„Die beste Treppe ist nicht die spektakulärste. Sondern die, über die auf der Baustelle niemand schimpft“, sagt Isabel Schaefers, Geschäftsführerin des Familienunternehmens G. Schaefers GmbH in Münsingen. (Quelle: Schaefers)

Interviews mit Branchenpartnern 2026-10-02T07:19:06.643Z Treppen: Konstruktion, Fertigung und Montage meistern

Worauf kommt es bei einer gelungenen Konstruktion an? Welche Fehler lassen sich von Anfang an vermeiden? Und welche Trends zeichnen sich bei Spindel- und Wangentreppen ab? Darüber sprechen wir mit Isabel Schaefers. Sie leitet das auf hochwertige Treppensysteme spezialisierte Unternehmen Schaefers, das Metallbaubetriebe als Zulieferer unterstützt und sein Portfolio jüngst um Wangentreppen erweitert hat.

Ein freundliches Team von drei Mitarbeitern, zwei Frauen und ein Mann, trägt schwarze T-Shirts mit dem Firmenlogo SCHAEFERS. Sie stehen vor einem modern gestalteten Hintergrund mit dem großen Schriftzug SCHAEFERS im Büro.
Teamwork zählt. „Je früher alle Beteiligten an einem Tisch sitzen, desto weniger Überraschungen gibt es später auf der Baustelle“, sagen Isabel Schaefers (links) und ihre Treppenexperten Matthias Geringer und Monika Dizinger. (Quelle: Schaefers)

Frau Schaefers, Treppen müssen statisch überzeugen, architektonisch wirken und sich wirtschaftlich fertigen lassen. Gleichzeitig steigen die Ansprüche von Bauherren und Planern an Design, Individualität und Montagefreundlichkeit von Treppen. Treppen gelten als Königsdisziplin im Metallbau. Was macht aus Ihrer Sicht eine wirklich gute Treppenkonstruktion aus?

Für mich ist eine Treppe dann gelungen, wenn am Ende niemand mehr über sie spricht – weil einfach alles passt. Der Metallbauer konnte sie problemlos montieren, der Bauherr ist zufrieden, und die Treppe fügt sich selbstverständlich ins Gebäude ein.
Viele Bauherren befürchten, dass eine Spindeltreppe das Gebäude optisch stört. In der Praxis erlebe ich aber häufig das Gegenteil. Eine gut geplante Treppe wertet ein Gebäude oft sogar auf.
Eine Treppe muss zum Gebäude, zum Nutzer und später auch zur Baustelle passen. Natürlich müssen alle normativen Anforderungen erfüllt sein. Genauso wichtig ist aber die Montagefreundlichkeit. Jede Stunde, die auf der Baustelle gespart wird, spart Zeit, Geld und Nerven.

Wo erleben Sie in der Praxis die häufigsten Planungs- oder Konstruktionsfehler – und wie können Metallbauer diese bereits in einer frühen Projektphase vermeiden?

Viele Planungsfehler entstehen nicht aus mangelndem Fachwissen, sondern weil Zeitdruck herrscht oder wichtige Informationen fehlen. Oft sieht die Treppe auf dem Plan perfekt aus. Erst bei der technischen Prüfung zeigt sich, dass Steigungsmaß, Kopffreiheit oder Anforderungen aus Brandschutz und Baurecht noch nicht berücksichtigt sind.
Auch unvollständige Aufmaße oder fehlende Angaben zur Einbausituation führen später oft zu unnötigen Schleifen. Viele dieser Punkte lassen sich schon beim ersten Blick auf die Unterlagen lösen.
Gerade Spindeltreppen kommen häufig erst sehr spät ins Spiel – beispielsweise als zweiter Rettungsweg. Dann soll die Treppe oft noch außen am Gebäude ergänzt werden.
Moderne Fassaden, Wärmedämmung oder fehlende Anschlusspunkte erschweren die Umsetzung zusätzlich. Je früher wir in ein Projekt eingebunden werden, desto einfacher und wirtschaftlicher lässt sich die passende Lösung entwickeln.

Spindeltreppen sind Ihre Spezialität. Welche konstruktiven Kniffe helfen dabei, auch auf engem Raum funktionale und gleichzeitig attraktive Lösungen zu realisieren?

Mit Durchmessern von 1.200 bis 3.500 Millimetern lassen sich unsere Spindeltreppen flexibel einsetzen. Gerade im Bestand oder in engen Hinterhöfen zählt oft jeder Zentimeter.
Hier ist manchmal Kreativität gefragt. Die beste Lösung entsteht selten am Schreibtisch, sondern im Zusammenspiel aus Planung, Erfahrung und den Gegebenheiten vor Ort.
Unsere Treppen liefern wir in durchdachten Baugruppen. Dadurch lassen sie sich auch an schwer zugänglichen Stellen problemlos transportieren und montieren – häufig sogar ganz ohne Kran. Ist genügend Platz vorhanden, empfehlen wir heute aber zunehmend die Kranmontage. So kann Stockwerk für Stockwerk montiert werden – das spart auf der Baustelle enorm viel Zeit.

Mit Wangentreppen haben Sie Ihr Sortiment erweitert. Welche Anforderungen aus dem Markt haben Sie zu diesem Schritt bewogen, und welche Vorteile ergeben sich daraus für Metallbaubetriebe?

Der Wunsch kam direkt aus dem Markt. Vielen Metallbaubetrieben fehlt nicht das Know-how, sondern vor allem Zeit, qualifiziertes Personal und die Möglichkeit, Auftragsspitzen flexibel aufzufangen.
Unsere Kunden müssen sich nicht um die technische Ausarbeitung kümmern. Sie nehmen Aufmaß, geben unsere Fertigungszeichnung frei und können sich währenddessen ihren anderen Projekten widmen. Anschließend übernehmen sie wieder die Montage. Wir verstehen uns dabei als Partner des Metallbauers und als verlängerter Arm seines Unternehmens – nicht als Wettbewerber.

Immer häufiger stehen kurze Bauzeiten und eine schnelle Montage im Fokus. Welche Details sollten Konstrukteure berücksichtigen, damit die Treppe später auf der Baustelle möglichst reibungslos eingebaut werden kann?

Je früher wir eingebunden werden, desto besser. Unser Ziel ist nicht, dem Metallbauer Arbeit abzunehmen, sondern ihm unnötige Arbeit zu ersparen.
Oft erhalten wir Planungen, die konstruktiv noch überarbeitet werden müssen. Das ist kein Problem, kostet aber Zeit und manchmal unnötig Geld.
Häufig reichen schon wenige Informationen wie Einsatzbereich, Geschosshöhen, Laufbreite sowie Fotos oder Skizzen der Einbausituation.
Unsere Bauteile sind eindeutig gekennzeichnet. So geht auf der Baustelle keine Zeit mit Suchen oder Zuordnen verloren.

Individualisierung ist heute fast selbstverständlich. Wie gelingt der Spagat zwischen maßgeschneiderten Kundenlösungen und einer wirtschaftlichen Fertigung?

Ich beobachte genau, welche Anforderungen aus dem Markt kommen. Zeigt sich, dass bestimmte Lösungen langfristig gefragt sind und sinnvoll in unser Portfolio passen, erweitern wir unser Sortiment gezielt.
Standardisierung und Individualisierung schließen sich dabei nicht aus. Man muss nur wissen, an welchen Stellen Individualität wirklich einen Mehrwert schafft.
Den meisten Kunden ist heute weniger die maximale Individualisierung wichtig als eine technisch saubere, wirtschaftliche und terminsichere Lösung.

Welche Entwicklungen beobachten Sie aktuell bei Materialien, Oberflächen und Gestaltung? Gibt es Trends, die Metallbauer unbedingt im Blick behalten sollten?

Pulverbeschichtete Treppen werden immer häufiger nachgefragt. Gleichzeitig werden für viele Metallbaubetriebe Qualität, Lieferzuverlässigkeit und eine einfache Montage immer wichtiger.
Treppen werden außerdem zunehmend als gestalterisches Element verstanden und nicht mehr nur als funktionaler Zugang. Der Trend geht zu schlichten, geraden Kon-
struktionen mit hochwertigen Oberflächen.

Wenn Sie einem Metallbaubetrieb nur drei Tipps für erfolgreich geplante und wirtschaftlich gefertigte Treppen mit auf den Weg geben dürften – welche wären das?

Erstens: Früh klären, welche technischen und baurechtlichen Anforderungen tatsächlich gelten.
Zweitens: Möglichst viele Informationen zusammentragen. Viele Probleme auf der Baustelle entstehen bereits Wochen vorher am Schreibtisch. Fotos, Skizzen und Maße sparen später oft mehrere Planungsschleifen.
Drittens: Spezialisten früh einbinden. Je früher alle Beteiligten an einem Tisch sitzen, desto weniger Überraschungen gibt es später auf der Baustelle.
Und vielleicht ist das am Ende die wichtigste Erkenntnis: Die beste Treppe ist nicht die spektakulärste. Sondern die, über die auf der Baustelle niemand schimpft.

Ein professionelles Portrait einer lächelnden Frau mit Brille, die ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift "SCHAEFERS" vor einem grauen Hintergrund trägt.

Unsere Interviewpartnerin

Isabel Schaefers

studierte Wirtschaftswissenschaften an der Fachhochschule Aachen mit den Schwerpunkten Marketing- und Personalmanagement und schloss ihr Studium als Diplom-Kauffrau (FH) ab. Praktische Erfahrungen sammelte sie im In- und Ausland, unter anderem in Irland und Australien.
Zum 1. Januar 2011 trat sie als Assistentin der Geschäftsführung in das Familienunternehmen G. Schaefers GmbH ein. Seit dem 1. Januar 2015 führt sie das Unternehmen als Geschäftsführerin in zweiter Generation.
Neben ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin ist Isabel Schaefers als Referentin aktiv. In Vorträgen und Veranstaltungen spricht sie über Social Media, moderne Unternehmenskommunikation und die Chancen der Digitalisierung im Mittelstand. Darüber hinaus engagiert sie sich in Verbänden und Wirtschaftsorganisationen für Fachkräftesicherung, Digitalisierung, zeitgemäße Unternehmensführung und den Wissenstransfer in der Metallbaubranche.
Die 1987 gegründete G. Schaefers GmbH ist seit fast vierzig Jahren ein fester Bestandteil der Metallbaubranche. Das Familienunternehmen ist auf Gitterroste, Spindeltreppen und Treppentürme spezialisiert und beliefert Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zum Kundenkreis zählen kleine Schlossereien und Metallbaubetriebe ebenso wie große Stahlbauunternehmen und Industriebetriebe.

zuletzt editiert am 02. Oktober 2026
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