Kamera-Überwachungssysteme schützen Objekte und dokumentieren auf Baustellen den Baufortschritt. (Quelle: Video Guard)

Statik, Planung & Beratung

4. October 2022 | Teilen auf:

Video-Kameraüberwachung: Baustellen dokumentieren, Objekte schützen

(November 2022) Videokameras überwachen Baustellen, Gebäude oder Anlagen, dokumentieren Aktivitäten, kontrollieren Soll- und Ist-Stände, beugen Schäden, Einbrüchen und Diebstählen vor. Technisch und datenschutzrechtlich sollte man jedoch einiges beachten.

Videokameras dokumentieren den Baufortschritt auf Baustellen, unterstützen das Management von Projekten, die Bauzeitenkontrolle, die Qualitätssicherung und die Baustellensicherheit. Temporäre Ereignisse, aber auch Bereiche, die mit dem Baufortschritt später nicht mehr sichtbar und zugänglich sind, werden visuell dokumentiert. Aktivitäten von Personen oder Firmen können chronologisch zurückverfolgt und damit Montage- und Bauabläufe rekonstruiert, eventuelle Schadensverursacher ermittelt oder Streitfälle aufgeklärt werden.

Auf Video-dokumentierten Baustellen lassen sich auch Diebstähle eingrenzen, die jährlich Schäden in Millionenhöhe verursachen. Begehrt sind neben Baugeräten und Werkzeugen auch Baumaterialien, insbesondere Stahl-/Metallprofile, Bleche oder Kabel wegen der hohen Metallpreise. Abhanden kommt auf Baustellen Gelagertes nicht nur nachts, an Wochenenden oder Feiertagen. Auch unter der Woche, wenn viele Subunternehmen auf großen Baustellen tätig sind, haben Langfinger leichtes Spiel.

Wie lassen sich Baustellen überwachen?

Mit nahezu allen am Markt offerierten Miet- oder Kauflösungen für die Baustellenüberwachung lassen sich Aktivitäten rund um die Uhr im 24/7-Modus (24 Stunden, 7 Tage die Woche) aufzeichnen und dokumentieren. Die aufgezeichneten Aufnahmen werden auf gesicherten Servern archiviert und stehen dem Auftraggeber, optional auch zugriffsberechtigten Projektbeteiligten zur Ansicht und zum Download zur Verfügung. Per Smartphone oder Tablet und Webbrowser ist so ein zeit- und ortsunabhängiger Zugriff auf Live-Bilder oder Archivaufnahmen möglich. Auch der Aufnahmemodus kann per Webzugriff konfiguriert werden.

Offeriert werden Überwachungssysteme entweder als separate Kamera mit integrierter Elektronik zur Selbstmontage … (Quelle: Bau.Camera)
… oder in Form eines kompletten Kameraturms, inklusive Scheinwerfer, Lautsprecher, Akku, Hinweisschild und weiterer Systemkomponenten. (Quelle: Video Guard)

Damit die Kamerabilder vom Arbeitsplatzrechner, Smartphone oder Tablet jederzeit und von überall einsehbar sind, werden sie über das integrierte Modem an den Server des Anbieters oder Auftraggebers übertragen und gespeichert. Dort sind die Aufnahmen über eine individuelle Webadresse (zum Beispiel www.anbietername.de/projektname) oder auf der Webseite des Kunden als Live- oder Archiv-Bild oder rund um die Uhr und über die gesamte Projektdauer abrufbar. Einige Anbieter (zum Beispiel www.langzeit-zeitraffer.de) offerieren auch 360-Grad-Aufnahmen, was zeitlich und räumlich eine nahezu lückenlose Beobachtung von Baustellen oder Liegenschaften ermöglicht. Ein Notstromkonzept sorgt für Ausfallsicherheit des gesamten Überwachungssystems von bis zu 6 Stunden und damit für eine durchgehende Überwachung auch bei Stromausfall.

Offeriert werden Video-Überwachungssysteme entweder als separate Kamera mit integrierter Elektronik und Mobilfunktechnik zur Selbstmontage an einen bestehenden Mast oder einer Wand (zum Beispiel Bau.Camera) oder in Form eines speziell für Baustellen und Freiflächen konzipierten, 5 bis 6 und mehr Meter hohen Kameraturms (zum Beispiel LivEye). Er kann mit einem Gabelstapler, respektive Kran überall aufgestellt werden und einen Bereich von bis zu 20.000 Quadratmetern überwachen. Das Herz eines Überwachungssystems ist die Kamera mit einer Bildauflösung von 8 oder 16 Megapixeln. Sie ist diebstahlsicher montiert, verfügt über ein staub- und regendichtes, wind- und wetterfestes Gehäuse (IP 66) und verträgt Außentemperaturen zwischen -40 bis + 50 Grad Celsius.

Die Überwachungskameras funktionieren ohne separate Baustellenbeleuchtung und sind auch nachts einsetzbar. Ein grünes Kamera-Scheinwerferlicht sorgt für ein kontrastreicheres Videobild bei Nacht. Optionale Infrarotkameras erkennen Personen oder Brandherde auch bei völliger Dunkelheit. Spezielle, auf Algorithmen der künstlichen Intelligenz (KI) gestützte Video-Branddetektionssysteme melden Flammen oder Rauch in kritischen Umgebungen schnell und zuverlässig. Eine Auswertungssoftware analysiert die Kameradaten in Echtzeit, erkennt und verfolgt bewegliche Objekte im Kamerabild selbstständig. Fehlalarme, verursacht zum Beispiel durch Tiere, werden in der Regel als solche erkannt. Registriert das System Verdächtiges, wird eine rund um die Uhr besetzte Leitstelle alarmiert.

Was leisten 3D-Laserscanner oder Kamerahelme?

Foto- und Videoaufnahmen während der Bauphase unterstützen Baustellenverantwortliche auch bei der Bautagebuch- oder Bautagesbericht-Erstellung, bei der Bauinspektion oder Baumängelerfassung. Werden die Baustellenfotos visuell oder automatisiert mit Hilfe von Bildauswertungssystemen analysiert, lassen sich Abweichungen zwischen Soll- und Ist-Zuständen aufdecken. Das unterstützt Fachplaner bei der Baufortschrittskontrolle, Bauzeitenplanung und Qualitätssicherung.

Die an eine zentrale Leitstelle versandten Kameradaten werden kontinuierlich ausgewertet, so dass im Alarmfall entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden können. (Quelle: Camelot)

Informieren Sie sich bei diesen Unternehmen

Überwachungskameras: www.axis.com, www.bascom-kameras.de; www.brinno.eu, www.hikvision.com, www.reolink.com, www.visor-tech.com, siehe auch: https://bauhoch5.de/baustellenkamera-test

Kameraüberwachungs-Dienstleister: www.1000eyes.de, www.bau.camera, www.bauwatch.de, www.cameloteurope.com, www.foto-web-cam.de, www.langzeit-zeitraffer.de, www.liveye.de, www.pwl-vermessung.de, www.securiton.de, www.videoguard24.de

3D-Laserscanning-Dienstleister: www.3d-laserscanning.com, www.3dcad-gmbh.de, www.bkr-laserscanning.de, www.laser-scanning-architecture.com, www.laserscanning-europe.com

Drohnen-Dienstleister: www.aerophoto.de, www.coptercloud.de, www.drohne-beweissicherung.com, www.geospector.de, www.robotic-air.de, www.sky-i.com, www.spectair.com

* Auswahl, ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Die Baustellendokumentation per Überwachungskamera kann auch durch Drohnen oder 3D-Laserscanner ergänzt werden. Mit hochauflösenden visuellen Digitalkameras, Infrarot-Kameras oder 3D-Laserscannern bestückte Drohnen ermöglichen eine lückenlose Dokumentation von oben. Auch stationäre 3D-Laserscanner oder mobile 3D-Handscanner erfassen Außen- oder Innenbereiche sowohl als Rundum-Fotopanorama als auch in Form von dreidimensionalen Messdaten. Das bietet den Vorteil, dass im Bau Befindliches auch messtechnisch erfasst und überprüft werden kann – etwa über manuelle oder automatisierte Vergleiche zwischen den Planvorgaben und dem Ist-Zustand auf der Baustelle.

Wird ein 3D-Laserscanner regelmäßig an den gleichen Standorten aufgestellt und die Baustelle von Außen oder Innen erfasst, entsteht sukzessive eine Baufortschritts- und "As-Built"-Dokumentation. Sie dokumentiert fotografisch und messtechnisch das realisierte Bauwerk „wie gebaut“ und unterstützt so die spätere Gebäudebewirtschaftung und Instandhaltung oder Umbaumaßnahmen (siehe zum Beispiel www.3dcad-gmbh.de). Inzwischen gibt es auch Systeme, die mit Kameras bestückte Bauhelme als digitale, mobile Datenerfassungswerkzeuge für die Bauinspektion nutzen (www.buildots.com, www.openexperience.de). Die im Helm integrierten Kameras erfassen die Umgebung in einer 360-Grad-Perspektive sowie über Detailaufnahmen. Aus den Daten wird ein interaktiv begehbares 3D-Modell erstellt, in dem Mängel und Abweichungen vom Soll-Zustand angezeigt und der Arbeitsfortschritt dokumentiert werden können. Über eine KI-basierende Bildauswertung lassen sich zusätzlich Mängel und Abweichungen automatisiert erfassen.

Was solle man bei der Auswahl und Aufstellung beachten?

Für die Baustellenüberwachung lohnt sich der Kauf entsprechender Systeme aufgrund relativ kurzer Projektlaufzeiten in der Regel nicht. Mietlösungen ab einem Monat Mietdauer sind manchmal auch für langfristige Objektüberwachungen sinnvoller – weil sie meist einen Rundum-Service aus einer Hand bieten, inklusive Ferndiagnose bei Störungen, die binnen 24 Stunden behoben werden. Hardware, Software und alle Hintergrund-Systeme sind zudem bei Komplettlösungen aufeinander abgestimmt.

Die Kosten pro System liegen zwischen 150 und 800 Euro monatlich, je nach Kameraausführung, Leistungsumfang und Mietlaufzeit, inklusive Mobilfunk-SIM, 24/7-Bildübertragung über Mobilfunk auf einen Server, Web-Adresse, Online-Bildarchiv, sicherer SSL-Datenübertragung und Passwortschutz. Die Lieferung, Installation und Montage ist entweder im Leistungsumfang enthalten oder wird – abhängig vom Einsatzort – extra berechnet. Maßgeblich für die Aufstellung des Systems sind mehrere Faktoren, wie die Platzierung, Ausrichtung, Perspektive und Energieversorgung. Da sich Baustellen kontinuierlich ändern, sollte die Kamera möglichst außerhalb des unmittelbaren Baugeschehens aufgestellt werden. Für Zeitraffer-Dokumentationen muss der gesamte Bauablauf vom gleichen Standpunkt aus erfasst werden können.

Grundsätzlich sollte die Kamera an der Objekt-Südseite mit der Ausrichtung nach Norden an benachbarten Gebäuden, Masten oder Containern aufgestellt werden. Dadurch lassen sich Blendeffekte vermeiden und mit der Sonne im Rücken erhält man tagsüber eine gute Ausleuchtung. Wird die Kamera an einer Gebäudeecke aufgestellt, können von einer Perspektive aus gleich mehrere Gebäudeseiten erfasst und tote Ecken vermieden werden. Eine erhöhte Kameraposition bietet die Möglichkeit, sämtliche Geschosse mit dem Baufortschritt optimal einsehen zu können. Wird die Kamera mit Solarstrom betrieben, sollte stets auch eine alternative Netzstromversorgung über eine Steckdose oder ein Außenverlängerungskabel möglich sein.

Was muss man rechtlich beachten?

Bei der Planung, Installation und Nutzung von Kamera-Überwachungssystemen müssen auch rechtliche Aspekte berücksichtigt werden. Sobald personenbezogene Daten erfasst werden und Personen individuell erkennbar sind, greifen die Bestimmungen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG). Gemäß Artikel 12 und 13 der DSGVO müssen betroffene Personen auf eine Videoüberwachung hingewiesen und mit allen relevanten Informationen versorgt werden.

Deshalb muss am Baustelleneingang ein Hinweisschild mit einem Kamerasymbol und einem Hinweis auf die Videoüberwachung inklusive Infoblatt angebracht werden. Letzteres muss zusätzlich an zentraler Stelle – etwa am Baucontainer, am schwarzen Brett oder am roten Baufreigabe-Punkt ausliegen, mit folgendem Inhalt: Name und Kontaktdaten des für die Videoüberwachung Verantwortlichen und des betrieblichen Datenschutzbeauftragten, der Verarbeitungszweck sowie die Rechtsgrundlage für die Videoüberwachung, ferner die Angabe des berechtigten Interesses, die Dauer der Speicherung sowie Hinweise zum Auskunftsrecht, Beschwerderecht und dem Empfänger der Daten. Vorab sollten alle auf der Baustelle beschäftigten Firmen und Mitarbeiter informiert und gegebenenfalls deren Einverständnis eingeholt werden. Existiert ein Betriebsrat, empfiehlt sich der Abschluss einer Betriebsvereinbarung.

Bei der Aufstellung sollte man die Kameraeinstellungen (Standort, Perspektive, Entfernung, Kameraauflösung etc.) so wählen, dass öffentliche Bereiche nicht erfasst und Personen oder Kfz-Kennzeichen nicht identifiziert werden können. Andernfalls sind diese – etwa bei einer Verbreitung, Veröffentlichung oder für Baudokumentationszwecke – unkenntlich zu machen. Das gilt natürlich auch für den Einsatz von Video-Drohnen oder von 3D-Laserscannern. Einige Baustellenkamera-Anbieter offerieren optional einen datenschutzkonformen Aufnahme-Modus. Dabei werden über einen speziellen Algorithmus alle sich bewegenden Objekte aus den Aufnahmen automatisch entfernt. Werden Video-Drohnen eingesetzt, sind auch die Grundsätze der Drohnenverordnung des BMVI von 2017 zu beachten. In der Regel werden mit Überwachungssystemen ausschließlich Übersichtsaufnahmen des jeweiligen Areals angefertigt. Aufnahmeabstand, Brennweite und teilweise auch die Bildauflösung schließen meist eine Personenidentifizierung und die Erfassung personenbezogener Daten aus. Somit werden Persönlichkeitsrechte in der Regel nicht beeinträchtigt und Kollisionen mit dem Datenschutzrecht vermieden. Um alle Vorgaben der DSGVO zu erfüllen, sollten Anwender auch darauf achten, dass die Daten auf Servern in Deutschland gespeichert werden, die strengere Datenschutz-Standards erfüllen. Der Zugang zu den archivierten Videodaten sollte passwortgeschützt über eine gesicherte Verbindung erfolgen, um einen Missbrauch durch Unbefugte auszuschließen. Außerdem sollte mit dem Systemanbieter ein so genannter Auftragsverarbeitungsvertrag abgeschlossen werden, der sich darin verpflichtet, DSGVO-Vorgaben einzuhalten.

Fazit: Vor- und Nachteile abwägen

Für die Dokumentation, Baufortschritts- und Qualitätskontrolle, die Sicherung von Baustellen sind Video-Überwachungskameras zweifellos von Vorteil. Heikler – nicht nur aus Datenschutzgründen – ist die ständige Überwachung. Potenzielle Einbrecher abschrecken oder Verursacher von Beschädigungen auch nachträglich über Videoprotokolle überführen und Arbeiter aller Gewerke und Subunternehmen "disziplinieren" zu können, ist zwar verlockend. Dies birgt, zusätzlich zu (datenschutz-)rechtlichen Risiken, aber auch die Gefahr, dass durch die ständige Überwachung ein latenter Stress entsteht und kameraüberwachte Bereiche bewusst gemieden werden. Zudem sollte man berücksichtigen, dass überall dort, wo nicht dokumentiert werden muss, in vielen Fällen auch eine gute nächtliche Ausleuchtung die Sicherheit von Objekten verbessert.

zuletzt editiert am 04.10.2022