2015 wurde Thomas Hammer mit dem Deutschen Metallbaupreis für die Jachtbalkone an der Therme Erding ausgezeichnet. Foto: M&T
2015 wurde Thomas Hammer mit dem Deutschen Metallbaupreis für die Jachtbalkone an der Therme Erding ausgezeichnet. Foto: M&T

Interviews mit Branchenpartnern

01. October 2021 | Teilen auf:

Stahl- und Metallbau: „Wir fordern mitunter sehr viel von den Mitarbeitern“

(Oktober 2021) Thomas Hammer ist mit seinem Team von der Hammer Stahl-Manufaktur für Aufträge im In- und Ausland unterwegs. 2020 gewann er mit der Miniaturachterbahn in Sinsheim den Deutschen Metallbaupreis. Woher er seine Innovationskraft nimmt, wie er ein gutes Team zusammenstellt und mit diesem an spannende Aufträge kommt, schildert er im Interview mit M&T-Redakteurin Yvonne Schneider.

Wo ist Ihr Unternehmen besonders innovativ?

Innovativ bedeutet immer mit offenen Augen im Leben zu stehen, Entwicklungen und Tendenzen zu erahnen und sich trauen, zusammen mit den Mitarbeitern einen nächsten Schritt zu gehen. Innovativ zu sein ist ein nie endender Prozess mit ständig neuer Ausrichtung. Die innovative Entwicklung oder Veränderung in unserem Unternehmen, möchte ich an einigen Jahreszahlen erläutern. Gleichzeitig möchte ich erwähnen, dass sich viele Kollegen ähnlich oder sogar noch innovativer in den Jahren entwickelt haben. 1991 baute unsere Familie ein gewendeltes Edelstahlgeländer in unser Haus ein. Das war drei Jahre vor der Betriebsgründung. Edelstahlumwehrungen kannte man damals nur aus den Schwimmbad-, Lebensmittel- und Chemiebereichen. Der erste Auftrag war somit auch ein gewendeltes Edelstahlgeländer in einem Verwaltungsgebäude in der Nähe von Sinsheim. 1999 bauten wir aus Edelstahl eine Überdachung von sechs mal fünf Meter. Unter der Edelstahlkonstruktion hingen vier punktgehaltene VSG-Glasscheiben. Jede Scheibe hatte eine Größe von fünf mal anderthalb Meter. Im Jahre 2000 stellten wir Oldtimer auf Glas und bauten „Infinity-Geländer“ also Ganzglasgeländer. Systemanbieter gab es damals noch nicht und die DIN 18008 Teil 3-5 kam Jahre später. Seitdem bauen wir regelmäßig Glastreppen, Glasstege oder „Infinity-Geländer“. 2006 bewirkten wir für eine 1.400 Millimeter breite Glasstufe, die lediglich zweiseitig gelagert und geklebt war, eine ZiE. Heute beschäftigen wir uns mit dem Thema „BIM“, mit der Frage, ob ein Kleinunternehmen die Aufgabe BIM stemmen kann und ab welchem Zeitpunkt sich BIM für Kleinbetriebe lohnt. Was uns betrifft, fühlen wir uns zum Thema BIM gut gerüstet. 

Sie haben oft spannende Aufträge im Ausland. Wie akquirieren Sie diese?

Wir haben ein gutes Netzwerk. Darüber hinaus war unser Unternehmen über Jahre einer von vielen Gesellschaftern bei „BW-C“ – Baden-Württemberg Constuction. Das Ziel dieser Organisation war die Vermarktung vom Handwerkerleistung aus Baden-Württemberg im Ausland. Wir unternahmen gemeinsam einige Delegationsreisen, wodurch wir persönlich bekannter wurden. Von Kunden, die auf uns aufmerksam wurden sowie von Netzwerkpartnern erhielten wir Aufträge in St. Petersburg, Katar und Manila. Wir haben Kontakte nach Dubai, Saudi-Arabien, Ägypten, England aber auch in Länder wie Frankreich und Österreich. Aktuell arbeiten wir im Zentrum von Wien. Wir sehen Aufträge im Ausland nicht als Hauptziel, sondern als Bereicherung und spannende Abwechslung für unser Unternehmen an. 

Welche Aufgaben machen Sie in Ihrem Unternehmen besonders gern? 

Gerne biete ich meine Ideen und meine Kompetenz unseren Kunden, meinen Mitarbeitern, vor allem auch unseren Auszubildenden an. Es stellt mich tief zufrieden, wenn die von mir erteilten Ratschläge bei den Mitarbeitern, und gerade bei den Auszubildenden umgesetzt werden. Ausgefallene, besondere Arbeiten sind für mich IMMER eine Herausforderung und stellen einen besonderen Reiz für mich da. Für jede noch so knifflige Aufgabe gibt es eine Lösung. Habe ich sie gefunden, bin ich zufrieden. Sie haben 2020 mit der Miniaturachterbahn in Sinsheim den Deutschen Metallbaupreis gewonnen.

Wie wirkt sich diese Auszeichnung auf Ihren Betrieb aus?

Vorab: es ist eine große Ehre einen Metallbaupreis in Empfang nehmen zu dürfen. Die Mitarbeiter fühlen sich geehrt und in ihrer Leistung bestärkt. Das macht die Mitarbeiter – und auch mich als Chef – stolz. Schließlich haben die Mitarbeiter, in diesem Fall aus Edelstahl, etwas hergestellt was sicherlich nicht für einen großen Kundenkreis angedacht ist, allerdings ist es ein ganz besonderes Unikat mit eigenem Wert. Wenn es gut läuft, dann dauert es nicht lange und wir bauen eine doppelt so lange und große Achterbahn in einen Garten. Ein Metallbaupreis hebt auf alle Fälle den Bekanntheitsgrad – vor allem aber das Image eines Unternehmens. Wer einmal einen Metallbaupreis in den Händen halten darf, der weiß, dass seine Mitarbeiter und das gesamte Unternehmen etwas ganz Außergewöhnliches geschaffen haben. 

Wie haben Sie den Gewinn öffentlich gemacht?

Am Abend der Preisverleihung des Deutschen Metallbaupreises 2020, gab es im Erlebnismuseum Fördertechnik eine kleine Feier, bei der geladene Gäste und die hiesige Presse zugegen war und tolle Berichte mit Bildern veröffentlichte. Wir haben die Plattformen LinkedIn und Xing genutzt, um den Gewinn zu veröffentlichen und gleich das Gewinnervideo dazu verlinkt. Des Weiteren sendeten wir an unsere Familien, Freunde, Bekannte und Verwandte eine Mail mit dem Gewinnervideo. Am Tage der Preisübergabe haben wir ein neues großes Plakat an unserer Firmenfassade gehängt auf dem die Metallbaupreis-Gewinner-Trophäe mit der Jahreszahl 2020 zu sehen ist.

Wie nutzen Sie die Auszeichnung zur Auftrags-Akquise?

Unsere Kunden nehmen diese Auszeichnung mit starkem Interesse und Neugierde zur Kenntnis. Bei der Beratung ist die Auszeichnung mit dem Deutschen Metallbaupreis dienlich und hilfreich, da unsere Kunden das Potenzial in unserem Betrieb erkennen und schätzen. 

Wie gewinnen Sie Fachkräfte? 

Am besten und am liebsten in dem wir unsere Fachkräfte selbst ausbilden. Darin sehe ich den größten Gewinn für unseren Betrieb. Deshalb haben wir immer einen oder sogar zwei Auszubildende im Unternehmen. Nach der Ausbildung bieten wir unseren guten jungen Facharbeitern eine Weiterbeschäftigung an. Wir haben großes Verständnis, wenn sich unsere jungen Facharbeiter umorientieren und höhere Schulen besuchen oder zu einem Industriebetrieb oder Kollegen wechseln. Das gehört auch dazu. Wichtig bei uns: Die Fachkräfte müssen zu uns und in das Team passen. Für das Fachliche sorgen wir mit der Zeit. 

Wie halten Sie ihre Fachkräfte langfristig?

Durch ein gutes Betriebsklima, fairen Umgang, Verständnis und Weiterbildung bei der Arbeit. Wir fordern mitunter sehr viel von den Mitarbeitern, dafür bekommen sie frei, wenn sie frei haben wollen. Wir haben ein flexibles Zeitkonto, und wir haben sehr angemessene Gehälter und Stundenlöhne. Final – und dies darf ich nicht unterschätzen – meine Mitarbeiter brauchen immer wieder eine Herausforderung, für die sie genauso brennen, wie ich es tue. Stimmen Umsatz und Gewinn motivieren wir die Mitarbeiter mit Weihnachtsgeld. Darüber hinaus spendierten wir auch schon mal einen Abend im Spiegelpalast Palazzo oder eine Nacht in Bochum, um das Musical Star-Light-Express zu besuchen. Auch in dem Punkt gehen wir andere Wege.

Welche Rolle spielt das Thema Unternehmens-Übergabe?

Seit Jahren für mich eines der Hauptthemen an dem ich immer wieder arbeite. Sehr gerne würde ich meinen Betrieb übergeben und in punkto Verantwortung entweder ganz oder eine Stufe zurücktreten. Je früher dies passiert, desto länger hat der neue Chef die Chance, den Betrieb nach seinen Vorstellungen zu führen und auszurichten. Ich selbst kann mich noch gut beschäftigen, entweder im Betrieb oder auch auf anderen Gebieten. Dies darf aber der neue Geschäftsführer entscheiden. In Ruhestand gehen werde ich definitiv nicht, dazu bin ich noch zu fit. Zudem sind wir sehr gut aufgestellt, haben einen guten Maschinenpark, modernste Technik und Software installiert, einen guten Kundenstamm und einen hohen Bekanntheitsgrad und das Wichtigste: Wir haben ein gutes Team. Mehr braucht man im Grunde nicht um erfolgreich zu sein. 

Wie sind die Pläne für die Zukunft ihres Betriebes?

Auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen und in punkto Fortbildung niemals nachlassen. Persönlich möchte ich, wie ich schon sagte, ungebremst weiter aktiv bleiben. Das alles, solange ich den Geist und die Vitalität dazu habe. Wenn ich mit achtzig Jahren noch engagiert Motorrad fahren kann, in 15 Jahren mein Fachwissen und meine Erfahrung noch abgefragt wird, wenn ich in zehn Jahren noch ein 3D-Aufmaß auf die Reihe bekomme, warum sollte ich dann mit den Dingen aufhören, die mir Spaß machen und mir Erfüllung bereiten. Zudem: meine Mitarbeiter haben eine langfristige Jobsicherheit in einem guten Unternehmen verdient. Damit ist die Aufgabe für mich klar definiert.

Infos

Seit über 25 Jahren erfolgreich

Hammer Stahl-Manufaktur: Betriebsgründung im Jahre 1994, Unternehmen Bereich Metallbau Fachrichtung Konstruktionstechnik mit sechs Mitarbeitern und zwei Auszubildenden. Geschäftsführer Thomas Hammer ist Werkzeugmachermeister, Betriebswirt des Handwerks und Europäischer Schweißfachmann (EWS) außerdem leidenschaftlicher Musiker und Motorradfahrer.

Deutscher Metallbaupreis: 2015 und 2020 hat der Betrieb den Deutschen Metallbaupreis gewonnen.