Seit wenigen Monaten ist Detlef Timm aus Berlin neuer VFF-Präsident. Lesen Sie, was er sich als nächste Ziele in seiner noch jungen Amtszeit gesetzt hat und wie er das Image der Fassaden- und Fensterbauer verbessern will.
Sie führen seit kurzem den Verband Fenster + Fassade. Mit welchen Vorstellungen und Zielen sind Sie angetreten?
Die erste Hürde, die ich nehmen musste, bestand darin, die Entscheidung zu fällen, als Kandidat für dieses Amt anzutreten. Erst nach dieser Entscheidung, zu der ich durch gründliche Rücksprache in Familie und Unternehmen gefunden habe, habe ich begonnen, die Gestaltungsmöglichkeiten, die mit diesem Amt verbunden sind, auszuloten. Voraussetzung dafür war natürlich eine schnelle Einarbeitung, die mir dank der Unterstützung von VFF-Geschäftsführer Ulrich Tschorn erleichtert wurde. Zudem wusste ich von vornherein, dass mir meine beiden Vorgänger Franz Hauk und Bernhard Helbing, der dieses Amt zuletzt zehn Jahre innehatte, jederzeit hilfreich zur Seite stehen würden.
Da ich selber jahrelang schon im Technischen Ausschuss des VFF mitarbeite, lag es für mich nahe, mich in meinem ersten Statement für einen besseren Stellenwert der Fachpublikationen des Verbandes vor allem bei Planern und Architekten einzusetzen. Die Merkblätter und Richtlinien des VFF sind von unvergleichlicher Qualität und großem praxisorientiertem Nutzen und sollten im Büro eines jeden Planers als Standardliteratur bereit liegen. Hier möchte ich auch ausdrücklich den Leitfaden zur Montage der Gütegemeinschaft Fenster, Fassaden und Haustüren nennen. Die Gütegemeinschaft wird ja ebenfalls von Ulrich Tschorn im Rahmen einer Bürogemeinschaft mit dem VFF in Frankfurt geführt.
Was haben Sie bei Ihrer Amtsübernahme vorgefunden?
Ein gut bestelltes Haus – anders kann ich das nicht sagen. Die Geschäftsstelle mit Ulrich Tschorn an der Spitze ist bestens aufgestellt und arbeitet, wie ich sehen konnte, kompetent und effizient. Und das „Erbe“, das Bernhard Helbing mir hinterlassen hat, ist von Erfolgen und einem beeindruckenden Engagement geprägt, das ich mit viel Respekt betrachte. Somit fand ich eine Ausgangslage vor, die mir einen praktisch reibungslosen Einstieg in das Amt ermöglicht hat.
Welche Themen werden Sie kontinuierlich weiterführen und welche neuen Aufgaben sehen Sie mittelfristig auf den Verband und seine Mitglieder zukommen?
Kontinuität ist ein gutes Stichwort. Denn insbesondere in der Lobbyarbeit in Berlin und auch in Brüssel braucht man einen langen Atem. Da ist es gut, wenn man möglichst nahtlos an das bisher Geleistete anknüpfen kann. Von größter Aktualität und Dringlichkeit ist derzeit unser Einsatz für eine Rücknahme des „überflüssigen“ Erlasses zur Holzbeschaffung.
Auch wenn es nach der Aussetzung des Erlasses im April - auch aufgrund unserer Einsprüche - derzeit nach einer problematischen Neufassung aussieht, werden wir weiter für unsere Auffassung kämpfen. Gerade haben wir diese noch einmal nachdrücklich in Briefen an die vier beteiligten Bundesminister vorgetragen.
Die große gesellschaftliche Aufgabe, an deren Umsetzung unsere Branche mit einem bemerkenswerten Anteil beteiligt ist, besteht in der Einhaltung der Ziele der Energie- und Klimaschutzpolitik in Bund und Ländern. Die notwendige und angestrebte Senkung des CO2-Ausstoßes können wir nicht allein durch effizientere Verbraucher wie Kraftfahrzeuge oder Heizungsanlagen erreichen. Dafür ist ebenso die Energieersparnis durch besser gedämmte Fenster und Fassadenkonstruktionen notwendig. Anders gesagt: Das Sanierungspotential im Gebäudebestand ist eine der wichtigsten „Ressourcen“ der Energie- und Klimapolitik. Um dafür politisch und gesellschaftlich größeren Rückhalt zu gewinnen, engagieren wir uns beispielsweise in den branchenübergreifenden Initiativen wie der „Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz“ (geea) und der „Initiative effiziente Gebäude“ des BDI.
Diesem Ziel dient natürlich auch unsere aktive Mitarbeit bei der Errichtung neuer Gebäude. Hier ist Energieeffizienz – als Kombination von Wärmeverbrauch und Wärmezugewinn in einem Energielabel zusammengefasst – die große Aufgabe, vor der die Branche steht. Dabei müssen wir stärker noch als bisher der Politik sowie den Architekten und Bauherren vermitteln, dass Fenster nicht nur dämmen, sondern auch solare Energie gewinnen.
Welche Dienstleistungen für die Mitglieder werden Sie besonders entwickeln und ausbauen?
Unser Dienstleistungsangebot ist, wenn Sie sich beispielsweise auf unserer Website
www.window.de
umschauen, von einer großen Breite und Kontinuität geprägt. Egal ob Sie in technischen, in normativen oder in rechtlichen Fragen Rat brauchen, der Verband kann mit großer Expertise und Erfahrung zu praktisch jeder Frage Hilfestellung leisten. Auch in den Bereichen Statistik und Markt, Marketing oder Europa können wir ein breites Angebot bieten. Wie Sie vielleicht wissen, hat sich Eurowindoor gerade im letzten Jahr neu gegründet, um effektiver in Brüssel arbeiten zu können.
Ich werde in all diesen Bereichen also nur, wenn mir etwas konkret auffällt, an der einen oder anderen Stelle Vorschläge machen können. Bisher habe ich auf diesem Gebiet für eine weiterführende Agenda noch keine Notwendigkeit gesehen.
Wie wollen Sie die Anforderungen aus dem Ehrenamt und Ihre Aufgaben in Ihrem Betrieb unter einen Hut bringen?
Dies ist sicherlich eine permanente Herausforderung. Ich befinde mich ja noch in der Einarbeitungszeit, einer Zeit des Lernens und auch des Delegierens. Ehrlich gesagt, erfordert dieser Prozess gegenwärtig noch mehr Zeit als gedacht. Das wird sich einpendeln müssen.
Wie ist gegenwärtig Ihre Auftragslage in Ihrem Betrieb und aus welchen Bereichen kommen vor allem die Aufträge?

Die Auftragslage ist bei uns - wie momentan in der gesamten Branche - gut. Das heißt aber nicht, dass wir uns darauf ausruhen können, da der Vorlauf in der Regel maximal fünf Monate beträgt. Zu schaffen macht uns der zunehmende Preiskampf mit Wettbewerbern aus Osteuropa. Es wird aber auch immer schwerer, den für unsere Qualität angemessenen Preis trotz der hohen Immobilienpreise beim Investor durchzusetzen.
Sie verarbeiten verschiedene Rahmenmaterialien in Ihrem Fensterbaubetrieb. Wo sehen Sie die prädestinierten Einsatzbereiche und die Vor- und Nachteile der Materialien?
Grob gesagt, hat jedes Material seine Berechtigung und besonders geeignete Einsatzmöglichkeiten. Das traditionelle Rahmenmaterial Holz ist mittlerweile auch in Verbindung mit Metall das Premiummaterial im Wohnungsbau, hat aber auch im Objektbau und vor allem auch im Denkmalschutz seine Rolle gefunden. Kunststoff macht in allen möglichen Bereichen „bella figura“, hat aber seinen Haupteinsatzbereich im Wohnungsbau, vor allem dort wo hochwertig, aber preisgünstig gebaut werden muss. Und Metall ist natürlich im Bereich des Fassadenbaus die Nummer Eins, hat aber auch in allen anderen Einsatzgebieten seine Stärken.
Welche Entwicklung sehen Sie hier in den nächsten Jahren?
Generell genießt unsere Branche gute Aussichten. Klimapolitik, Einwanderung und alternde Gesellschaft sind drei Stichworte, die dies belegen. Sie stehen für Sanierung, Neubau und altersgemäße Modernisierung mit den Begriffen Barrierefreiheit oder Einbruchhemmung. Und dies betrifft alle Materialien.
Die genannten Entwicklungsperspektiven sind aber keine „Selbstläufer“. Nur wenn wir mit unseren hochwertigen Produkten weiterhin zu den Innovationsführern im Bauen gehören und nur wenn wir dies auch politisch und gesellschaftlich vermitteln können, werden die guten Perspektiven auch in der Zukunft tatsächlich Realität werden. Diese Aufgabe ist komplex und weitreichend und muss in allen Arbeitsschwerpunkten des VFF erkannt und umgesetzt werden, natürlich mit dem Präsidenten, dem Präsidium und der Geschäftsführung an der Spitze.
Mit welchen Maßnahmen stellen Sie sich auf gegenwärtige und zukünftige Anforderungen ein?
Wir entwickeln unseren Betrieb ständig weiter. Das gilt für die Organisation genauso wie für die Investition in neue Maschinen und die Entwicklung innovativer Produkte. Organisatorisch möchte ich die Digitalisierung unserer Werke - Stichwort Industrie 4.0 - nennen. Und mit einem Investitionsprogramm von 1,5 Millionen Euro erweitern wir derzeit unsere Fertigung um drei CNC-Bearbeitungszentren in der Stahlfertigung, im Holz- und im Holz-Alu-Sonderbau.
Mit welchen Problemen hat sich ein mittelständischer Fensterbaubetrieb gegenwärtig vor allem auseinanderzusetzen?
Ein ganz wichtiger Punkt ist die Ausbildung der Mitarbeiter angesichts neuer und anspruchsvoller Aufgabestellungen. Ebenso wichtig ist für uns die Beherrschung der gesetzlichen Anforderung und der notwendigen Nachweise, die wir erbringen müssen. Da gibt es ja, wie Sie wissen, ständig Neuerungen.
Welchen aktuellen Wunsch haben Sie an die Politik?
Von der Politik erwarte ich, dass sie handelt, wo es nötig ist, dass sie überflüssige Aktionen sein lässt und dass sie unterscheiden kann, was nötig und was überflüssig ist. Mein Vorschlag aus Sicht unserer Branche: Steuerliche Förderung energetischer Sanierung ist nötiger denn je. Und viele für Kleinunternehmer und Mittelstand teure Regelungen sind überflüssig – vor allem dann, wenn es schon Regelungen gibt, die nur konsequent befolgt werden müssen. Ich denke da an den Holzerlass.
Welchen Ratschlag können Sie Ihren Kollegen geben, damit Sie für die Zukunft gut gerüstet sind?
Ich glaube, heutzutage ist es wichtiger denn je, die Wertschöpfungskette von der Beratung über die Ausschreibung, die Herstellung, den Einbau und die Wartung vollständig zu nutzen. Zudem müssen wir das Fenster als hochwertiges Bauprodukt bewerben und den Bauherren und Architekten klar machen, wozu wir in der Lage sind. So können wir auch die Preise unserer Produkte und das Preisbewusstsein bei den Auftraggebern stärken. Unser Ziel sollte sein, nicht immer wieder allein über den Preis verkaufen zu müssen. Dies geht natürlich nur, wenn wir einen fairen Wettbewerb untereinander führen.