gehen, ist auch dies kein Problem, denn über den persönlichen Zugang lässt sich die Berechtigung mit wenigen Klicks in der App wieder sperren.

Und auch SimonsVoss hat Anfang des Jahres mit „AX2Go“ einen mobilen Schlüssel vorgestellt, der im Sommer verfügbar sein wird. Für den virtuellen Schlüssel wird die „AX-Plattform“ des Anbieters neben der schon bekannten Hardware nun noch um Cloud-Services erweitert. Die aktuelle Edition der Verwaltungssoftware „AX Manager“ (AXM) ist damit in der Lage, noch mehr aus den AX-Komponenten herauszuholen, betont der Anbieter. Somit ist auch „AX2Go“ heute einer der ersten verfügbaren Cloud-Services. Er zeigt das Potenzial des IoT (Internet of Things) im System „3060“ und bildet zusammen mit der App eine Gesamtlösung für mobile Schlüssel.
Selbst der Fachhandel widmet sich zunehmend dem Thema Smart-Home. So ist beispielsweise kürzlich in den Räumen der Alexander Bürkle GmbH in Flörsheim bei Frankfurt/Main ein Showroom der Kooperationen Lebensräume & SmartWorldPool eröffnet worden. Unter dem Dach von SmartWorldPool haben sich aktuell neun Mitglieder der Wuppertaler EBH, Euro Baubeschlag-Handel AG, zusammengefunden, wie die Sicherheitsfachhändler Ammon, Meesenburg, Stober oder Weckbacher. In der Ausstellung rund um das Thema Smart-Home und Smart-Building sollen sich vor allem Architekten, Planer und auch Fachhandwerker informieren können. Auf über 100 Quadratmeter wird gezeigt, wie die digitale, smarte Vernetzung mehr Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz im Wohn- und Arbeitsumfeld schaffen kann.
Fazit: Die Zukunft ist smart
Auch bei der Sicherheit und dem Einbruchschutz gehören Smart-Home und dem Smartphone zunehmend die Zukunft. Laut einer repräsentativen Erhebung des Digitalverbandes Bitcom aus dem Jahr 2022 finden sich bereits in 79 Prozent der deutschen Wohnzimmer intelligente Technologien. Demnach nutzt ein Viertel inzwischen smarte Heizkörperthermostate. 2021 waren es erst 17 und 15 Prozent im Jahr 2020. Intelligente Rollläden oder Markisen, die bei starker Sonneneinstrahlung automatisch herunterfahren und so für Kühlung sorgen, setzt ein Fünftel ein – 2021 waren es noch 13 Prozent. Ebenfalls ein Fünftel nutzt smarte oder WLAN-Steckdosen, um Stand-by standardmäßig zu vermeiden (2021: 16 Prozent). Und bereits 13 Prozent der Befragten verfolgen ihren Heizenergieverbrauch über intelligente Zähler (2021: acht Prozent). Dass nun vermehrt auch die Sicherheitstechnik eingebunden wird, versteht sich von selbst. Dies zeigen auch Prognosen des Statistischen Bundesamtes. Demnach sollen im Jahr 2027 bereits bis zu 33 Millionen Haushalte Smart-Home nutzen.