In den eingebauten Lamellenfenstern der Treppenhäuser und Flure war es zur Delamination in den Verbundsichherheitsglasscheiben gekommen.
In den eingebauten Lamellenfenstern der Treppenhäuser und Flure war es zur Delamination in den Verbundsichherheitsglasscheiben gekommen.

Schadensfälle

02. March 2020 | Teilen auf:

Unschöne Weichmacherwanderung

(März 2020) Immer wieder sind Fälle zu beobachten, bei denen es durch Materialunverträglichkeiten zur sogenannten Glasdelamination (Enthaftung) mit Weichmacherwanderung kommt. Der Gutachter erläutert die Ursachen, die Bewertung und die Schadensvermeidung.

An den Außenfassaden von Treppenhäusern und Fluren eines Gebäudes war es in den eingebauten Lamellenfenstern zur Delamination von Folienverklebungen in den Verbundsicherheitsglasscheiben gekommen. Diese waren durch den Sachverständigen zu bewerten.

Die Fensterlamellen bestanden aus Isoliergläsern mit Außenscheiben als ESG und Innenscheiben als Verbundsicherheitsglas (VSG). Die VSG-Scheibe bestand aus zwei Floatgläsern, die mit einer PVB-Folie zusammengeklebt waren. Die horizontalen Glaskanten oben und unten waren freiliegend ungerahmt. Die seitlichen Glaskanten wurden durch Profile eingefasst, an denen das Gestänge von den Fensterbeschlägen befestigt war. Kopfseitig war eine zusätzliche Dichtungslippe auf dem Glas verklebt, die in geschlossenem Zustand die Kante des darüber liegenden Glases überlappte und damit den Anschlag Glas/Glas abdichtete.

An allen horizontalen Kanten der Glaslamellen mit Kontakt zu den Dichtungsprofilen waren linear aus den Randverbünden der Isolierglaseinheiten heraus verlaufende wurmförmige Ablösungen der Folie im Verbund der VSG-Scheiben festzustellen. Teilweise zog sich die Delamination in den transparenten Randbereich hinein. Die senkrechten Glaskanten und die horizontalen Kanten in den Riegeln der Sprossenkonstruktion waren nicht betroffen.

Achten Sie auf Materialunverträglichkeiten

Die Delamination der Folie wurde eindeutig durch eine Materialunverträglichkeit (Weichmacherwanderung) entstanden. Ursache konnten entweder die verwendeten horizontalen Dichtungsslippen (wahrscheinlich) in den Anschlägen Glas/Glas oder deren Klebstoff zu den horizontalen Scheibenkanten sein.

Eine Weichmacherwanderung aus dem Dichtstoff des Randverbundes der Glasscheiben war auszuschließen, da dann auch die senkrechten Glaskanten befallen wären. Da jedoch alle horizontalen Kanten mit Kontakt zu dem Dichtungsprofil befallen waren – also auch die Kanten an denen das Dichtungsprofil nur anlag und nicht verklebt war – konnte mit großer Wahrscheinlichkeit von einer Unverträglichkeit zwischen Folie und Dichtungsprofil ausgegangen werden. Das Dichtungsprofil hatte direkten Kontakt mit der Schnittfläche des VSG und somit auch direkten Kontakt mit der Verbundfolie.
Eine Weichmacherwanderung von den – auf Silikonbasis hergestellten – Profilen in den Verbundbereich des VSG, der dann hier mit der PVB-Folie reagierte, löste den adhäsiven Haftverbund zur Glasoberfläche. Einmal eingewanderte Weichmacher bilden dann Transportwege in Gangform, weitere Weichmacherpartikel strömen nach und das typische Korallenbild (Wurmfraßbild) bildet sich aus. Eine Austritt von Weichmachern aus Materialien, die mit den PVB-Folien direkt oder indirekt in kontakt stehen, sollte vermieden werden.

Bewerten Sie die optische Unregelmäßigkeit

Vollständige flächige Delaminationen aufgrund von Weichmachereinwanderung über den Randbereich des VSG sind nicht bekannt. Sie beschränken sich nur auf die Randbereiche mit einer Tiefe von zehn bis 15 Zentimeter.
Ein technischer Mangel lag in diesem Fall nicht vor, da die physikalischem Werte der Verglasungen (Transmission, Reflexion und Absorption), die technischen Werte (Wärme- und Schallschutz), sowie die statischen Eigenschaften unberührt blieben. Es blieb somit ein in erster Linie optisches Problem der Glasränder. Eine vollständige Delamination war auch zukünftig nicht zu erwarten.
Die betroffenen Glasscheiben waren auf Basis der anzusetzenden Bewertungskriterien (Richtlinie zur Beurteilung der visuellen Qualität von Glas für das Bauwesen; üblicher Betrachtungswinkel im Abstand von einem Meter) visuell in der Transparenz zu bewerten. Darüber hinaus war zu beachten, dass es sich zum größten Teil von Fenster in Fluchttreppenhäusern handelte.

Fazit: Kein Mangel

Auf der genannten Bewertungsgrundlage waren die festzustellenden Delaminierungen visuell unauffällig und hinnehmbar. Dies war sowohl für die Fenster in den Fluchttreppenhäusern, als auch in den Fluren festzustellen.

Begutachtung: Beobachten Sie den Vorgang 

Der mögliche Fortgang der Delaminierungen war durch den Sachverständigen nicht einzuschätzen. Deshalb empfahl er im Jahresrhythmus im Rahmen der üblichen Wartung den Fortgang zu beobachten. An den schon stärker betroffenen Scheiben sollte dazu eine Markierung (schwarzer Filzstift) angebracht werden. Alternativ könnten die Dichtungsprofile durch APTK-Dichtungsbänder nach Verträglichkeitsnachweis mit der Folie ausgetauscht werden. Mögliche Silikonfilme auf den Glaskanten wären in dem Zuge zu entfernen. Dann wäre der Delaminationsvorgang mit größerer Sicherheit gestoppt, und einem sich möglicherweise später einstellenden optischen Mangel vorgegriffen.

Autor: Dipl.-Ing. Architekt Frank Kammenhuber ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger und Mitinhaber der Sachverständigenpartnerschaft Giering-Hillhagen-Kammenhuber in Hamburg.

Schadensfälle: Eine Reihe von weiteren Schadensfällen zum Thema ist in den Bänden 1 bis 4 „Schäden im Metallbau“ aus dem Coleman-Verlag enthalten. Recherchieren können Sie auch auf der Schadens-Homepage www.schaeden-im-metallbau.de .

Fachregelwerk: Wichtige Informationen zum Thema finden Sie im Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik in den Kapitel 1.6.6. Glas und 1.10 Konstruktiver Glasbau.

Weitere Informationen zu den Büchern und zum Fachregelwerk erhalten Sie beim M&T-Leserservice,
E-Mail: coleman@vuservice.de oder von Mo-Fr von 7:30 bis 17 Uhr per Telefon unter +49 6123 9238274.