In letzter Zeit wurden einige spannende Neuheiten für die Feinwerkmechanikbranche vorgestellt, die neue Bearbeitungsmöglichkeiten und Effizienzverbesserungen bringen. Wir stellen hier interessante neue Produkte vor.
Neue Hartmetallsorten für effizientes Drehen
Sandvik Coromant hat sein Angebot an Wendeschneidplatten für die Bearbeitung von ISO-P-Stählen erweitert. Der Weltmarktführer für Werkzeuge und Zerspanungslösungen hat zwei neue Hartmetallsorten auf den Markt gebracht, die für die Außen- und Innenbearbeitung von niedriglegierten und unlegierten Stählen ausgelegt sind. Die neuen Wendeschneidplatten mit den Bezeichnungen GC4415 und GC4425 bieten erhöhte Zähigkeit und Hitzebeständigkeit sowie vorhersagbaren Werkzeugverschleiß.
Die neuen Sorten sind insbesondere für Fertigungsunternehmen geeignet, die in der Groß- und Kleinserienfertigung niedriglegierte (P2.1 bis P2.6) und unlegierte (P1.1 bis P15) Stähle bearbeiten.
GC4425 übertrifft nachweislich die Leistung von Wendeschneidplatten des Wettbewerbs in einer Vielzahl von Stahldrehanwendungen. Der Anwendungsbereich wird durch die Verbesserungen bezüglich der Verschleißfestigkeit, Temperaturbeständigkeit und Zähigkeit entscheidend erweitert. Vom Schruppen bis hin zum Schlichten können sowohl GC4415 als auch GC4425 in Anwendungen mit kontinuierlichen bis unterbrochenen Schnitten eingesetzt werden.
GC4415 wurde als Ergänzung zu GC4425 für alle Bearbeitungen entwickelt, die höhere Leistungen und eine noch größere Temperaturbeständigkeit erfordern. Dank verbesserter Nachbehandlung der beschichteten Wendeschneidplatten werden die Leistung bei unterbrochenem Schnitt gesteigert und unerwarteter Werkzeugbuch vermieden.
Vom Bauteil zur Werkzeuglösung

Ingenieure im Walter Engineering arbeiten mit einem neuen digitalen Assistenten: Walter Innotime. Die Web-Anwendung verknüpft bestehende Walter Systeme mit der Engineering Kompetenz der Walter Mitarbeiter. Anhand eines vom Kunden per Drag-and-Drop auf der Walter Website hochgeladenen 3D-Modells des Bauteils analysiert Walter Innotime, welche Zerspanungsoperationen anfallen und schlägt dem Ingenieur, der die Anfrage betreut (in späteren Versionen dem Kunden selbst), die passenden Zerspanungswerkzeuge mit Schnittdaten und Preisen aus dem Walter Portfolio vor. Diese digitale Suche auf Bauteilebene ist derzeit einzigartig im Markt.
Der Ingenieur prüft den Vorschlag und optimiert ihn bei Bedarf entsprechend der Kundenbedürfnisse. Der Auslegungsprozess bei komplexen Anfragen wird dadurch erheblich beschleunigt – und der Kunde erhält die für ihn wirtschaftlichste Werkzeuglösung sowie ein valides Angebot in kürzester Zeit.
Die Walter Außendienstmitarbeiter und Ingenieure profitieren von der Vorarbeit des Systems: in der Konstruktion und beim Erarbeiten der optimalen Bearbeitungsstrategie für das Kundenbauteil. „Für unsere Ingenieure, den technischen Vertrieb, aber vor allem für unsere Kunden ist Walter Innotime ein Meilenstein. Wir setzen uns intensiv mit dem Bauteil auseinander und können Anfragen deutlich schneller bearbeiten – das ist für unsere Kunden direkt spürbar“, sagt Dr. Michael Hepp, Vice President Digital Business bei Walter. „Indem wir die Engineering Kompetenz unserer Mitarbeiter mit der virtuellen Intelligenz unserer Software-Systeme verbinden, unterstützen wir den Kunden dabei, die für ihn wirtschaftlichste Werkzeuglösung schnell und einfach zu finden, zu kaufen und einzusetzen. Unsere Kunden müssen künftig nur noch ihr 3D-Bauteil hochladen – einfach und schnell.“
Vorteile durch Hartbearbeitung

Stähle mit bis zu 70 HRC zu bearbeiten, ist für den Werkzeug- und Formenbau eine echte Herausforderung. Um das zu vereinfachen, hat Hahn+Kolb mit der neuen Atorn Rock-Tec Pro Serie innovative Hartfräser herausgebracht, die ein schnelles, effizientes Fräsen mit nur einer Aufspannung ermöglichen.
Bei der Bearbeitung von Eisenwerkstoffen über fünfzig HRC (Härte nach Rockwell) spricht man in der Regel von einer „Hartbearbeitung“. Solche extrem harten Stähle sind insbesondere beim Werkzeug- und Formenbau im Einsatz. Schleifen oder Erodieren gehörte lange Zeit zur gängigen Praxis bei der Bearbeitung dieser Materialien, war aber durch die erforderlichen Arbeitsschritte sehr aufwendig und kostete deshalb viel Zeit und Ressourcen. Durch das Hartfräsen wurde der Prozess zwar stark vereinfacht, allerdings sind damit auch besondere Anforderungen verbunden.
Daher setzt Hahn+Kolb beim Schneidstoff der neuen Hartfräser-Serie Atorn Rock-Tec Pro auf japanisches Ultra-Feinstkorn-Vollhartmetall. Diese Hartmetallsorten sind besonders druckfest und extrem hart, sodass eine hohe Verschleißfestigkeit gegeben ist. Die ebenfalls hohe Temperaturbeständigkeit ermöglicht außerdem höhere Schnittgeschwindigkeiten. Die exklusiv entwickelte TiAlSiN-Multilayer-Beschichtung des Fräsers wirkt bei der Bearbeitung wie eine Isolierung und schützt das Hartmetall gegen Hitze und Verschleiß. Durch die Hartschicht wird zudem die Oberflächenhärte des Werkzeugs erhöht und der Reibwert zugleich verringert. Und zu guter Letzt schützt die extrem harte Multilayer-Beschichtung das Substrat auch noch vor Rissen.
Präzise Ergebnisse, hohe Effizienz

Ein neues Frässystem optimiert die Schruppbearbeitung hochlegierter rostfreier und hitzebeständiger Stähle: der Maxi-Mill 275 von Ceratitzit. Der Planfräser, entwickelt für die Bearbeitung von Planflächen an Turboladergehäusen und Abgaskrümmern, ist ausgesprochen stabil aufgebaut und mit einer maximalen Anzahl an umfanggeschliffenen, schnittfreudigen Wendeschneidplatten (WSP) bestückt. So sorgt er für ruhiges Fräsverhalten, qualitativ hochwertige Fräsergebnisse, lange Standzeiten und für besonders hohe Wirtschaftlichkeit.
Der größte Maxi-Mill 275 mit 125 Millimeter Durchmesser mit 18 Zähnen bestückt. Die kleineren Varianten 63, achtzig und hundert weisen sieben, zehn und 14 Zähne auf.
Besondere Aufmerksamkeit galt der präzisen Gestaltung des Plattensitzes, der die WSP durch eine Keilklemmung fest und hochgenau aufnimmt. Dadurch werden ein Schneidenversatz und damit nachträglich erforderliche Höhenkorrektur vermieden. Ein Pluspunkt, der sich auch in Sachen Bedienerfreundlichkeit auszahlt.
Außerdem wurden die Wendeschneidplatten neu entwickelt. Basis ist ein spezieller Schneidstoff, ausgelegt für höchste thermomechanische Ansprüche. Die Platten weisen eine positive Geometrie mit zwanzig Grad Spanwinkel auf. Das macht sie schnittfreudig und gewährleistet einen ruhigen Werkzeuglauf. Da sie komplett umfanggeschliffen werden, entsteht eine hohe und konstante Präzision.
Schneideinsätze für Innenbearbeitung

Um den Anforderungen der Kleinbauteilbearbeitung gerecht zu werden, hat Iscar seine bewährte Picco-Linie weiterentwickelt. Mit den Piccocut-Werkzeugen der neuen Generation stellt der Ettlinger Werkzeugspezialist Anwendern alle gängigen Geometrien von Schneideinsätzen und Werkzeughaltern für ein breites Spektrum der Innenbearbeitung zur Verfügung.
Anwendern stehen damit alle gängigen Geometrien zum Drehen, Einstechen, Gewindedrehen, Fasen, Formdrehen und Axial-Einstechen für die Innenbearbeitung bei Kleinbauteilen zur Verfügung. Weitere sind auf Anfrage als Sonderwerkzeuge erhältlich. Die neuen Piccocut-Schneideinsätze bestehen aus einer neuen TiAlN-PVD-beschichteten Feinstkornsorte IC908 und verfügen nun über eine innere Kühlmittelzuführung direkt zur Schneidkante. Das sorgt für längere Standzeiten und bessere Spankontrolle.
Für größere Stabilität und höhere Präzision hat Iscar die neuen Schneideinsätze mit einer längeren Klemmfläche versehen und diese um neunzig Grad gedreht. Passend dazu hat Iscar auch die Werkzeughalter Picco-N und Picco-ACE-N optimiert.