Bei einem Geländerhandlauf aus Messing, der als oberer Abschluss eines Treppengeländers in einem Warenhaus diente, waren teilweise in einen Rotton übergehende Verfärbungen festgestellt worden. Der Sachverständige sollte die Ursache ermitteln und die Fragen beantworten, ob die Verfärbungen entfernt werden und ob vorbeugende Maßnahmen Abhilfe schaffen könnten.
Der Handlauf war aus hochglanzpoliertem Messing gefertigt. Bei der Übergabe an die Bauherrenschaft wurde diese vom Metallbauunternehmen darauf hingewiesen, dass besonders der Messinghandlauf regelmäßig gereinigt werden muss. Zum weiteren Schutz wurde empfohlen, nach erfolgter Reinigung einen dünnen Film aus Mineralöl oder Leinöl aufzutragen.
Im Lauf der Nutzung entstand nach 1,5 Jahren auf der Oberfläche eine immer intensiver werdende bräunliche Verfärbung, die sich auch bei zeitintensiver Reinigung nicht mehr vollständig entfernen ließ. Zusätzlich bildeten sich neben der Braunfärbung rötliche Flecken, die auch nicht mehr entfernt werden konnten.
Der Immobilieneigentümer nahm diesen Umstand zum Anlass, das Gewerk zu rügen.
Fehleranalyse und -bewertung

Oberflächen von Bauteilen aus Messing bilden im Laufe der Zeit durch Oxidation eine grünliche, bräunliche oder rötliche Patina. Messing besteht in der Hauptsache aus den Elementen Kupfer (etwa 57 Prozent) und Zink (fünf bis 45 Prozent). Daneben können in kleinen Prozentanteilen Blei, Zinn, Aluminium, Mangan und Nickel enthalten sein. Geringe Zusätze von Aluminium ergeben eine grünlich-gelbe Färbung des Werkstoffs. Bei Zugabe von Mangan geht die Färbung mehr ins bräunliche.
Diese Farbpalette macht Kupfer-Zink-Legierungen für die Architektur so interessant. Allerdings wandelt sich das farbliche Erscheinungsbild durch die natürliche Bildung einer Patina. Diese besteht vorwiegend aus basischen Salzkristallen und bildet sich durch Korrosion auf den Messingbauteilen. Die chemische Zusammensetzung des Messings und die spätere Nutzung, beziehungsweise die Stoffe, mit denen der Werkstoff in Berührung kommt (basisch oder sauer), beeinflussen die Farbe der Patina. Ist das Vorhandensein einer sichtbaren Patina nicht gewünscht, muss diese in angemessenen Abständen entfernt werden. Das Oxidationsprodukt ist häufig nicht wasserlöslich, so dass die Oberfläche mit einem auf einer milden Säure (zum Beispiel Zitronenbasis) basierenden Reinigungsmittel gereinigt werden muss. Nur so ist es möglich, das ursprüngliche, hier golden-gelbe Erscheinungsbild des Messings ständig und dauerhaft zu erhalten.
Schadensvermeidung und -beseitigung
Die Patina auf der Handlaufoberfläche ließ sich mit einem dafür geeigneten handelsüblichen Reiniger entfernen, so dass das ursprüngliche Erscheinungsbild, bis auf im Laufe der Nutzungsdauer entstandene mechanische Beschädigungen, wiederhergestellt werden konnte. Einen Schutzfilm aus zum Beispiel Leinöl aufzutragen (wie vorgegeben) war in diesem Fall praktisch nicht umsetzbar. Dieser wäre nur wirksam, wenn er vollständig erhalten bliebe. Das ist bei einem Handlauf nicht möglich. Dadurch kann sich sogar die Oxidation beschleunigen. Den Kunden können auch keine öligen Hände zugemutet werden. Eine Beschichtung mit einem Klarlack machte ebenfalls nur bei wenig berührten Gegenständen Sinn.Hilfreich war nur eine regelmäßige Reinigung mit einem auf einer milden Säure basierenden Reinigungsmittel.
Zusatzinfos
Praxistipp:
- Naturbelassene Messingbauteile bedürfen einer ständigen arbeitsintensiven Wartung, wenn das ursprüngliche Erscheinungsbild erhalten bleiben soll.
- Klären Sie Ihren Kunden bei der Entscheidung, Messing ja oder nein, umfassend über die Eigenschaften dieses Materials während der Nutzung auf.
Geltende Regeln:
Die Beachtung folgender Normen, Richtlinien, Verordnungen und Regeln sind die Voraussetzung für die fachtechnisch einwandfreie Ausführung der Arbeit:
- Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik: Kap. 1.6.4 Kupfer, Bronze, Messing.
Baujahr: 2015
Schadensjahr: 2017