Sonnenschutz: Es wird immer heißer – das lässt sich nicht aufhalten, zumindest nicht draußen. Umso wichtiger wird es, Innenräume vor Hitze zu schützen. Das heißt vor allem: Sonnenschutz vor den Fenstern. Ein Wachstumsmarkt für Metallbaubetriebe und ein Hauptthema auf der „R+T“.
Die Sonne brennt, durch den Klimawandel wird es immer heißer auf der Erde – überall. Das wirkt sich global aus und sorgt auch für veränderte Anforderungen in unseren Breitengraden: Unsere Gebäude – der Bestand wie auch der Neubau – brauchen besseren Hitzeschutz. Das lässt sich mittlerweile gut belegen. Eine aktuelle Studie von Prof. Gerd Hauser (siehe Kasten) weist gleich mehrere Faktoren nach. Die Gefahr steigt, dass Innenräume überhitzen und das optimale Mittel dagegen heißt Sonnenschutz plus Lüftung. Klimaanlagen sorgen zwar auch für angenehme Raumtemperaturen, sind aber mit Blick auf den Energiebedarf die schlechtere Lösung.
Ganz nüchtern liegt da also ein Wachstumsmarkt mit einem Schwergewicht in der Sanierung. Für nachträglich installierten Sonnenschutz gibt es viele Lösungen, vom Plissee über den Tausch von veralteten Gläsern gegen modernes Sonnenschutzglas bis zur automatisch gesteuerten Verschattungsanlage. Klar ist auch: Das ist ein Markt für Metallbaubetriebe! Die Kompetenzen für all diese Maßnahmen sind im Metallbau vorhanden und mit guter Beratungskompetenz liegt viel Potenzial sowohl im Markt der privaten wie der gewerblichen Investoren. Wichtig ist, auf dem aktuellen Marktstand zu bleiben.
Besuchen Sie die R+T
Schaut man auf das Angebot der R+T (siehe Kasten), ist man versucht, die Messe umzubenennen: Sonnenschutz in allen Formen spielt eine große Rolle auf der Messe in Stuttgart und sie wirft bereits ihre Schatten voraus. Zu vielen Messe-Neuheiten gibt es bereits Vorberichte, über die sich die kommenden Trends schon erkennen lassen.
Ein neues Raffstoresystem, das Lichtlenkung und Verdunkelung kombiniert, kommt von Alukon: LS Dark. Es basiert auf der weiterentwickelten Lichtleitlamelle LS 80 mit einer vordefinierten Lamellenstellung von 20 Grad. Nun kann die Lamelle mit dem Raffstoresystem LS Dark kombiniert werden, wodurch sich Räume nun auch verdunkeln lassen. Die Auf- und Ab-Bewegung des Behangs erfolgt über einen in die Führungsschienen des Raffstores integrierten Seitenaufzug. Textbandlöcher in den Lamellen gibt es also nicht und Bürsteneinlagen in den Führungsschienen verhindern den seitlichen Lichteinfall. Der Verdunkelungsgrad liegt entsprechend hoch. Seitliche Aluminium-Abdeckbleche reduzieren zudem Lichtreflektionen.

Als nächsten Schritt in digitale Welten stellt Alukon zudem Produkt-Daten sukzessive „BIM-ready“ bereit, der CAD-Baukasten erleichtert die Planung von Sonnenschutzlösungen zusätzlich.
Service, Innovationen und Digitalisierung sind die Hauptthemen bei Heroal. Je nach Voraussetzung und Arbeitsweise eines Metallbaubetriebes gibt es Rollläden, Sonnenschutz und Rolltore als Systemware, Bausatz oder vorkonfektionierte Elemente – das Angebot ist also stets bedarfsgerecht. Ein Produkt-Highlight: Das Fassadensystem Heroal C 50 mit der Heroal VS Z Ecklösung (und Gebäudesteuerung in Kooperation mit Beckhoff Automation). Die Textilscreens bieten effektiven Sonnenschutz in der Ecke, zum Beispiel In Ganzglasecken. Dazu wird der Behang über separate Endleisten geführt, die Screens lassen sich so unabhängig voneinander steuern. Darüber hinaus werden weitere in die Fassade integrierte Beschattungslösungen dieses Systems gezeigt. Die kastentiefe Führungsschiene, die mit Absturzsicherungen verschiedener Anbieter kombiniert werden kann, und Produkterweiterungen bei den Textilbaugruppen gehören ebenfalls zu den Neuheiten.
Der polnische Anbieter Anwis (Teil der Warema-Group) weitet das Angebot an Sonnenschutz aus Recycling-Material aus. Nach Vorhängen und Raffrollos aus Recycling-Materialien kommen nun Rollos, Plissees und Wabenplissees in verschiedenen Dessins hinzu, die aus Garn gefertigt werden, das aus re- oder upgecycelten PET-Flaschen, Papier und Baumwolle besteht. Abfall wird dabei zum Rohstoff, zugleich braucht die Herstellung weniger als die Hälfte der Energie wie die von Polyesterstoffen. Ein weiterer Schwerpunkt des Anwis-Auftritts auf der Messe liegt auf den vielfältigen Sonnenschutzlösungen für Einrichtungsstile, bei Jalousien-Modelle zum Beispiel schon durch die Werkstoffe Aluminium, Holz und Bambus. Der Entwicklung im Wohnungsbau zu großen Glasflächen folgend, kommen Rollos und Horizontal-Jalousien bis 20 Quadratmeter hinzu.

Den Trend zu Digitalisierung und vernetzteren Anlagen lässt sich auch gut bei den Antrieben und Steuerungen erkennen. Somfy zeigt dazu beispielsweise den neuen „io-Funkwandsender“ inklusive Temperatur-Sensor und dem Rollladenfunkantrieb „RS100 Solar io“, der über ein Solar-Modul mit Strom versorgt wird. Daraus lässt sich ein umfassendes Smart-Home-Konzept entwickeln: Durch einen (zusätzlichen) Sonnensensor öffnen und schließen funkmotorisierte Rollläden und Raffstoren abhängig von Sonneneinstrahlung und Raumtemperatur via Smart-Home-Zentrale „TaHoma Switch“. So wird das Raumklima automatisch optimiert, Räume werden bei Bedarf zum Beispiel auch dann verschattet, wenn die Bewohner nicht zu Hause sind.
Hitzeschutz wird wichtiger
Im Sommer 2023 legte das Ingenieurbüro Prof. Hauser die „Studie zur integralen Bewertung des sommerlichen Wärmeverhaltens – Thermischer Komfort und energetische Performance“ vor, erstellt im Auftrag der „Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG)“ unter Leitung von Dr.-Ing. Stephan Schlitzberger. Diese aufwendige, ganzheitliche Analyse berücksichtigt sowohl die klimatischen Entwicklungen als auch sehr viele unterschiedliche Gebäudesituationen und verschiedene Wege, um Überhitzung umweltfreundlich zu verhindern. Die Ergebnisse sind recht eindeutig: Das Gros des Bestands und sogar die meisten Neubauten sind nicht ausreichend auf zunehmende Hitzewellen vorbereitet (Stichwort Klimawandel). Dabei gibt es viele gute Lösungen für einen verbesserten Schutz: Sonnenschutzglas, innen- und außenliegender Sonnenschutz – idealerweise automatisiert –, Lüftung vor allem in der Nacht. Klimaanlagen sind aufgrund ihres hohen Energiebedarfs nur nachgeordnet sinnvoll.
Daraus leiten sich politische und bauliche Forderungen ab. Zum einen schlagen die Studienverfasser vor, die für den Hitzeschutz relevanten DIN-Normen neu zu fassen, da diese auf Klimadaten von 1988 bis 2007 basieren, also keine validen Zukunftsdaten bereitstellen. Zudem sollte ein novelliertes GEG den Sonnenschutz vor den Einsatz von Klimaanlagen stellen. Sonnenschutz ist dann kein Komfortthema mehr, sondern entscheidet über die Nutzbarkeit einer Immobilie.
Die Studie steht auf der RTG-Website (transparente-gebaeudehuelle.de) in ganzer Länge. In der RTG haben sich Firmen und Verbände der Branchen Glas, Fenster und Fassade, Automation und Sonnenschutz zusammengeschlossen.
Fazit: Sonnenschutz ist ein wachsendes Geschäftsfeld
Die Nachfrage nach Schutz vor der Sonne nimmt zu -- und davon profitiert jeder Metallbauer, der sich dort positioniert. Lösungen, die effizienter, ökologischer und nachhaltiger arbeiten als eine Klimaanlage, gibt es genug.