Entlackung der Norderkroon
An der „Noorderkroon“ werden rund 1.000 Quadratmeter mit dem Eco-Master MK 3 vom alten Lack befreit. Foto: Woma

Oberflächentechnik 2016-01-28T00:00:00Z Wenn der Lack ab ist

In Holland lebt man mit und von dem Wasser, die Schifffahrt prägt das Leben. Deshalb ist es für die 1949 gegründete Stiftung „Zeekadetkorps“ wichtig, bereits Jugendliche im Alter zwischen neun und 22 Jahren an die maritime Welt heranzuführen. Dies will sie in dem kleinen Fischerdorf Urk am Ijsselmeer mit ihrer dort frisch gegründeten Ortsgruppe tun. Dazu wurde das ehemalige Postschiff „Norderkroon“ angeschafft. Die letzten fünf Jahre wurde es allerdings gar nicht mehr genutzt, weswegen eine Grundsanierung fällig ist. Um die verschiedenen Arbeiten an der Schiffshaut vornehmen zu können, muss zunächst der alte Lack ab. Dabei hilft die Firma Woma, ein Unternehmen der Kärcher Gruppe, mit Höchstdrucktechnik.

„Im Grunde ist die Norderkroon ganz solide, der Bergen-Diesel mit seinen acht Zylindern läuft rund, wie wir beim diesjährigen Sommercamp feststellen konnten. Die Brücke mit ihrer Technik ist zwar nicht auf dem aktuellsten Stand, aber funktionsfähig, ebenso die Kombüse. Und selbst das Unterwasserschiff muss nur von Muscheln und Seebewuchs befreit werden.“, so Rensa Bakker, der die Zeekadetten betreut und ausbildet. „Aber außen und oberhalb der Wasserlinie schaut das schon ganz anders aus.“ Dort prangen auf dem gelb gestrichenen Schiffsrumpf zahlreiche Flicken, Rost tritt vielerorts zutage.
„An einigen Stellen des Decks müssend deshalb gleich ganze Abschnitte komplett ausgetauscht werden“, beschreibt Woma-Anwendungstechniker Wolfgang Tröndle die anstehende Aufgabe. „Da sind schon zahlreiche Ausbesserungen gemacht worden. Aber es bleibt genügend Fläche, die wir mit Höchstdrucktechnik bearbeiten.“ Schätzungsweise 1.000 Quadratmeter Stahlplatten, Bleche und Profile, wie sie in der Schiffbauindustrie verwendet werden, müssen von vielen Lackschichten unterschiedlicher Beschaffenheit und unterschiedlichen Alters befreit werden, bis das ursprüngliche Material wieder zum Vorschein kommt.

Druckverluste vermeiden


Dafür kommt der Eco-Master MK 3 von Woma zum Einsatz: Das 2,3 Tonnen schwere Gerät ist als mobile Einheit mit einem Dieselmotor ausgerüstet, der mit seinen 146 Kilowatt einen Betriebsdruck zwischen 500 und 3.000 Bar aufbauen kann.
„Wir arbeiten im Durchschnitt mit 2.800 Bar, nur bei neuerem und deshalb noch härterem Lack muss man mit der vollen Leistung und sehr feinen Düsen ran“, erklärt Tröndle. Der Motor treibt eine Plungerpumpe an, die bis zu 26 Liter Wasser in der Minute bei 2.800 Bar befördert. Durch die Kompression auf bis zu 2.800 Bar wird das Wasser auf circa 60 Grad Celsius erhitzt. Es muss somit keine Wärmeenergie hinzugefügt werden um die Reinigungsleistung zu steigern. Die Anwendungstechniker von Woma achten darauf, keine Schlauchlängen über 200 Meter zu verlegen, da darüber hinaus die Druckverluste im Schlauch zu hoch werden .

Wie ein Rasenmäher


Für die gründliche Entlackung der Deckböden wird an den Eco-Master der Flächenreiniger „Vacujet 2500-1-E“ angeschlossen. Das Wasserwerkzeug ist zur Reinigung und Entlackung von Böden konzipiert. Es wird wie ein Rasenmäher über die zu bearbeitende Oberfläche geschoben. Knapp über dem Boden tritt das Wasser durch acht Edelstahldüsen aus, die im rechten Winkel auf den Untergrund gerichtet und auf einer Welle gelagert sind. Die Welle wird mittels eines Luftmotors angetrieben. „Die Erfahrung mit Lackentfernung zeigt, dass der Einsatz von mehreren Düsen mit kleinerem Durchmesser eine höhere Quadratmeterleistung erzielt. Wenn wir acht Düsen einsetzen, wird der Lack bestmöglich aufgeritzt und abgetragen“, erklärt Tröndle das Wasserwerkzeug.
„Die Arbeit erfordert ein wenig Gefühl. Denn man muss das Verhältnis von Druck zu Wassermenge immer auf das zu bearbeitende Material abstimmen, um gut voranzukommen und dennoch stets gründliche Arbeit zu leisten“, so der Anwendungstechniker weiter. Im Prinzip könne das Gerät auch Salzwasser verarbeiten fährt er fort und unterstreicht damit die Robustheit der Technik. „Doch das wäre sehr kontraproduktiv. Denn die Salzkristalle würden durch den hohen Druck in die Poren des Stahls gepresst und dort später wieder die Korrosionsbildung begünstigen.“ Sein niederländischer Kollege Ted Gijsbertsen setzt das 36 Kilogramm schwere und damit vor dem Abheben gesicherte Gerät in Gang: Er schiebt den Vacujet langsam über das Deck. Rund zwanzig Quadratmeter in der Stunde entlackt er so im Schnitt.

Sicherheit steht an vorderster Stelle


In den Randbereichen des Decks sowie an den senkrechten Bordwänden kommt hingegen eine Lanze zum Einsatz. Das Hochleistungs-Wasserwerkzeug ist mit der Turbodüse TD3000-SCS mit rotierendem Trägerkopf ausgerüstet. Das Wasser tritt aus sechs mit Industrie-Saphiren verstärkten 0,35 bis 0,45 Millimeter großen Düsen aus - die Saphire machen diese deutlich robuster und verringern den Verschleiß. Auch dieses Wasserwerkzeug verfügt über eine stufenlose Drehzahleinstellung. „Bei einem durch seinen hohen Druck beziehungsweise die Austrittsgeschwindigkeit sehr effizienten Gerät muss die Sicherheit an vorderster Stelle stehen“, weiß Alexander Reger, Leiter Anwendungstechnik bei Woma. „Deshalb muss immer Schutzkleidung mit Helm und Visier sowie Sicherheitsstiefel während der Strahlarbeiten von dem Bedienpersonal getragen werden.“
Um die Sicherheit zusätzlich zu erhöhen, wurde das Gerät so eingestellt, dass sich die Leistung beim erstmaligen Start über vierzig Sekunden langsam aufbaut, bis der Arbeitsdruck erreicht ist. Nach jeder Unterbrechung dauert es dann noch vier Sekunden, bis der volle Druck wieder da ist. So kann sich der Anwender auf die Rückstoßkraft einstellen. Die darf bei einer handgeführten Hochdruck-Lanze bis zu 250 Newton betragen, ab 150 Newton muss eine Körperstütze eingesetzt werden. Der Höchstdruck macht die Technik einerseits sehr effizient. Aber er stellt andererseits hohe Anforderungen an das Material. Es muss regelmäßig kontrolliert, manche Teile wie Schläuche oder Dichtungen müssen ausgetauscht werden. Selbst wenn sie noch keine äußeren Ermüdungserscheinungen aufweisen. Nur so kann das gesamte System leckagefrei und ohne Störungen arbeiten, womit gleichzeitig die technische Sicherheit sowie die Effizienz und Langlebigkeit gewährleistet werden.

Schneller Arbeitsfortschritt


Der Gesamtaufwand macht sich unterm Strich bezahlt: „Wir kommen gut voran und sind wie geplant voraussichtlich in 14 Tagen mit dem Entlacken fertig“, so Regers Fazit. Das wird die Zeekadetten freuen. Denn dann können sie mit ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern nach ihrem Feierabend das alte Schiff auch außen wieder grundieren und neu lackieren, nachdem der Umbau im Inneren bereits fertig gestellt wurde. „Wie ein Postschiff wird es dann gewiss nicht mehr ausschauen“, verrät er mit einem Augenzwinkern. Mehr aber auch nicht. Schließlich soll es noch eine kleine Überraschung geben, wenn es in vier Wochen wieder heißt: „Schiff ahoi!“

zuletzt editiert am 26. April 2021
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