An einem mehrgeschossigen Bürohaus bemängelte der Generalunternehmer (GU) die Farbtonunterschiede zwischen den einzelnen Fensterelementen, insbesondere zwischen den Pfosten und den Fensterrahmen.Es handelte sich um Holz-Aluminium-Fensterelemente, bei denen die bewitterten Außenschalen aus farbanodisierten Aluminiumprofilen bestanden.
Bestellt wurde das Oberflächenaussehen gemäß der DIN EN ISO 7599 im Oberflächenzustand E4 und dem Farbton C 31 (geschliffene und gebürstete Oberfläche, die danach im Farbton C 31 (VOA-Farbton hellbronze)) anodisch oxidiert wurde. Zur Bewertung der Farbtonunterschiede gab es norm- und vertragsgemäß ein helles und ein dunkles Farbgrenzmuster, das zwischen den Vertragspartnern vereinbart war.Beim Vor-Ort-Termin wurden stichprobenartig vergleichende visuelle Bewertungen der bemängelten Bauteile vorgenommen.Üblicherweise sollte die Bewertung der Farbtonunterschiede gemäß der Norm bei einem Betrachtungsabstand von drei beziehungsweise fünf Metern stattfinden. Bei Verwendung von Grenzmustern ist maximal ein Meter vorgegeben. Die visuelle Bewertung bei diffuser Beleuchtung ergab, dass alle geprüften Bauteile innerhalb der vereinbarten Grenzmuster lagen.
Fehleranalyse und -bewertung
Farbtonunterschiede werden von folgenden Größen beeinflusst:
- Zusammensetzung des Aluminiumgrundmaterials,
- Oberflächenstruktur zum Beispiel matt gebeizt, geschliffen, gebürstet usw.,
- Verfahrenstechnik (Zusammensetzung und Temperatur des Eloxalbades),
- Dicke der anodisch erzeugten Oxidschicht,
- weitere Badparameter wie die Verweilzeit im Färbebad (mit Zinn eingefärbt).

Daraus ergibt sich, dass bei anodisierten Oberflächen generell mit Farbtonunterschieden zu rechnen ist. Diese lassen sich minimieren, wenn die Materialzusammensetzung des Halbzeugs begrenzt wird (zum Beispiel über die Vorgabe Lieferung in Eloxalqualität - EQ).Der Eloxalbetrieb kann durch Einhaltung der Badparameter die Streuung der Farbnuancen reduzieren. Einen maßgeblichen Einfluss haben die Dicke der Eloxalschicht und die Oberflächenstruktur. Vor Ort lässt sich messtechnisch nur die Dicke der Eloxalschicht bestimmen, die im vorliegenden Fall im Mittel bei 23 Mikrometer lag. Für bewitterte Außenbauteile sind normativ Mindestschichtdicken von zwanzig Mikrometer vorgeschrieben.Als besonders kritisch gilt die Herstellung heller Bronzetöne, die sie eine sehr kurze Verweilzeit im Färbebad haben. Für dunkle Bronzetöne sind 15 bis zwanzig Minuten, für helle Bronzetöne drei Minuten erforderlich. Die Teile müssen zeitnah aus dem Färbebad entfernt werden, da es sonst zu einem „Aufhellen“ kommen kann.Ein Mangel durch unüblich große Farbtonunterschiede war an den begutachteten Bauteilen nicht zu erkennen. Der GU hatte die festgestellten Schwankungen zu akzeptieren, da diese innerhalb der vertraglich festgelegten Grenzmuster lagen.Zur Ursachenfeststellung, ob es ein material- oder eloxalbedingter Farbtonunterschied ist, können zwei farblich abweichende Proben verschweißt und anschließend nochmal neu eloxiert werden.
Schadensvermeidung und -beseitigung

Bei der Materialbestellung von Aluminiumblechen und -profilen ist bereits das Halbzeug in Eloxalqualität zu bestellen. Besonders bei großflächigen Fassadenbekleidungen sollten die Bleche aus einer Herstellungscharge stammen. Für notwendige Passteile sind ebenfalls weitere Halbzeugmengen zu berücksichtigen.Sollte es trotzdem zu Farbtonunterschieden kommen, kann man eine Farbsortierung vornehmen, damit nicht zu helle neben dunklen Teilen eingebaut werden.Durch ein Abbeizen der Eloxalschicht mit anschließender Neueloxierung kann der Unterschied minimiert werden. Sind die Farbtonunterschiede auf einen Materialeinfluss zurückzuführen, kann bei Gebäuden mit hohen optischen Anforderungen auch eine Neuherstellung der Fassadenelemente notwendig werden. Für derartige kostenintensive Entscheidungen empfiehlt es sich die „Nutzwertanalyse“ nach Oswald und Abel anzuwenden.
PRAXISTIPP
- Bei der Herstellung von Bauteilen aus Aluminium mit anodisierten Oberflächen ist das Halbzeug immer in Eloxalqualität zu bestellen.
- Werden Blechbekleidungen aus Aluminium eingeplant, sind diese aus einer Materialcharge zu bestellen.
- Von beiden Bauteilarten (Fenster und Fassade) sind immer Grenzmuster (Hellgrenze/ Dunkelgrenze) herzustellen und vom Auftraggeber abzeichnen zu lassen.
- Bei Streitfällen ist es hilfreich, von farblich abweichenden Teilen Proben durch Zusammenschweißen und Neueloxieren zu bewerten.
GELTENDE REGELN
Die Beachtung folgender Normen, Richtlinien, Verordnungen und Regeln sind die Voraussetzung für die fachtechnisch einwandfreie Ausführung der Arbeit:
- Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik: Kap. 1.8.2.3 Oberflächenbehandlung von Aluminium, Kap. 1.19.5.1 anodisch oxidierte Bauteile,
- DIN EN ISO 7599 Anodisieren von Aluminium und Aluminiumlegierungen; Verfahren zur Spezifizierung dekorativer und schützender anodisch erzeugter Oxidschichten auf Aluminium;
- DIN 17611 Anodisch oxidierte Erzeugnisse aus Aluminium und Aluminium-Knetlegierungen; Technische Lieferbedingungen,
- VFF Merkblatt AL.03: Visuelle Beurteilung von anodisch oxidierten (eloxierten) Oberflächen auf Aluminium. Verband Fenster + Fassade (VFF), Frankfurt am Main,
- VOA Merkblatt 05: Farbtoleranzen bei der dekorativen Anodisation. Verband für die Oberflächenveredelung von Aluminium e.V., München,
- Rainer Oswald, Ruth Abel: Hinzunehmende Unregelmäßigkeiten bei Gebäuden. 3. Auflage, Vieweg Verlag, Wiesbaden.
Baujahr/Schadensjahr: 2017