In letzter Zeit wurden einige spannende Neuheiten für die Feinwerkmechanikbranche vorgestellt, die neue Bearbeitungsmöglichkeiten und Effizienzverbesserungen bringen. Wir stellen interessante neue Produkte vor.
Rüstzeiten minimieren
Langsam, aufwendig, ineffizient: Die manuelle Rüstung von CNC-Drehmaschinen kostet metallverarbeitende Unternehmen bares Geld. Der Grund: Bei jedem Werkzeugwechsel steht die Produktion still. Die Automatisierung des Rüstvorgangs birgt große Einsparpotenziale, besonders wenn die Werkzeuge häufig gewechselt werden müssen. Die vollautomatische Schnittstelle Sauter Robofix ermöglicht erstmals eine mannarme Rüstung von Werkzeugrevolvern mit angetriebenen und statischen Werkzeugen. Das Prinzip: Der patentierte Direktantrieb von Sauter löst und spannt die Tools automatisch. Neue Werkzeuge können entweder von einem Roboter oder einem Mitarbeiter eingesetzt werden. Das Ergebnis: Zeitintensive Stillstandszeiten reduzieren sich um bis zu 85 Prozent – die Produktionskosten sinken.
Aufgrund der immensen Zeitersparnis, die Sauter Robofix während des Rüstvorgangs erzielt, ist das System auch für Unternehmen attraktiv, die Kleinserien mit vielen unterschiedlichen Teilen fertigen. Durch den reduzierten Rüstaufwand und die damit frei werdende Manpower lohnt es sich auch für kleine Unternehmen, auf einen Revolver mit automatischem Werkzeugwechsel zu setzen.
Aufbohrwerkzeuge für bis zu vier Operationen

Sandvik Coromant stellt sein Coro-Bore BC (Boring Combination) Angebot vor, das kundenspezifische Stufenwerkzeuge für Großserienanwendungen umfasst. Mit den Lösungen können unterschiedliche Operationen wie Vorschlichten und Anfasen mit nur einem Werkzeug durchgeführt werden. Hiervon profitieren Fertigungsunternehmen aus den Bereichen Automobil und Allgemeiner Maschinenbau sowie Hersteller von Baumaschinen.
Mit Coro-Bore BC bietet Sandvik Coromant eine schnelle und einfache Alternative, wenn Standardwerkzeuge nicht den spezifischen Anforderungen entsprechen und ein Sonderwerkzeug aufgrund der Kosten und Lieferzeit nicht in Frage kommt. Der Prozess ist extrem schnell, da ein Online-Programm genutzt wird, das das Werkzeug automatisch erstellt und die Preis- und Lieferinformationen ausgibt.
„Die Produktivitätsvorteile der Coro-Bore BC Werkzeuge basieren auf der Vermeidung unnötiger Werkzeugwechsel und verkürzter Taktzeiten“, sagt Jenny Nilsson, Global Product Manager bei Sandvik Coromant.
Aufgrund der umfangreichen Coro-Bore BC Optionen kann eine Vielzahl von mehrstufigen Aufbohranwendungen durchgeführt werden. Tatsächlich können Kunden bei einem kundenspezifischen Werkzeug bis zu vier Operationen (maximal zwei Schneidkanten pro Bearbeitung) auswählen. Die Durchmesser reichen von zwanzig bis 200 Millimeter, die Werkzeuglänge kann je nach Kupplungsgröße bis zu 400 Millimeter betragen.
Planfräser kombiniert Produktivität mit Wirtschaftlichkeit

Mit dem PKD-Planfräser M2127 komplettiert die Tübinger Firma Walter ihr Portfolio zur Aluminium-Bearbeitung. Der speziell für den Hochgeschwindigkeitseinsatz konzipierte Fräser eignet sich zum Aluminium-Schlichten und -Schruppen (ap bis zehn Millimeter). Genauso wie zum Schmierfräsen (zum Beispiel von Motorblöcken aus Aluminiumguss) und zum Schlichten von Bauteilen aus Bimetall. Seine kompakte Bauweise und spezielle Spanleitelemente sorgen für weitere Besonderheiten: Durch die geschlossene Oberfläche und die austauschbaren Spanabweiser werden die Späne über die Seite, vom Bauteil weg, abgeführt. Dies ermöglicht eine besonders hohe Bauteilqualität und Prozesssicherheit, denn die Anzahl der Späne am Bauteil wird drastisch gesenkt. Das Kühlmedium wird direkt an die Schneide geführt.
Bestückt ist der PKD-Fräser M2127 mit Standard-Wendescheidplatten. Mit entsprechend breiten Einsatzmöglichkeiten ohne Wechsel des Werkzeugs - und mit einer sehr guten Verfügbarkeit der Platten, bei geringeren Lagerkosten. Die PKD-Sorten selbst sind für die jeweilige Anwendung optimiert. Alle Wendeschneidplatten besitzen eine Verzahnung und sind mit fliehkraftgesicherten Keilklemmen im Plattensitz fixiert. Dies sorgt für sehr hohe Drehzahlfestigkeit und Prozesssicherheit. Eine axiale Schneidenverstellung erlaubt das Einstellen des Planlaufs mit einer Genauigkeit von ein bis zwei Mikrometer und erspart dem Anwender zusätzlich Zeit. Ein interessantes Einsatzgebiet für den, in Durchmessern bis 160 Millimeter angebotenen, PKD-Fräser ist daher die Massenfertigung im Automotive-Bereich.
Eigene Messzyklen entwickelt

Die Firma Tschorn wird ab Herbst 2019 eigene Messzyklen für ihr vollautomatisches Tastsystem Tschorn 4.0 anbieten.
„Bahnbrechend“ – so nannte Florian Völker, Entwicklungsingenieur bei Tschorn, die ersten selbstprogrammierten Messzyklen. „Seit einiger Zeit sind wir in der Entwicklung bereits an diesem Thema dran und Ende Februar ließen wir nun endlich die ersten eigenen Messzyklen laufen“, so Völker weiter. Hintergrund: Tschorn bietet bereits seit Anfang 2018 sein eigenes vollautomatisches Tastsystem zum Vermessen von Werkstücken und Werkzeugen auf CNC-Bearbeitungsmaschinen an. Über Funkverbindung kommunizieren die Geräte direkt mit der Maschine. Dies vereinfacht die tägliche Arbeit und der Anwender spart Zeit.
Um das Produktportfolio zu ergänzen und um dem Kunden die Arbeit so einfach wie möglich zu machen, entwickelt Tschorn nun eigene Messzyklen. Diese Zyklen sollen die gängigen Mess- und Antastfunktionen so simpel wie möglich abbilden. Der Anwender soll intuitiv und einfach ans Ziel kommen und seine Messaufgaben präzise, schnell und effektiv erledigen.
Einsetzbar ist das Messsystem auf allen CNC-Bearbeitungsmaschinen, unabhängig von der Steuerung und dem Baujahr.