Ein professionelles Portrait eines Mannes mit blondem Haar, der ein dunkelblaues Hemd trägt und mit verschränkten Armen vor einem weißen Hintergrund in die Kamera lächelt.
„Hebetechnik setzt Mitarbeiter dort ein, wo ihre Fachkenntnis gebraucht wird, statt mehrere Personen nur zum Tragen zu binden“, sagt Richard Reich, Fachberater Glastransport und Hebetechnik bei der Bohle AG. (Quelle: Bohle AG)

Statik, Planung & Beratung 2026-10-28T10:39:53.064Z Vakuum-Hebetechnik: Wenn schwere Lasten leichter werden

Große Glasscheiben, Fenster-, Metall- oder Fassadenelemente sicher und präzise zu montieren, gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben im Metallbau. Moderne Vakuum-Hebetechnik entlastet Monteure und steigert Effizienz, Qualität und Arbeitssicherheit. Richard Reich, Fachberater Glastransport und Hebetechnik bei der Bohle AG, erklärt im Interview, worauf es bei der Auswahl der richtigen Lösung ankommt, welche Fehler sich vermeiden lassen und wie Betriebe von der Technik profitieren.

Ein Arbeiter benutzt ein elektrisches Vakuum-Hebegerät mit einer Hand, um eine Glasscheibe sicher zu heben und zu montieren.
Der Fachkräftemangel ist ein wichtiger Faktor: Für reine Tragearbeiten stehen immer weniger zusätzliche Hände zur Verfügung. (Quelle: Bohle AG)

Herr Reich, schwere und großformatige Bauteile gehören heute zum Alltag vieler Metallbaubetriebe. Welche Herausforderungen beobachten Sie bei der Montage besonders häufig?

Die Elemente werden größer und schwerer, gleichzeitig bleibt auf vielen Baustellen wenig Platz zum Rangieren. Die eigentliche Herausforderung ist deshalb nicht nur das Heben. Eine Scheibe muss sicher vom Gestell zum Einbauort kommen, durch Türen und enge Bereiche bewegt, gedreht und anschließend genau positioniert werden. Dazu kommt der Fachkräftemangel: Für reine Tragearbeiten stehen immer weniger zusätzliche Hände zur Verfügung.

Vakuum-Hebegeräte gelten als enorme Arbeitserleichterung. Welche konkreten Vorteile bieten sie gegenüber einer rein manuellen Montage?

Sie übernehmen einen großen Teil der körperlichen Last und geben dem Monteur mehr Kontrolle über das Bauteil. Beim Liftmaster beispielsweise können Elemente bis 180 Kilogramm von einer Person bewegt werden. Die Scheibe lässt sich drehen, schwenken und sehr genau positionieren. Das entlastet Rücken und Gelenke, reduziert unnötiges Umgreifen und kann gleichzeitig den Personalbedarf bei Transport und Montage verringern.

Nicht jede Baustelle ist gleich. Nach welchen Kriterien sollten Metallbauer das passende Vakuum-Hebegerät auswählen?

Entscheidend sind Gewicht und Abmessungen des Bauteils, seine Oberfläche sowie Transportweg und Einbausituation. Die Oberfläche muss zum jeweiligen Saugheber passen und ausreichend gasundurchlässig sein. Für kleinere Elemente können klassische
Veribor-Saugheber die richtige Lösung sein. Bei großen und schweren Scheiben kommen Vakuum-Hebeanlagen oder mobile Montagehilfen wie der Liftmaster ins Spiel. Auch Türbreiten, Untergrund und verfügbarer Bewegungsraum sollte man vorab berücksichtigen. Bohle bietet Veribor-Saugheber je nach Ausführung bis 120 Kilogramm sowie Hebeanlagen und den Liftmaster bis 180 Kilogramm an.

Ein Mitarbeiter in Arbeitskleidung transportiert vorsichtig eine große Glasscheibe in einer Werkstatt mithilfe eines professionellen Vakuum-Hebegeräts auf einem fahrbaren Wagen.
Bei großen und schweren Scheiben kommen Vakuum-Hebeanlagen oder mobile Montagehilfen wie der Liftmaster ins Spiel. (Quelle: Bohle AG)

Neben der Ergonomie spielt die Arbeitssicherheit eine immer größere Rolle. Wie trägt moderne Vakuum-Hebetechnik dazu bei, Unfälle und Materialschäden zu vermeiden?

Entscheidend ist ein kontrolliertes und überprüfbares Vakuum. Die im Liftmaster eingesetzte und auch separat nutzbare manuelle Hebeanlage arbeitet beispielsweise mit zwei getrennten Vakuumkreisen, vier Saugtellern und zwei Vakuumanzeigen. Das Vakuum wird per Handpumpe erzeugt, der Anwender kann den Zustand jederzeit kontrollieren. Die Hebeanlage ist nach DIN EN 13155 zertifiziert und vom TÜV Nord mit dem GS-Zeichen ausgezeichnet. Gleichzeitig lässt sich das Bauteil geführt bewegen und positionieren. Das reduziert riskantes manuelles Tragen und hilft, Stöße und Beschädigungen zu vermeiden.
Auch bei handgeführten Saughebern spielt geprüfte Sicherheit eine Rolle. Bohle bietet beispielsweise auch Veribor-Pumpensaugheber mit GS-Zeichen an. Eine gut sichtbare Vakuumsicherheitsanzeige ermöglicht dabei die laufende Kontrolle des Unterdrucks – gerade beim manuellen Handling ein wichtiger zusätzlicher Sicherheitsfaktor.

Welche typischen Fehler erleben Sie im täglichen Einsatz – und wie lassen sie sich mit der richtigen Vorbereitung oder Technik verhindern?

Häufig wird zu wenig auf Oberfläche, Gewicht oder Schwerpunkt geachtet. Saugflächen müssen sauber, trocken, ausreichend glatt und gasundurchlässig sein. Gasundurchlässig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass durch die Oberfläche keine beziehungsweise nur so wenig Luft nachströmen kann, dass sich das notwendige Vakuum zuverlässig aufbauen und halten lässt. Die Oberfläche muss also für den Einsatz mit einem Vakuumsauger geeignet sein.
Saugteller und Gerät sollten vor dem Einsatz auf Beschädigungen geprüft werden. Wichtig ist außerdem, das Bauteil möglichst mittig aufzunehmen und den Transportweg vorher zu prüfen. Und natürlich gilt: Tragfähigkeit und Einsatzgrenzen des jeweiligen Geräts müssen eingehalten werden.

Viele Betriebe kämpfen mit Fachkräftemangel und steigenden Anforderungen an die Produktivität. Welchen Beitrag kann Vakuum-Hebetechnik leisten, um Montageprozesse wirtschaftlicher zu gestalten?

Hebetechnik setzt Mitarbeiter dort ein, wo ihre Fachkenntnis gebraucht wird, statt mehrere Personen nur zum Tragen zu binden. Beim Liftmaster übernimmt das Gerät das Gewicht und kann von einer Person bedient werden. Gerade heute ist die verfügbare Fachkraft häufig der entscheidendere Engpass als das Material selbst. Wenn schwere Elemente mehrfach aufgenommen, transportiert, gedreht und genau eingesetzt werden müssen, kann Hebetechnik die Abläufe deshalb deutlich vereinfachen. Hinzu kommen weniger körperliche Belastung und das Potenzial, Materialschäden sowie belastungsbedingte Ausfälle zu reduzieren. So kann die vorhandene Fachkraft produktiver eingesetzt werden.

Die Entwicklung schreitet kontinuierlich voran. Welche technischen Innovationen oder Trends sehen Sie aktuell bei Vakuum-Hebegeräten?

Ein Trend sind intelligentere und einfacher zu bedienende Systeme. Bei den neuen Veribor-Akkusaughebern erfolgt das Ansaugen beispielsweise auf Knopfdruck; bei Vakuumverlust wird automatisch nachgepumpt und der Zustand elektronisch überwacht. Gleichzeitig bleibt Unabhängigkeit auf der Baustelle wichtig. Deshalb haben auch rein manuelle Systeme ihre Berechtigung, die ohne Strom und Akku arbeiten. Insgesamt geht es um mehr Sicherheit, Ergonomie und einfachere Bedienung. Die Veribor-Akkupumpe lässt sich zudem bei vorhandenen kompatiblen Pumpensaughebern nachrüsten.

Zum Abschluss ein Blick in die Praxis: Welchen Rat würden Sie einem Metallbaubetrieb geben, der erstmals in Vakuum-Hebetechnik investieren möchte?

Nicht mit der maximalen Tragkraft anfangen, sondern mit den Anwendungen, die im Betrieb am häufigsten vorkommen und die Mitarbeiter auf Dauer am stärksten körperlich belasten: Welche Materialien bewegen wir regelmäßig, wie schwer und groß sind sie, sind ihre Oberflächen vakuumgeeignet und wie sieht der Weg bis zum Einbauort aus? Danach sollte die passende Lösung ausgewählt werden. Eine praktische Vorführung ist dabei oft hilfreicher als ein reiner Datenblattvergleich. Wichtig sind außerdem Schulung, regelmäßige Kontrolle der Geräte und die vorgeschriebenen Prüfungen. Bohle bietet dafür auch Vorführungen vor Ort sowie die jährliche Prüfung von Hebeanlagen an.

zuletzt editiert am 28. Oktober 2026
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