Ein Vierteljahrhundert vertritt der Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF) nun die Interessen seiner Mitglieder. Verbandspräsident Prof. Dr.-Ing. Thomas Seul erläutert Ziele, Aufgaben, Erfolge und Ergebnisse.
Ihr Verband ist fast 25 Jahre alt. Was waren die Gründe für die Entstehung?
Prof. Dr.-Ing. Thomas Seul: Die Gründung des VDWF war im Kern eine unternehmerische, aber auch eine strukturelle Entscheidung. Das Hauptanliegen des Verbands war von Anfang an die Stärkung des deutschen Werkzeug- und Formenbaus, was die „Bündelung gemeinsamer Interessensräume“ beinhaltete, wie es in früheren Publikationen hieß. Dabei standen immer schon gemeinsame Messeauftritte, Netzwerkpflege, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen und die Nachwuchsförderung im Zentrum der Aktivitäten.
Was haben Sie in der Zeit vor allem erreicht?
Seul: Wir sind heute der Branchenverband für den Werkzeug- und Formenbau. Das haben wir erreicht! Wir werden gefragt und wir geben auch Antwort, wenn unsere Expertise verlangt wird. Und wir können uns auf eine stabile wirtschaftliche Lage stützen, die es uns ermöglicht, unabhängig zu handeln. Das ist für mich eine ganz wesentliche Ausgangssituation. Nur so können wir auch glaubwürdig entsprechende Angebote für unsere Mitglieder schaffen, als Basis dafür, was der VDWF heute ist, nämlich ein aktiver Begegnungsraum für die gesamte Branche.
Was blieb bisher offen?
Seul: Vieles, aber das ist relativ. Man muss nämlich nicht alles alleine machen. Der VDWF hält viel davon, strategische Partnerschaften einzugehen, die helfen, diese weißen Flecke auf der Landkarte zu besetzen. Wir pflegen beispielsweise die Schnittstellen zu anderen Branchenverbänden, wie dem Werkzeugbau-Institut Südwestfalen (WI.SWF), dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), dem Verband Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW( oder zum Modell- und Formenbauverband ebenso wie zu Forschungsinstituten und Hochschulen.
Mit welchen Maßnahmen unterstützen Sie Ihre Mitglieder in erster Linie?
Seul: „Gemeinsam stark“ heißt hier das Motto. Die hauptsächlich kleinen und mittelständischen Unternehmen, die den Werkzeug- und Formenbau in Deutschland prägen, erhalten kompetente Beratung und praktische Unterstützung bei Themen wie Aus- und Weiterbildung, Marketing, Management und Sachverständigenwesen. Der VDWF engagiert sich aber ebenso im Sinne seiner Mitglieder bei übergeordneten Fragestellungen, wenn es beispielsweise um den DIN-Normenausschuss oder die CE-Konformität von Werkzeugen und Formen geht. Außerdem schaffen wir Veranstaltungsformate, die Mitgliedern nicht nur dabei helfen, organisatorisch und technologisch die „Nase vorn“ zu haben, sondern auch den Austausch innerhalb des Verbands-Netzwerks fördern. Der VDWF organisiert beispielsweise Fachveranstaltungen, Schulungen, Seminare, Gemeinschaftsstände bei Fachmessen im In- und Ausland, Delegations- und Studienreisen, aber auch informelle Treffen wie Ski-Wochenenden, Grillfeste etc.
Welche Aufgaben hat sich Ihr Verband für die nächste Zeit vor allem gestellt?
Seul: Die nächste große Aufgabe, die vor uns steht, ist die Moulding Expo in Stuttgart (vom 30. Mai bis 2. Juni 2017 – d.Red.). Hier feiern wir unser Jubiläum auf dem größten Gemeinschaftsstand, den der Verband jemals hatte. „Being present“ ist hier nicht nur ein Nebeneffekt, auch nicht nur unsere nächste Aufgabe. Für unsere Branche ist „Being present“ das, wofür sich der Verband und alle Werkzeugmacher – nicht nur die VDWF-Mitglieder – gemeinsam einsetzen müssen, wenn wir hier weiterhin eine Technologieführerschaft in Deutschland und in Europa für uns beanspruchen möchten.
Warum lohnt es sich, Mitglied zu werden?
Seul: „Wo drei Deutsche zusammen sind, gibt es einen Verein“, heißt es im Volksmund. Vereinsmeierei sei typisch deutsch. Scheint ja etwas dran zu sein. Wenn das aber wie beim VDWF bedeutet, dass Menschen in einer gut organisierten Struktur lernen und sich austauschen können, dann sag’ ich „Hurra, da bin ich doch froh, dass wir den Verband haben.“ Und das funktioniert so richtig gut! Seriös, authentisch, persönlich, menschlich und vor allen Dingen zielorientiert immer im Sinne der Mitglieder. Damit das alles reibungslos klappt, genehmigen wir uns auch immer wieder einen großen Schluck aus der Flasche des Freidenkens und manchmal auch des Unsinns, um weiter voranzukommen. Diese Mischung ist ein ganz spannender Cocktail und ich kann nur jedem raten, ihn einmal zu probieren.
