Ein modernes Gebäude mit einer auffälligen dreieckigen Fassade, umgeben von anderen Hochhäusern in einer städtischen Umgebung.
Das in Holz-Hybrid-Bauweise errichtete Bürogebäude „The Cradle“ besticht durch sein ganzheitliches Gesamtkonzept und folgt dem Cradle-to-Cradle-Prinzip. (Quelle: Schöttner Fotografie)

Nachhaltigkeit 2025-01-30T09:25:25.034Z Vorzeigeprojekt „The Cradle“

Zirkuläres Bauen : Mit dem „The Cradle“ ist in Düsseldorf nach Plänen von HPP Architekten ein wegweisendes Projekt für digitale Planung und zirkuläres Bauen realisiert worden. Das in Holz-Hybrid-Bauweise errichtete Bürogebäude begeistert durch sein ganzheitliches Gesamtkonzept und folgt dem Cradle-to-Cradle-Prinzip. 

Das „The Cradle“ ist im angesagten Düsseldorfer Medienhafen auf einem Areal direkt am Rhein entstanden und bietet insgesamt 6.600 Quadratmeter Büroflächen sowie hochwertige Gastronomie-Angebote im Erdgeschoss. Ziel der Interboden Gruppe (Ratingen) als Investor war es vor allem, ein Vorzeigeprojekt für das Bauen der Zukunft zu schaffen – mit markanter Architektur sowie konsequenter Nachhaltigkeit nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip („Von der Wiege zur Wiege“). Das bedeutet konkret: Von Beginn an stand das Denken in Kreisläufen im Vordergrund – insbesondere auch hinsichtlich der eingesetzten Materialien. Dabei versteht sich das Gebäude als Materiallager für die Zukunft. Alle eingesetzten Baustoffe wurden in puncto Materialgesundheit, Sortenreinheit und Trennbarkeit geprüft und so verbaut, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus wiederverwendet bzw. in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden können. Ebenfalls zur integralen Planung gehört das Energiekonzept mit regenerativer Energieerzeugung durch eine Photovoltaik- sowie eine Geothermie-Anlage. An der Fassade kommen Aluminiumsysteme von Wicona aus der CO2-reduzierten Aluminiumlegierung „Hydro Circal 75R“ zum Einsatz. 

Eine moderne Fassade mit geometrischen, dreieckigen Elementen aus Holz und Metall.
Parametrisch in 3D entworfen, übernimmt das außen liegende Tragwerk durch seine spezielle Dimensionierung in der Tiefe je nach Himmelsrichtung zusätzlich auch die Verschattung. (Quelle: Schöttner Fotografie)

Nachhaltiges Gebäudekonzept und projektspezifische Fassade

Realisiert wurde „The Cradle“ komplett in Elementbauweise. Bis auf die Untergeschosse, das Erdgeschoss und den tragenden Kern wurden wesentliche Bauelemente aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz erstellt. Die rautenförmige Struktur aus Glas und Holz verbindet Fassade und Tragwerk und wurde von HPP Architekten unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und der Nachbarbebauung entwickelt. Parametrisch in 3D entworfen, übernimmt das außen liegende Tragwerk durch seine spezielle Dimensionierung in der Tiefe je nach Himmelsrichtung zusätzlich auch die Verschattung. Weiterer Vorteil der unterschiedlichen Tiefe von Tragwerk und Fassade: Auf der zum Hafenbecken gerichteten Gebäudeseite entstehen nutzbare Loggien, die – ausgestattet mit einer Absturzsicherung – einen hervorragenden Ausblick ermöglichen.

Aluminiumsysteme an der Fassade

Während das Erdgeschoss mit einer Pfosten-/Riegel-Fassade aus Holz mit 50 Millimetern Ansichtsbreite erstellt wurde, setzten die Planer in den fünf darüber liegenden Regelgeschossen auf eine Fensterband-Fassade aus Aluminium. Die speziell für das Projekt angepassten Fenster (1,25 x 3 Meter) basieren auf dem System „Wicline Evo 75“ von Wicona und sind teils als Festverglasung und teils mit öffenbaren Flügeln ausgeführt. Zudem wurden auch barrierefreie Fenstertüren in die Fensterbänder integriert. Im Inneren wurde ein dazu passender Sonnenschutz verbaut. Eine besondere Herausforderung stellte die Entwicklung von speziell auf die Rauten- bzw. Dreiecks-Form der Fassadenstruktur ausgerichteten Prallscheiben dar. Wicona-Projektleiter Thomas Staiger: „Wir haben die vorgehängte Prallscheiben-Konstruktion als Dreiecksverglasung nach Architektenwunsch gemeinsam mit den Experten vom Fassadenbauunternehmen Rupert App entwickelt und gemäß der erforderlichen Statik ausgearbeitet.“ Beim Dachgeschoss kommt schließlich eine projektspezifische Pfosten-/Riegel-Fassade zum Einsatz. Hergestellt sind alle Elemente aus der nachhaltigen Aluminiumlegierung „Hydro Circal 75R“. Diese besteht zu mindestens 75 Prozent aus recyceltem End-of-Life-Aluminium – also Aluminiumschrott, der vormals bereits in einem Produkt verbaut war und seinen kompletten Lebenszyklus durchlaufen hat. Thomas Staiger: „Da das Produkt über einen CO2-Fußabdruck von nur 1,9 kg CO2/kg Aluminium verfügt, konnte es die hohen Projektanforderungen in puncto Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit ideal erfüllen.“

Ein moderner Architekturkomplex mit geometrischen Fassadenelementen und großen Glasflächen.
Hergestellt sind alle Aluminiumelemente an der Fassade aus der nachhaltigen Legierung ,,Hydro Circal 75R" von Wicona. Diese besteht zu mindestens 75 Prozent aus recyceltem End-of-Life-Aluminium. (Quelle: Schöttner Fotografie)

Nicht zuletzt setzt „The Cradle“ auch in puncto integraler Planung neue Maßstäbe. Alle Planungsschritte erfolgten in BIM, und auch die Abstimmung der beteiligten Gewerke wurde über ein in Revit erstelltes 3D-BIM-Modell realisiert. Um den Cradle-to-Cradle-Gedanken mit dem BIM-Verfahren zu kombinieren, wurden alle in „The Cradle“ verbauten Materialien in einem „Building Material Passport“ dokumentiert. Dieser ermöglichte die Optimierung der Materialauswahl hinsichtlich Rezyklierbarkeit sowie CO2-Fußabdruck und stellt zudem eine ausführliche Dokumentation der verfügbaren Materialien für den Rückbau zur Verfügung.

Nachhaltigkeit ganzheitlich gedacht

Der ganzheitliche Nachhaltigkeitsansatz des „The Cradle“ lässt sich auch zahlenmäßig untermauern. In einer Lebenszyklusanalyse wurden die Umweltauswirkungen des Gebäudes untersucht. Ergebnis: Die Summe aller getroffenen Maßnahmen führen zu einem CO2-Fußabdruck (GWP) von lediglich 41,17 kg CO2/m² Nettogeschossfläche über einen Nutzungszeitraum von 50 Jahren. Ein echtes Vorzeigeprojekt für zirkuläres Bauen.

zuletzt editiert am 30. Januar 2025
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