Vor 35 Jahren gründete Bernhard Hahner sein Unternehmen, jetzt feierte er mit seinen rund 200 Mitarbeitern Jubiläum. Auf der Feier verlieh er erstmals den Förderpreis Kunst+Stahl. Welche Werte ihm in seinem Unternehmen wichtig sind, wie er den Zusammenhalt fördert und warum ihm die Kunst wichtig ist, erzählt er im Interview.
35 Jahre Hahner – wie haben Sie angefangen?
Angefangen hat alles mit einer Bastelwerkstatt, das war noch während meines Maschinenbaustudiums. Die ersten Aufträge kamen aus dem Maschinen- und Metallbau. Ohne Businessplan, Finanzierung oder professionelle Kenntnisse im Handwerk, aber voller Neugierde und Begeisterung, wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit.
Gab es ein besonderes Erlebnis, das Ihnen in Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es auf jeden Fall deutlich mehr als ein Erlebnis. Wie viel Zeit habe ich…(lacht).
Eines der eindrücklicheren aus meiner Anfangszeit ist aber dieses: Beim Umzug von der ersten Werkstatt zum nächsten Standort, dem alten Raiffeisenlager im Nachbarort Böckels, nutze ich den Traktor und landwirtschaftliche Anhänger, um Werkzeuge und das Schutzgasschweißgerät zu transportieren. Es war nicht weit, aber die Strecke war holprig und mein Fahrzeug schlecht gefedert, und plötzlich gab es ein zischendes Geräusch, das mir den Atem stocken ließ. Ich breche hier ab und freue mich, dass alles gut gegangen ist, und weiß seitdem, dass man beim Transport von Schweißgeräten besser die Armaturen von der Druckflasche entfernt und die Schutzkappe aufschraubt.
Welche Anschaffung war die
bedeutendste im Unternehmen?
Noch heute würde ich sagen, dass die wichtigste Investition für mich der Umzug in eigene Räume drei Jahre nach der Gründung und damit in eine eigene Produktionsstätte war.
Zur Hahner-Gruppe gehören mittlerweile über 200 Mitarbeiter aus fünf
operativen Unternehmen. Wie fördern Sie das Arbeitsklima und den Zusammenhalt?
Zentral sind für mich nach wie vor Nahbarkeit und Kommunikation auf Augenhöhe, kurzum: gegenseitige Wertschätzung. Natürlich feiern wir auch gerne. Das gemeinsame Feiern ist genauso wichtig. Das habe ich auch bei unserem Tag der offenen Tür im Juni erleben können. Es war so schön zu sehen, wie sich das Team auf unterschiedlichste Art und Weise eingebracht hat und
gemeinsam dafür gesorgt hat, dass wir einen gelungenen Tag hatten. Und dann zu sehen, wie viele noch lange nach dem offiziellen Ende geblieben sind, bestärkt mich enorm.
„Voller Neugierde und Begeisterung wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit.“
Bernhard Hahner, Hahner-Technik
Anlässlich des Jubiläums haben Sie einen einen Wettbewerb ins Leben gerufen. Worum geht es dabei?
Anlässlich unseres Jubiläums haben wir den Förderpreis Kunst+Stahl ins Leben gerufen, um aufstrebenden Kunstschaffenden mit den Produktionsmöglichkeiten im Handwerk vertraut zu machen. Es ist uns ein Anliegen, die Chancen die uns den Start ermöglicht haben, weiterzugeben. Der Preis enthielt neben einem Preisgeld von insgesamt 3.500 Euro auch die Umsetzung des eingereichten Entwurfs durch unser Unternehmen auf unserem Werksgelände.

Wer hat diesen gewonnen?
Unsere Fachjury hat mit Vitalii Shupliak, (geboren 1993 in der Ukraine) einen Preisträger ausgezeichnet, aber auch für mich fühlte es sich wie ein Gewinn an. Es erreichten uns über 30 Zuschriften von Studierenden und Graduierten von 15 Kunsthochschulen in Deutschland, Österreich und den USA. Es war unglaublich spannend, mit den anderen Mitgliedern der Jury so viele sorgfältig ausgearbeitete und vielfältige Bewerbungen zu diskutieren.
Ursprünglich dachte ich, es wäre eine Sache von Stunden, und war dann überrascht, dass allein die Vorbereitung auf die Jurysitzung ein Wochenende dauerte und wir als Jury einen ganzen Tag zusammensaßen.
Shupliak lebt in Berlin und arbeitet mit den Medien Installation, Video und Performance. Sein Entwurf „Firewall“ überzeugte uns durch große Offenheit gegenüber unterschiedlichen Sichtweisen und eine präzise, eigenständige Idee im Kontext der Ausschreibung.
Wie ging es dann weiter?
Wir haben Vitalii Shupliak zu uns eingeladen und geschaut, wie wir seinen Entwurf gemeinsam realisieren können. Wenn ich gemeinsam sage, dann auch, weil mein Team in vielfältiger Weise und mit großem Einsatz an der Umsetzung beteiligt war. Rechtzeitig zu unserem Jubiläum konnte die Installation vor unserem Hauptgebäude aufgestellt werden.
Warum diese Affinität zur Kunst?
Aus der Erfahrung mit den zahlreichen Kunstprojekten, die wir im Laufe der Jahre realisieren durften, weiß ich, wie Kunst den Horizont erweitern und auch neue Perspektiven auf unsere tägliche Arbeit eröffnen kann. Als Unternehmer möchte ich den Lebensraum unserer gemeinsamen Zukunft aktiv mitgestalten und glaube, dass ich durch die Förderung von Kunst einen wertvollen Beitrag dazu leisten kann. Hinzu kommt, dass meine Frau, Christina Hahner, Architektin ist. Eines meiner Kinder hat außerdem kürzlich sein Studium an der Kunstakademie abgeschlossen und wird im nächsten Semester ein Postgraduierten-Studium beginnen.
Wie wird diese Affinität in Ihrem
Unternehmen sichtbar?
Heute wird unsere Liebe zur Kunst dadurch sichtbar, dass wir nun vor unserem Hauptgebäude einen echten Shupliak stehen haben. Und dass in unserem Team seit einigen Jahren mit Lisa Tschorn eine diplomierte Künstlerin arbeitet, und natürlich auch dadurch, dass wir mit den künstlerischen Projekten einen bedeutenden Teil unseres Umsatzes generieren.
Zugleich war Ästhetik immer schon wichtig. Ganz gleich, ob es um die Planung des Firmengeburtstags oder die Gestaltung der Außenanlagen geht. Schön finde ich, dass ich trotz der zahlreichen Erweiterungen, die die Hahner-Gruppe über die Jahre erfahren hat, weiterhin das Gefühl haben kann, dass sie aus einem Guss besteht.
Wie bereiten Sie das Unternehmen auf die nächsten 35 Jahre vor?
Bei der Hahner-Technik habe ich ein Top-Führungsteam, das meine Leidenschaft für den Werkstoff Stahl teilt. Neben mir gibt es in jeder Gesellschaft noch einen allein vertretungsberechtigten Geschäftsführer, der sich um das operative Geschäft kümmert. Mit unserem Team werden wir die großen Herausforderungen der nächsten Jahre aktiv und mit Neugierde angehen. Aus meiner Sicht sind dies:
Nachhaltigkeit und Digitalisierung in allen Bereichen sowie Automatisierung in der Produktion und zugleich handwerkliches Können in Perfektion zu halten.